Der Dollar bleibt vor der Veröffentlichung wichtiger makroökonomischer US-Daten unter Druck. Gleichzeitig behält der US-Dollar seine Attraktivität gegenüber Kryptowährungen, unter anderem weil die Federal Reserve voraussichtlich an ihrem geldpolitischen Status quo festhalten wird. Auf der vorherigen FOMC-Sitzung wurde der Leitzins in der Spanne von 3,50–3,75 % belassen, wobei auf ein robustes Wirtschaftswachstum und verringerte Risiken sowohl in Bezug auf Inflation als auch auf steigende Arbeitslosigkeit verwiesen wurde.
Der Kryptomarkt selbst erlebt derzeit eine der schwierigsten Phasen der vergangenen Jahre. BTC wird aktuell bei rund 69.000,00 US-Dollar gehandelt, was etwa 50 % unter seinen Höchstständen vom Oktober 2025 (rund 125.000,00 US-Dollar) liegt, während sich ETH nur teilweise auf etwa 2.010,00 US-Dollar erholt hat.
Die Marktkapitalisierung des Kryptomarktes schrumpft, und der Fear-&-Greed-Index steckt bei 9 fest, was auf „Extreme Angst“ hinweist. Die aktuelle Situation ist das Ergebnis eines Zusammenpralls starker externer makroökonomischer Kräfte mit internen Branchenproblemen und wirft Zweifel an den kurzfristigen Wachstumsaussichten auf.
Warum befindet sich der Kryptomarkt in einer tiefen Korrektur?
Makroökonomischer Sturm und Flucht aus Risikoanlagen. Der Haupttreiber des Rückgangs ist ein Stimmungsumschwung an den globalen Märkten. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen (einschließlich des Risikos eines Konflikts zwischen den USA und Iran) und der Unsicherheit über die US-Handelspolitik ziehen sich Anleger in großem Stil aus riskanten Anlagen zurück. Trotz der „Digitales Gold“-Erzählung konnten Kryptowährungen nicht als sicherer Hafen fungieren und mussten sich dem traditionellen Gold geschlagen geben. Kapital sucht bewährte Zufluchtsorte. Geldpolitik der Fed – teures Geld bleibt. Obwohl die Inflation in den USA nachlässt (es wird erwartet, dass der VPI auf 2,5 % sinkt) und der Arbeitsmarkt stabil erscheint, beeilt sich die Fed nicht mit einer aggressiven Lockerung. Die meisten Volkswirte erwarten 2026 nicht mehr als zwei Zinssenkungen, wobei die erste voraussichtlich im Juni erfolgt. Die hohen Finanzierungskosten entziehen dem Kryptomarkt günstige Liquidität – den entscheidenden Treibstoff für Haussephasen. Regulatorische Unsicherheit und Vertrauenskrise. Ein innenpolitischer Bremsklotz ist die Unfähigkeit des Kongresses, eine umfassende Krypto-Regulierung (z. B. den CLARITY-Gesetzentwurf) zu verabschieden. Wie FOMC-Mitglied Christopher Waller betonte, schreckt diese Unsicherheit große institutionelle Anleger ab, die nicht bereit sind, ihre Engagements in einem rechtlichen Vakuum auszuweiten. Auch die Nominierung von Kevin Warsh, der als „Taube“ gilt, für den Vorsitz der Fed stößt im Senat auf Widerstand, da man sich um die Unabhängigkeit der Fed sorgt – ein zusätzlicher politischer Risikofaktor. Institutionelle Abflüsse und verändertes Verhalten großer Halter. Die Zahlen sprechen für sich: massive ETF-Abflüsse – am 30. Januar wurden netto 510 Millionen US‑Dollar abgezogen, und allein aus dem Flaggschiff‑ETF von BlackRock (IBIT) flossen 528 Millionen US‑Dollar ab. Das gesamte ETF‑Vermögen sank auf 107 Milliarden US‑Dollar. Große BTC‑Halter sind vom „Buy the Dip“ zum Nettoverkauf übergegangen; Privatanleger scheuen sich davor, „ins fallende Messer zu greifen“, und Kryptoanalysten sehen keine Anzeichen aktiver Akkumulation.Morgen (13:30 GMT) wird sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Daten zum US-Arbeitsmarkt richten. Sollten die Zahlen den Erwartungen entsprechen (Arbeitslosenquote stabil bei 4,4 % und ein Anstieg der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft von 50,0 Tsd. auf 70,0 Tsd.), dürfte die Nachfrage nach Dollar-Absicherungen und sicheren Häfen weiter zunehmen – und damit der Druck auf Kryptowährungen und andere Dollar-Alternativen steigen.
