Kurzüberblick: Ein Gravitationstest für SpaceX

Mitte Juli 2026 spielte sich rund um den Luft- und Raumfahrtkonzern SpaceX (SPCX) ein echtes Börsendrama ab. Erstmals seit dem historischen Börsengang im Juni fielen die Aktien des Unternehmens unter den Ausgabepreis von 135 US-Dollar und erreichten zwischenzeitlich ein Tief von 132,15 US-Dollar, bevor sie bei 135,27 US-Dollar schlossen. Das entspricht einem Rückgang um 33 % gegenüber den Höchstständen unmittelbar nach dem Listing. Die Marktkapitalisierung von SpaceX sank von einem Rekordwert von 2,1 Billionen auf 1,8 Billionen US-Dollar.

Obwohl der Börsengang von SpaceX der größte in der US-Geschichte war und 75 Milliarden US-Dollar einbrachte, sind weniger als 5 % der Aktien an der Börse gelistet. Diese künstliche Verknappung trieb den Kurs zunächst in die Höhe, doch nun sehen sich Anleger einer harten Realität gegenüber: Der August steht vor der Tür und könnte mit dem Auslaufen der Lock-up-Periode eine massive Verkaufswelle bringen. Unterdessen bleiben führende Investmentbanken äußerst optimistisch – Evercore ISI setzte ein Kursziel von 230 US-Dollar, Needham hob seine Prognose auf 250 US-Dollar an, und Raymond James rechnet sogar mit 800 US-Dollar.

Zentrale Belastungsfaktoren

Der aktuelle Rückgang der Aktienkurse ist auf fundamentale Faktoren zurückzuführen, die die SpaceX-Aktie mittelfristig weiter belasten werden:

Massive Auslaufwelle von Lock-up-Bindungen im August. Die größte Bedrohung geht vom Auslaufen der Lock-up-Beschränkungen für Mitarbeitende und Frühinvestoren am zweiten Handelstag nach Veröffentlichung des ersten Quartalsberichts aus (erwartet Anfang August). Rund 911,5 Millionen Aktien im Gesamtwert von 123 Milliarden US‑Dollar werden dann auf den Markt kommen. Zum Vergleich: Das gesamte derzeit an der Nasdaq gehandelte Volumen von SpaceX‑Aktien beträgt 86 Milliarden US‑Dollar. Das Angebot an Aktien wird sich damit mehr als verdoppeln und einen massiven Angebotsüberhang schaffen. Weitere 455,8 Millionen Aktien hätten bei einem Kurs von über 175,50 US‑Dollar freigegeben werden können, was derzeit jedoch irrelevant ist. Bis Dezember dürfte der Free Float des Unternehmens auf etwa 40 % des gesamten Kapitals anwachsen.

Extrem hohe Bewertung. Selbst nach einem Wertverlust von einem Drittel wird SpaceX mit dem 49‑Fachen des erwarteten Jahresumsatzes gehandelt. Zum Vergleich: Tesla wird mit dem 15‑Fachen des Umsatzes bewertet. Zudem schloss SpaceX das vergangene Jahr mit einem Nettoverlust von rund 5 Milliarden US‑Dollar ab, was die aktuelle Bewertung hochspekulativ und anfällig macht.

Historische Entwicklung von Börsendebütanten. Daten zu 50 großen US‑IPOs seit 2010 zeigen, dass Unternehmen, deren Aktien innerhalb der ersten zwei Monate unter den Emissionspreis fielen, den Markt anschließend dauerhaft unterperformten. Ihr medianes Wachstum lag bei 61 %, verglichen mit 112 % bei jenen, die ihre Ausgangsniveaus halten konnten.

Technologische Herausforderungen und Investitionsaufwand. SpaceX hat von der FAA die Genehmigung für neue Starship‑Tests erhalten, doch die kommerzielle Effizienz muss erst noch bewiesen werden. Die Übernahme des EchoStar‑Frequenzspektrums für das Starlink‑Mobilfunkinternet im Volumen von 17 Milliarden US‑Dollar erfordert enorme Investitionsausgaben (CapEx) und verzögert das Erreichen einer stabilen Nettoprofitabilität.

Prognose

Unsere Einschätzung der Lage fällt deutlich vorsichtiger aus als die hyperoptimistischen Erwartungen der meisten Wall‑Street‑Analysten.

In den kommenden zwei Monaten (August–September 2026) steht SpaceX vor einem harten Belastungstest. Das enorme Volumen an Aktien, die aus dem Lock‑up kommen, wird einen kolossalen Verkaufsdruck erzeugen, den der Markt nicht schnell absorbieren kann. Für diesen Zeitraum rechnen wir mit einem weiteren Rückgang des SPCX‑Kurses, wobei die lokalen Unterstützungszonen im Bereich von 110–115 US‑Dollar getestet werden dürften (ein zusätzlicher Rückgang von etwa 15–20 % gegenüber dem aktuellen Niveau). Spekulative Konzepte wie ein Zusammenschluss von SpaceX und Tesla zu einer gemeinsamen Holdinggesellschaft („Elon Corp“) oder Meldungen zu Starship‑Starts dürften nur kurzfristige Erholungen auslösen, die voraussichtlich durch Insiderverkäufe wieder ausgebremst werden.

Eine Kursstabilisierung und die Rückkehr zu einem Niveau deutlich über dem IPO‑Preis von 135 US‑Dollar sind vor Ende 2026 oder Anfang 2027 wenig wahrscheinlich. Diese Erholung hängt vollständig davon ab, dass Starlink ein robustes Wachstum des operativen Ergebnisses vorweisen kann und die Starship‑Tests belegen, dass Frachtmissionen sowohl regelmäßig als auch kosteneffizient durchgeführt werden können. Anlegern ist zu einer abwartenden Haltung zu raten; vorschnelle Käufe sollten vermieden werden, bis der Lock‑up‑Sturm im August vorüber ist.