Die Märkte sind angespannt und warten auf die Veröffentlichung der wichtigen US-Arbeitsmarktdaten für Januar. Die Federal Reserve stellt den Arbeitsmarkt über die Inflation und setzt darauf, dass der Preisdruck nachlässt. Enttäuschende Non-Farm Payrolls könnten daher den EUR/USD-Bullen einen entscheidenden Vorteil verschaffen, dem die Bären womöglich nichts entgegensetzen können.
Derivate preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 % für drei Lockerungsschritte der Federal Reserve im Jahr 2026 ein, wobei bis September bereits zwei Zinssenkungen erwartet werden – deutlich mehr als noch vor einer Woche, als Futures lediglich eine Senkung des Federal-Funds-Satzes um etwa 50 Basispunkte implizierten. Die veränderten Wahrscheinlichkeiten spiegeln eine Reihe enttäuschender US-Konjunkturdaten wider.
Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze
Alles begann mit einer Reihe schwacher Signale vom Arbeitsmarkt aus alternativen Quellen, gefolgt von einer unerfreulichen Überraschung bei den Einzelhandelsumsätzen. Die Einzelhandelsumsätze stagnierten im Dezember, während der Bloomberg‑Konsens mit einem Anstieg von 0,4 % gegenüber dem Vormonat gerechnet hatte.
Das GDPNow‑Modell der Atlanta Fed
kürzte daraufhin seine BIP‑Prognose für das vierte Quartal sofort von 4,2 % auf 3,7 %. Die Renditen von US‑Staatsanleihen fielen – und der Dollar zog nach.
Bislang haben die robuste Konjunktur, ein sich stabilisierender Arbeitsmarkt und die Disinflation der Zentralbank den Spielraum gegeben, sich mit einem Zinssatz von 3,75 % wohlzufühlen. Doch die Lage ändert sich. Ein sich abschwächendes BIP‑Wachstum und eine erneut nachlassende Beschäftigung könnten die Zentralbank zu einer schnelleren geldpolitischen Lockerung drängen. Die Tatsache, dass Derivatemärkte nun 2–3 Zinssenkungen einpreisen, schafft ein bullisches Szenario für EUR/USD.
Im Gegensatz dazu plant die EZB keine Zinssenkungen. Mitglieder des EZB‑Rates betonen, dass der Rückgang der Inflation im Euroraum auf 1,7 % im Januar nur vorübergehend ist. Das Wachstum der Verbraucherpreise könnte sich kurzfristig weiter verlangsamen, doch die Verantwortlichen erwarten, dass es sich wieder in Richtung des 2 %‑Ziels bewegt.
Die Lohndynamik im Euroraum
Ein wesentlicher Grund dafür sind die vergleichsweise optimistischen Lohnprognosen in Europa. Die EZB erwartet, dass die Löhne im dritten Quartal um 2,6 % und im vierten Quartal um 2,7 % steigen könnten. Diese Prognosen liegen deutlich unter den über 5 % aus dem Jahr 2024, doch das Umfeld hat sich verändert: Ein solcher Lohnanstieg würde ausreichen, um die Inflation wieder in Richtung Zielwert zu treiben.
In Abwesenheit größerer politischer oder geopolitischer Schocks kehren Anleger zu einem vertrauten Spiel zurück: Sie setzen auf einige Lockerungsschritte der Federal Reserve. Mehr Zinssenkungen = ein schwächerer Dollar; weniger Zinssenkungen = ein stärkerer Dollar. In diesem Sinne dürfte der US-Arbeitsmarktbericht die Frage wohl entscheiden.
Aus technischer Sicht versuchen die EUR/USD-Bullen auf dem Tageschart nach der gestrigen Korrektur, die Initiative zurückzugewinnen. Ein Ausbruch über 1,1930 würde es ihnen ermöglichen, Long-Positionen aufzustocken, die ab 1,1835 eröffnet wurden. Gelingt es ihnen nicht, sich über diesem Niveau zu halten, wäre das ein Verkaufssignal.