Technisches Bild
BTC/USD
Für BTC/USD bleibt die Situation äußerst anfällig. Der Kurs notiert an einer langfristigen Unterstützung nahe 68.300,00 $ (200‑Wochen‑EMA), liegt jedoch deutlich unter den wichtigen mittelfristigen gleitenden Durchschnitten (200‑Tage‑EMA bei 95.700,00 $, 50‑Tage‑EMA bei 84.100,00 $), was die Stärke des Abwärtstrends bestätigt.
Wichtige Unterstützung: 60.000,00 $. Ein Bruch dieses psychologisch und technisch bedeutenden Niveaus würde den Weg in den Bereich von 52.500,00 $ – 50.000,00 $ eröffnen.
Wichtiger Widerstand: 84.000,00 $ (in der Nähe des täglichen 50‑Tage‑EMA). Erst ein überzeugender Ausbruch über diese Zone könnte eine Erholung in Richtung 92.000,00 $ – 95.000,00 $ einleiten.
Indikatoren (OsMA, RSI, Stochastic) auf dem 1‑Stunden‑Chart behalten eine bärische Tendenz bei.
ETH/USD
Ethereum bewegt sich auf die April-Tiefs zu (1.400,00–1.700,00 $) und zeigt sich sogar noch schwächer. Der jüngste Rebound wirkt eher wie eine technische Gegenbewegung in einem insgesamt negativen Umfeld. Die weitere Entwicklung wird stark mit BTC korreliert sein.
Aussichten und mögliche Szenarien
Trotz des allgemeinen Einbruchs gibt es Anzeichen für Kapitalrotation und konstruktive Entwicklungen im Ökosystem:
Rotation in Altcoins. Moderate Zuflüsse sind in ETFs auf Ethereum und Solana zu beobachten, was darauf hindeutet, dass Kapital innerhalb des Kryptomarktes auf der Suche nach höheren Renditechancen umgeschichtet wird. Fokus auf Sicherheit und Entwicklung. Das Ethereum-Ökosystem verstärkt seine Anti-Fraud-Maßnahmen (Zusammenarbeit mit der Security Alliance), und Vitalik Buterin untersucht den Einsatz von KI, um Sicherheit und User Experience zu verbessern – ein Hinweis auf langfristige Infrastrukturarbeit.Das Basisszenario (Fortsetzung von Konsolidierung/Druck) ist wahrscheinlich, wenn die aktuellen Bedingungen anhalten – restriktive Fed-Rhetorik, geopolitische Risiken und regulatorische Blockaden. BTC könnte in einer Spanne von 50.000,00–70.000,00 $ bleiben, während ETH unter Druck steht. Der Markt wird auf klare Katalysatoren warten.
Das negative Szenario (Vertiefung der Korrektur) würde sich realisieren, wenn BTC bei stärkeren US-Arbeitsmarktdaten (die erwartete geldpolitische Lockerung nach hinten verschieben) oder einer neuen Panikwelle unter 65.000,00–55.000,00 $ fällt. Die Ziele lägen dann bei 50.000,00–45.000,00 $.
Das positive Szenario (Erholung) ist möglich bei unerwartet dovishen Signalen der Fed, einem Durchbruch bei regulatorischen Vereinbarungen in den USA oder einer Rückkehr nachhaltiger institutioneller Zuflüsse in ETFs. Das erste technische Signal wäre, dass BTC sich über 72.300,00–72.500,00 $ (Bereich der 200-EMA im Stundenchart) behauptet.
Fazit
Der Kryptomarkt befindet sich in einem „Krypto-Winter“, der durch externe Umstände ausgelöst wurde. Das aktuelle Bild spiegelt das Investitionsklima wider: Der Fear & Greed Index steht im Bereich extremer Angst (9), während die Kapitalzuflüsse in ETFs verhalten bleiben und sich nur teilweise von den jüngsten hohen Verlusten erholen.
Die kurzfristigen Aussichten sind weiterhin unklar und hängen stark von den makroökonomischen Rahmenbedingungen und den Maßnahmen der Regulierungsbehörden ab. Das Vertrauen der Anleger ist erheblich beschädigt.
Unter solchen Bedingungen wird die Buy-and-Hold-Strategie einer harten Bewährungsprobe unterzogen. Anleger sollten besondere Vorsicht walten lassen und die aktuellen Niveaus eher als Zonen erhöhten Risikos denn als offensichtliche Einstiegszeitpunkte betrachten. Der Schlüssel zu einer Trendwende liegt außerhalb der Branche: eine klare Geldpolitik der Fed, eine Verringerung geopolitischer Spannungen und die dringend benötigte regulatorische Klarheit, die das institutionelle Vertrauen wiederherstellen wird. Bis sich diese Faktoren decken, wird der Kryptomarkt Mühe haben, aus dem Schatten der „extremen Angst“ herauszutreten.