KI-getriebener Ausverkauf weitet sich aus

Die Verlierer der KI-Revolution sind überall! Anleger schwingen von einem Extrem ins andere, um herauszufinden, wer unter dem Rollout der neuen Technologien leiden wird. Zuerst gerieten Softwareanbieter in den Fokus, dann Versicherer, Vermögensverwalter, Rechtsberater und sogar Frachtunternehmen. Es sind nicht nur der S&P 500 und der Nasdaq Composite, die fallen. Auch der Dow Jones und der Small-Cap-Index Russell 2000 verzeichnen Verluste.

Die Vereinigten Staaten verfügen über eine robuste Wirtschaft, eine Fed, die ab April bis Juni voraussichtlich wieder einen Zinssenkungszyklus aufnehmen wird, und beeindruckende Unternehmenszahlen. Dennoch betrachten Anleger den KI-bedingten Schock nicht als Chance, sondern verkaufen weiter. In der Folge verzeichnen die Aktienindizes ihre schwächste Wochenperformance seit November.

Entwicklung der US-Aktienindizes

Die Abschwächung der US-Inflation auf 2,4 % im Januar hat die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Fed im zweiten Quartal eine Lockerung einleitet. Für 2025 dienten die erwarteten Zinssenkungen bislang als Sicherheitsnetz für den Aktienmarkt. Nun sehen Investoren das anders – und auch die Politik von Donald Trump bewerten sie inzwischen anders.

Die politische Unsicherheit zu Beginn der zweiten Amtszeit des republikanischen Präsidenten hat die Nerven am Markt erheblich strapaziert. Die Volatilität unter Trump war deutlich höher als unter Biden. Dennoch hat der Glaube an den sogenannten „presidential put“ – die Vorstellung, dass das Weiße Haus im Zweifel zugunsten des Marktes eingreifen würde – dem S&P 500 lange Zeit Rückhalt gegeben.

Volatilität des US-Aktienmarktes unter verschiedenen Präsidenten

Nun gibt es gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass sich Anleger an Schocks gewöhnt haben – an sogenanntes Event-Risiko, das an der Wall Street plötzliche, unerwartete Ankündigungen bezeichnet, die starke Kursbewegungen auslösen. Die schlechte Nachricht lautet: Donald Trump hat es nicht eilig, den S&P 500 zu stützen, und Event-Risiken beziehen sich inzwischen nicht mehr nur auf das Weiße Haus, sondern auch auf KI.

Es ist schwer nachzuvollziehen, warum der breite Aktienindex fällt, während die US-Wirtschaft auf solidem Fundament steht und die Unternehmensgewinne stark sind. Die Unternehmensgewinne stiegen im vierten Quartal um 12 %, während Analysten an der Wall Street vor Beginn der Berichtssaison lediglich 8,4 % erwartet hatten. 75 % der S&P-500-Unternehmen, die bereits berichtet haben, übertrafen die Schätzungen – ein Wert über dem langjährigen Durchschnitt.

Am wahrscheinlichsten ist, dass derzeit niemand in fallende Kurse hinein kaufen will, da die Korrektur im breiten Aktienindex noch nicht abgeschlossen ist. Die einzige erfreuliche Ausnahme ist der Versorgersektor, der in der zweiten Februarwoche um 7,1 % zulegen konnte.

Aus technischer Sicht signalisiert das Tageschart des S&P 500 eine anhaltende Gegenbewegung. Eine Doji-Kerze mit langen oberen und unteren Schatten steht für hohe Unsicherheit. Ein Ausbruch unter die Unterstützung bei 6.815 Punkten würde es Tradern ermöglichen, ihre zuvor aufgebauten Short-Positionen auf den breiten Index auszubauen.