Das Währungspaar GBP/USD hat das jüngste bullische Ungleichgewicht vollständig geschlossen und eine Reaktion an dessen Untergrenze gezeigt. Damit hat sich beim Pfund – wie von mir erwartet – ebenfalls ein Kaufsignal gebildet. Am wichtigsten ist, dass die Kaufsignale für sowohl das Pfund als auch den Euro nahezu gleichzeitig entstanden sind. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anstiegs beider Währungspaare deutlich.
Allerdings wurden die Bullen von einer unerwarteten Seite getroffen. Zur Erinnerung: In der vergangenen Woche begann die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten. Den Auftakt machten die ADP- und JOLTS-Berichte. Beide wiesen Werte auf, die nur schlecht zur Vorstellung einer Erholung passen. Folgerichtig begannen Trader mit schwachen Nonfarm Payrolls und schwachen Arbeitslosenzahlen zu rechnen. Doch wie so oft im Leben erwartet man das eine – und bekommt etwas völlig anderes. Die US-Arbeitsmarktdaten fielen beeindruckend aus, was bislang zu moderaten, aber durchaus berechtigten Attacken der Bären geführt hat. Die wichtigste Aufgabe in der näheren Zukunft besteht daher darin, zu verstehen, wie viel Stärke diese Berichte den Bären und dem Dollar tatsächlich verliehen haben. So wie ich zuvor davon abgeraten habe, vor den US-Daten vorschnelle Schlüsse zu ziehen, rate ich nun auch davon ab, nach ihrer Veröffentlichung voreilige Schlüsse zu ziehen. Trotz der starken Berichte bleibt der Aufwärtstrend sowohl für den Euro als auch für das Pfund intakt. Zudem fällt der Dollar bereits seit 13 Monaten nicht nur wegen der Schwäche am Arbeitsmarkt. Ich halte es für gut möglich, dass die Angriffe der Bären sich als schwach und nur von kurzer Dauer erweisen.
Der Aufwärtstrend beim Pfund ist weiterhin intakt, was durch das technische Bild bestätigt wird. Seit dem 5. November hatten Trader mindestens drei Gelegenheiten, Long-Positionen zu eröffnen. In dieser Zeit ist das Pfund – gemessen vom Tief der Bewegung bis zum aktuellen Kursniveau – um 640 Punkte gestiegen. Bullische Signale bilden sich weiterhin regelmäßig, während bärische Formationen seit geraumer Zeit ausbleiben. Meiner Ansicht nach ist dies nicht der Moment, die Dinge unnötig zu verkomplizieren. Derzeit gibt es keine Anzeichen für einen Vorstoß der Bären.
Der Nachrichtenhintergrund am Mittwoch war recht stark, aber wie bereits gesagt, besteht kein Anlass für überhastete Schlussfolgerungen. Die Arbeitsmarkt- und Arbeitslosenzahlen zeigen, dass die Federal Reserve keinen akuten Handlungsdruck hat, weitere geldpolitische Lockerungen vorzunehmen. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass die Daten vom Arbeitsmarkt allein nicht die Fed-Politik bestimmen. Der Inflationsbericht steht noch bevor, und dieser könnte die Chancen auf eine Leitzinssenkung der Fed in den kommenden Monaten deutlich erhöhen.
In den Vereinigten Staaten bleibt der übergeordnete Nachrichtenhintergrund so gelagert, dass langfristig nur wenig anderes zu erwarten ist als eine weitere Schwächung des Dollars. Die Lage in den USA ist nach wie vor recht komplex. Die Statistiken zum US-Arbeitsmarkt enttäuschen weiterhin häufiger, als sie positiv überraschen. Drei der letzten vier FOMC-Sitzungen endeten mit taubenhaften Entscheidungen. Trumps Militäroperationen, Drohungen gegenüber Dänemark, Mexiko, Kuba, Kolumbien, Iran, EU-Ländern, Kanada und Südkorea, Strafverfahren gegen Jerome Powell, ein neuer Government Shutdown sowie der Skandal um US-Eliten in der Epstein-Affäre fügen sich zu einem Gesamtbild einer politischen und strukturellen Krise im Land. Aus meiner Sicht haben die Bullen alles, was sie brauchen, um ihre Offensive bis weit ins Jahr 2026 fortzusetzen.
Für einen bärischen Trend wäre ein starker und vor allem anhaltend positiver Nachrichtenhintergrund zugunsten des Dollars erforderlich, was unter Donald Trump schwer vorstellbar ist. Hinzu kommt, dass der US-Präsident selbst keinen starken Dollar braucht, da dieser das Handelsbilanzdefizit zementieren würde. Deshalb glaube ich weiterhin nicht an einen nachhaltigen Abwärtstrend beim Pfund. Zu viele Risikofaktoren lasten weiterhin schwer auf dem Dollar. Sollten neue bärische Formationen auftreten, könnte ein potenzieller Rückgang des Pfunds in Betracht gezogen werden – derzeit liegen jedoch keine entsprechenden Signale vor.
Konjunkturkalender für die USA und das Vereinigte Königreich:
Vereinigtes Königreich – BIP-Veränderung für das 4. Quartal (07:00 UTC).Vereinigtes Königreich – Veränderung der Industrieproduktion (07:00 UTC).Vereinigte Staaten – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (13:30 UTC).Vereinigte Staaten – Verkäufe bestehender Häuser (13:30 UTC).Am 12. Februar enthält der Wirtschaftskalender vier Veröffentlichungen, von denen keine als besonders bedeutend einzustufen ist. Der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung am Donnerstag dürfte daher vorhanden, aber begrenzt sein.
GBP/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Für das Pfund bleibt das Bild bullisch; ein neues Kaufsignal ist entstanden und bislang nicht negiert worden. Die Bullen haben eine neue Aufwärtsbewegung gestartet, die das Potenzial hat, sich zu einer ausgedehnten und kräftigen Rally auszuwachsen. Da der Aufwärtstrend außer Frage steht, können Trader weiterhin auf der Long-Seite handeln – auf Basis klarer Formationen und Signale. Imbalance 14 hat, wie erwartet, eine solche Gelegenheit geliefert. Als mögliches Kursziel nach oben hatte ich das Niveau von 1,3725 ins Auge gefasst, das inzwischen erreicht wurde, doch das Pfund könnte 2026 noch deutlich höher steigen. Es gibt hier keine strikten Begrenzungen. Das nächste markante Ziel scheint bei 1,4246 zu liegen – dem Hoch vom Juni 2021.