XAU/USD: Historische Rallye, abrupte Korrektur und Suche nach neuer Stütze

XAU/USD: Die aktuelle Korrektur könnte eine Gelegenheit für langfristige Einstiege bieten, jedoch erst nach klaren Stabilisierungssignalen und dem Auftreten eines erneuten Aufwärtsmomentums

Hohe Volatilität bleibt ein prägendes Merkmal der Märkte. Ein anschauliches Beispiel ist die Preisbewegung in Gold am Donnerstag und Freitag.

Der Goldmarkt erlebte eine der dramatischsten Episoden seiner jüngeren Geschichte in ein paar Handelstagen im Januar. Innerhalb weniger Stunden am letzten Handelstag des Monats brach der Preis des Edelmetalls um mehr als 8% ein und fiel von einem Rekordhoch nahe 5.600,00 USD/oz auf unter 5.000,00. Diese atemberaubende Verkaufswelle — die schätzungsweise etwa 3,5 Billionen USD an Marktkapitalisierung vernichtete — wurde zu einem schweren Stresstest für den Aufwärtstrend, der Gold seinen stärksten monatlichen Zuwachs seit 1980 beschert hatte (nahezu +18%).

Warum stürzte Gold ab? Der scharfe Ausverkauf, bei dem XAU/USD innerhalb von zwei Tagen rund 13% verlor, war das Ergebnis eines perfekten Sturms, gebildet von drei Schlüsselfaktoren:

Technische Korrektur und Gewinnmitnahmen. Der fast vertikale Anstieg auf 5.600,00 schaffte extrem überkaufte Bedingungen. Solche Volatilität löste eine Kaskade von Margin-Liquidationen aus, die den Rückgang verstärkten. Investoren, die die Rekordhöhen sahen, begannen mit massenhaften Gewinnmitnahmen, was zu einem Lawineneffekt führte. Geldpolitischer Schock: Nominierung eines potenziellen Fed-„Falke". Der Hauptfaktor war Präsident Donald Trumps Ankündigung von Kevin Warsh als seinen Kandidaten für den Fed-Vorsitz. Die Märkte sahen Warsh als einen marktfreundlicheren, restriktiveren Kandidaten im Vergleich zu den anderen Bewerbern. Das reduzierte schlagartig die Erwartungen an einen aggressiven Zyklus von Zinssenkungen, auf den die Investoren trotz Druck aus der Regierung gehofft hatten. Infolgedessen erstarkte der US-Dollar (USDX erholte sich von einem Vierjahrestief bei 95,50 auf 96,50), die Renditen von Staatsanleihen stiegen, und das unverzinsliche Gold wurde im Vergleich weniger attraktiv. Starke makroökonomische Daten. Die am Freitag veröffentlichten US-Erzeugerpreis-Indizes (PPI) übertrafen die Erwartungen. Der Kern-PPI stieg im Jahresvergleich um 3,3%, was auf anhaltenden Inflationsdruck hinweist. Das verstärkte das Szenario, in dem die Fed länger restriktiv bleiben könnte, und erhöhte den Druck auf Gold.

Technisches Bild

Nach dem starken Rückgang hat sich der kurzfristige technische Ausblick bärisch gewandelt.

Wichtige Unterstützung: Das psychologisch bedeutsame Niveau von 5000.00 stellt nun die erste Verteidigungslinie dar.

Widerstand: Der Bereich um den 50-Perioden-EMA auf dem 4-Stunden-Chart (5,075.00–5,100.00) dient nun als erste bedeutende Widerstandszone. Ein Rückkehr und Halten über dieser Zone ist erforderlich, um die Situation zu stabilisieren.

Indikatoren: Der RSI auf den 1-Stunden- und 4-Stunden-Charts ist auf 35–40 gefallen, was auf stark überverkaufte Bedingungen im kurzfristigen Bereich und einen Verlust an Aufwärtsmomentum im höheren Tageszeitraum hinweist. Allerdings bleibt der breitere langfristige Trend konstruktiv: Kürzere gleitende Durchschnitte (21 und 50) liegen weiterhin über den längeren (144 und 200).

Aussichten: Was kommt als Nächstes? Trotz der Schockkorrektur bleiben die fundamentalen Triebkräfte des Goldbullenmarktes intakt.

Unterstützende Faktoren

Geopolitische Unsicherheit. Spannungen rund um Iran (US-Drohungen und Manöver in der Straße von Hormus) und ein anhaltender Handelskonflikt mit der EU erhöhen die Nachfrage nach sicheren Häfen. Wirtschaftliche Risiken. Breite Bedenken bezüglich des globalen Wachstums und der Marktstabilität bestehen weiterhin. Relativ gemäßigter Ton der Fed. Die Federal Reserve hat bei ihrem jüngsten Treffen die Zinsen auf Eis gelegt und eine datenabhängige Haltung eingenommen. Die Märkte erwarten dennoch zwei Zinssenkungen im Laufe des Jahres.

Einschränkende Faktoren

Starker Dollar und restriktive Fed. Die Nominierung von Warsh könnte den USD und die Anleiherenditen mittelfristig unterstützen. Inflationsdaten. Eine anhaltende Stärke der Inflation (insbesondere des Verbraucherpreisindex) wird die Erwartungen an Lockerungen zurückdrängen.

Mögliche Szenarien

Konsolidierung und Erholung (am wahrscheinlichsten). Gold stabilisiert sich in einer breiten Spanne von 5.000,00–5.300,00 und verdaut die Bewegung. Die Unterstützung bei 5.000,00 wird voraussichtlich halten, und nach der Bildung einer Basis sollte eine allmähliche Erholung als Teil des langfristigen Aufwärtstrends folgen. Fortgesetzte Korrektur. Ein Bruch unter 5.000,00 könnte den Weg zu tieferen Rückgängen in Richtung 4.800,00–4.685,00 (200-Perioden-EMA auf dem 4-Stunden-Chart) eröffnen, um nächste Unterstützungsniveaus zu testen. Dies ist wahrscheinlich, wenn der Dollar weiter stärkt und zusätzliche restriktive Signale von der Fed kommen. Scharfer Aufschwung. Dies würde bei einer neuen geopolitischen Eskalation oder unerwartet schwachen US-Inflations-/Beschäftigungsdaten geschehen, die die Märkte dazu zwingen würden, erneute Lockerungen der Fed einzupreisen.

Fazit

Der Goldverlust war eine starke – und vielleicht gesunde – korrektive Bewegung in einem überhitzten Markt. Er negiert nicht die langfristig bullischen Faktoren wie geopolitische Spannungen und wirtschaftliches Risiko, macht jedoch deutlich, dass der Weg nach oben nicht linear verlaufen wird und von der Fed-Politik sowie der Stärke des Dollars abhängen wird.

In den kommenden Wochen wird XAU/USD wahrscheinlich hoch volatil bleiben und zwischen der Unterstützung bei 5.000,00 und dem Widerstand um 5.200,00–5.300,00 schwanken. Investoren sollten die Entwicklungen rund um die Fed-Vorsitzenden-Nominierung, kommende US-Makrodaten (insbesondere Inflationszahlen) und etwaige neue geopolitische Ereignisse genau beobachten. Die derzeitige Korrektur könnte eine Gelegenheit bieten, langfristige Positionen aufzubauen – allerdings nur nach klaren Anzeichen für eine Stabilisierung und die Bildung einer neuen Aufwärtsdynamik.