Markt von Geopolitik verunsichert

Der Markt hat eine Grenze überschritten. Er kann die Entwicklungen im Nahen Osten nicht länger ignorieren. US-Präsident Donald Trump hat Teheran 10 bis 15 Tage Zeit gegeben, um ein Atomabkommen zu schließen. Er erwägt militärische Schläge auf iranisches Territorium, und falls diese nicht wirken, planen die USA einen Regimewechsel. Die Ölpreise steigen stark und könnten 100 US-Dollar pro Barrel erreichen, falls die Straße von Hormus blockiert wird. Märkte wie Kalshi und Polymarket sehen die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios bis Ende 2026 bei 34 % bzw. 38 %.

Ölkrisen waren seit jeher ein schwerer Schlag für die Weltwirtschaft und belasteten die Unternehmensgewinne. Es überrascht daher nicht, dass S&P-500-Händler endlich begonnen haben, geopolitische Risiken ernst zu nehmen. Bislang war der breite Aktienindex geradezu fokussiert auf einen Faktor: Rotation. Auf gleich gewichteter Basis liegt er seit Jahresbeginn 6 % im Plus, was zeigt, dass Anleger ihre Tech-Aktien, insbesondere Software-Unternehmen, abbauen wollen.

Entwicklung von S&P 500 und Software-Aktien

Die Märkte haben intensiv nach Verlierern der KI-Adoption gesucht. Aber was, wenn wir die Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachten müssen? Die enormen Investitionen der Tech-Giganten in KI stützen nicht nur den Technologiesektor, sondern kommen auch anderen Branchen zugute.

KI leistet einen positiven Beitrag, wie Vertreter des FOMC betont haben. So erklärte etwa Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco, die Zentralbank solle das von KI getriebene Wirtschaftswachstum nicht durch übermäßig hohe Zinsen abwürgen. Unklar bleibt hingegen, wie sich neue Technologien auf die Inflation auswirken. Hohe Verbraucherpreise sind ein zentraler Faktor, der einer Lockerung der Geldpolitik im Weg steht.

Die Rotation hat das Interesse an Unternehmen neu entfacht, die sich laut Morgan Stanley seit langer Zeit in einer Rezession befanden, nun aber eine steigende Nachfrage verzeichnen. Grund dafür ist ihre hohe Sensitivität gegenüber der US-Konjunktur. Die Stärke der Wirtschaft ermöglicht es Anlegern, ihre Portfolios in Richtung ehemaliger Underperformer zu diversifizieren. Positive BIP-Daten für das vierte Quartal könnten weitere Käufe dieser Aktien ankurbeln.

US-Wirtschaftsentwicklung

Damit beginnen die Märkte zwar auf die steigenden geopolitischen Risiken im Nahen Osten zu reagieren, doch das Rotationsthema ist noch lange nicht abgeschlossen. Gleichzeitig gewinnen die Tech-Giganten wieder an Boden.

Aus technischer Sicht zeigt das Tageschart des S&P 500 ein mögliches Triple-Bottom-Muster, was darauf hindeutet, dass die Korrekturbewegung an Dynamik verlieren könnte. Der Index ist in eine Konsolidierungsspanne zwischen 6.790 und 7.000 eingetreten. Ein Ausbruch nach oben oder unten aus dieser Spanne wird darüber entscheiden, ob wir eine tiefere Korrektur oder eine Fortsetzung des Aufwärtstrends sehen. Das Handeln von Breakouts erscheint derzeit als die relevanteste Strategie.