Die Marktteilnehmer warten auf die Klärung mehrerer Entwicklungen, sowohl im geopolitischen als auch im makroökonomischen Bereich. Der weitere Verlauf der Ereignisse könnte die Waage entweder zugunsten des Dollars oder in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen lassen.
Das Protokoll der FOMC-Sitzung vom Januar, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, bot dem US‑Dollar trotz seines unerwartet „hawkishen“ Tons nur kurzfristige Unterstützung. Erstmals seit Langem schlossen die FOMC-Mitglieder eine Straffung der Geldpolitik nicht aus. Händler hatten sich daran gewöhnt, dass die Zentralbank im Grunde nur zwei Optionen in Betracht zieht – Abwarten oder Zinssenkungen. Dieses Mal erklärten jedoch mehrere Ausschussmitglieder ausdrücklich, dass Zinserhöhungen weiterhin eine Möglichkeit darstellen, „falls die Inflation dauerhaft über dem Zielniveau bleibt“.
Mit anderen Worten: Anstelle des üblichen Hinweises auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik stellte das Protokoll die Möglichkeit einer „beidseitigen Bewegung“ in Aussicht. Die Federal Reserve kann je nach Datenlage in beide Richtungen gehen. Gleichzeitig waren sich viele Ausschussmitglieder einig, dass die nächste Runde von Zinssenkungen von einem „klaren Abwärtstrend bei der Inflation“ abhängen sollte.
Warum erhielt der Dollar also nur kurzfristige Unterstützung trotz eines so hawkishen Protokolls? Das Währungspaar EUR/USD testete den Bereich um 1,17, konnte sich jedoch nicht nachhaltig unterhalb des Ziels von 1,1800 etablieren. Am Donnerstag gelang es ihm zudem, einen kurzfristigen korrektiven Rücklauf in den Bereich um 1,18 zu organisieren. Was steckt dahinter?
Diese unsichere Kursentwicklung hängt meines Erachtens mit der Dynamik des Verbraucherpreisindex (CPI) zusammen. Zur Erinnerung: Der Verbraucherpreisindex verlangsamte sich im Januar im Jahresvergleich auf 2,4 %, nachdem er im Vormonat noch um 2,7 % gestiegen war. Der Kern‑CPI fiel ebenfalls auf 2,5 %. Das deutet darauf hin, dass der Preisdruck von Seiten der Verbraucher beginnt nachzulassen.
Der CPI-Bericht für Januar wurde nach der FOMC-Sitzung im Januar veröffentlicht, während das Protokoll die damals vorherrschende Stimmung widerspiegelt. Die jüngsten Daten zum CPI‑Wachstum haben die Sorge vor der Umsetzung des hawkishsten Szenarios (also Zinserhöhungen) gedämpft, da die Inflation im Januar einen soliden Schritt auf das Zielniveau der Fed zu gemacht hat – und nicht davon weg.
Dennoch ist diese Entwicklung noch im Gange. Die Entscheidung fällt am Freitag, wenn in den USA der Kern‑PCE‑Index veröffentlicht wird. Wie bekannt, handelt es sich dabei um einen zentralen Inflationsindikator, den die Fed besonders aufmerksam verfolgt. Im Dezember lag er bei 2,8 %, und die meisten Analysten erwarten, dass er im Januar auf diesem Niveau bleibt. Sollte dieser Index jedoch entgegen den Erwartungen in Richtung der 3‑Prozent‑Marke tendieren, würde das Protokoll der Januarsitzung des FOMC „in einem neuen Licht erscheinen“, und der Markt würde erneut über die Aussichten für Zinserhöhungen in diesem Jahr spekulieren. In der Folge würde der Dollar stärkere Nachfrage erfahren.
Verlangsamt sich der Kern‑PCE‑Index dagegen auf 2,7 % (oder darunter), wird sich der Markt an die rückläufige CPI‑Dynamik „erinnern“ und damit das Gesamtbild einer nachlassenden Inflation untermauern. In diesem Fall verlören die hawkishen Drohungen der Fed an Relevanz.
Parallel dazu entwickelt sich ein weiterer Handlungsstrang – der geopolitische. Laut CBS News sind die Vereinigten Staaten bereit, Iran bereits ab dem 21. Februar anzugreifen. Axios berichtet unter Berufung auf seine Quellen, dass die US‑Militäroperation „mehrere Wochen oder länger“ dauern könnte und damit eher einem großangelegten Krieg als begrenzten Aktionen ähneln würde. Zudem werde die Option einer gemeinsamen Militäroperation der USA und Israels in Betracht gezogen.
Allerdings sind sich alle Insider einig, dass Trump angesichts der enormen Risiken einer weiteren Eskalation noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat. Sollte der Krieg im Iran in die Länge gezogen werden (was unweigerlich zu erheblichen Verlusten unter amerikanischen Soldaten führen würde), könnte in den USA eine politische Krise ausbrechen – ganz zu schweigen von anderen „Nebenwirkungen“ wie einem starken Anstieg der Ölpreise (bedingt durch eine mögliche Schließung der Straße von Hormus) und einer Destabilisierung der gesamten Golfregion.
Die geopolitischen Risiken sind sehr hoch, weshalb die Welt – einschließlich der Finanzmärkte – in Erwartung weiterer Entwicklungen verharrt.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass am Freitag auch die Daten zum US‑BIP‑Wachstum für das vierte Quartal (erste Schätzung) veröffentlicht werden. Prognosen zufolge wuchs die US‑Wirtschaft nur um 2,8 %, nach einem Wachstum von 4,4 % im dritten Quartal und 3,8 % im zweiten Quartal.
All diese „Handlungsstränge“ könnten sich deutlich im EUR/USD‑Paar widerspiegeln. Sollte sich etwa der Kern‑PCE‑Index verlangsamen und der BIP‑Bericht trotz bereits schwacher Prognosen negativ überraschen, geriete der Dollar erheblich unter Druck, da sich die dovishen Erwartungen an künftige Schritte der Fed erneut verstärken würden. Möglich ist aber auch ein alternatives Szenario, in dem die genannten Daten positiv überraschen und Iran einer Einigung mit Washington zustimmt. In diesem Fall wäre der Greenback der Gewinner der Situation.
Die makroökonomische „Intrige“ wird sich am Freitag klären (zumindest was die Daten betrifft), während es für heute ratsam ist, beim EUR/USD‑Paar eine abwartende Haltung einzunehmen: Die Waage kann in beide Richtungen ausschlagen.