EUR/USD. Smart Money. US-Dollar legt zu angesichts iranbezogener geopolitischer Spannungen

Das Währungspaar EUR/USD fällt bereits den neunten Tag in Folge, und eine derart anhaltende Serie täglicher Verluste wirft unweigerlich die Frage auf: Was steckt hinter dieser deutlichen Veränderung der Marktstimmung? Meiner Ansicht nach gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Händler können nur darüber spekulieren, warum der US‑Dollar seit eineinhalb Wochen aufwertet und dabei Chartmuster und viele wirtschaftliche Entwicklungen ignoriert.

Zur Erinnerung: Noch in der vergangenen Woche signalisierten sowohl der jährliche Nonfarm Payrolls-Bericht als auch die Inflationsdaten eher eine Schwäche als eine Stärke des Dollars. Auch in dieser Woche boten nicht alle Konjunkturdaten den Bären eine solide Grundlage für einen entschlossenen Angriff. Gestern gab es überhaupt keine wichtigen Veröffentlichungen, und heute fielen nahezu alle europäischen Daten recht robust aus – dennoch reichte dies nicht aus, um die Bullen zu einer Offensive zu bewegen. Daher komme ich zu dem Schluss, dass der Markt derzeit kaum auf Wirtschaftsdaten reagiert und seinen Fokus vollständig auf den „Iran-Konflikt“ gerichtet hat.

Die letzte bullische Imbalance 12 hätte bereits gestern aufgehoben werden können, doch das ist bislang nicht geschehen. Wir haben noch keine zweite Reaktion auf dieses Muster gesehen, daher gibt es weiterhin keine Grundlage für das Eröffnen neuer Long-Positionen. Grundsätzlich bleibt die Möglichkeit bestehen, die Liquidität unter dem Tief vom 6. Februar abzuschöpfen, doch derartige Signale sind in der Praxis meist schwer handelbar.

Die Chartstruktur signalisiert weiterhin eine Dominanz der Bullen. Der Aufwärtstrend ist intakt. Aktuell steht das Währungspaar zwar kurz davor, das bullische Szenario vorübergehend zurückzustellen, doch die Imbalance 12 ist noch nicht negiert. In jedem Fall gibt es derzeit keine bärischen Muster, von denen aus Trader Short-Positionen eröffnen könnten. Und wie bereits erwähnt, ist der Trend aufwärtsgerichtet.

Am Freitag lieferte der Newsflow den Bullen einen vollauf gerechtfertigten Anlass, in den Angriffsmodus überzugehen. Die Indizes der Geschäftsaktivität im deutschen Dienstleistungs- und verarbeitenden Gewerbe sowie in der Eurozone insgesamt übertrafen die Erwartungen der Marktteilnehmer. Dennoch entschieden sich die Trader dagegen, auf die euro-freundlichen Daten zu setzen, was mich zusätzlich in der Überzeugung bestärkt, dass der Anstieg des Dollars im Iran-Faktor begründet liegt.

Seit rund 6–7 Monaten verfügen die Bullen über ausreichend Argumente für eine neue Offensivbewegung, und diese Argumente haben sich mit jeder Woche zumindest nicht verringert. Dazu zählen die (in jedem Fall) dovishe Erwartung an die Geldpolitik des FOMC, die grundsätzliche Linie von Donald Trump (die sich zuletzt nicht verändert hat), die Konfrontation zwischen den USA und China (wo lediglich ein vorübergehender Waffenstillstand erreicht wurde), öffentliche Proteste in den USA gegen Trump unter dem Motto „No Kings“, Schwächen am Arbeitsmarkt, der Regierungsstillstand im Herbst (der eineinhalb Monate dauerte), der Shutdown im Februar, US-Militäraktionen gegen bestimmte Länder, Strafverfahren gegen Powell, die „Grönland-Verwirrung“ sowie die angespannten Beziehungen zu Kanada und Südkorea. Vor diesem Hintergrund erscheint mir eine weitere Aufwärtsbewegung des Paares völlig logisch.

Ich rechne nach wie vor nicht mit einem Abwärtstrend. Der Nachrichtenhintergrund lässt sich extrem schwer zugunsten des Dollars interpretieren, und ich versuche auch nicht, ihn in diese Richtung zu deuten. Die blaue Linie markiert das Kursniveau, unterhalb dessen der Aufwärtstrend als beendet gelten könnte. Die Bären müssten den Kurs um etwa 280 Punkte nach unten drücken, um dieses Niveau zu erreichen – was angesichts der aktuellen Nachrichtenlage und Chartstruktur, in der kein einziges bärisches Muster erkennbar ist, weiterhin wie eine sehr anspruchsvolle Aufgabe aussieht.

Das nächste Aufwärtsziel für den Euro war die bärische Imbalance bei 1,1976–1,2092 im Wochenchart, die bereits im Juni 2021 entstanden ist. Dieses Muster wurde inzwischen vollständig ausgefüllt. Oberhalb davon lassen sich zwei Niveaus hervorheben: 1,2348 und 1,2564 – beide markieren Hochpunkte im Monatschart.

Nachrichtenkalender für die USA und die Eurozone:

Eurozone – Deutscher Geschäftsklimaindex (09:00 UTC).

Am 23. Februar weist der Wirtschaftskalender nur einen sekundären Termin aus. Der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung dürfte am Montag daher äußerst begrenzt sein.

EUR/USD Prognose und Handelsempfehlung:

Aus meiner Sicht befindet sich das Paar weiterhin im Prozess der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Trotz eines eher bullischen Nachrichtenumfelds haben die Bären in den vergangenen Monaten wiederholt Gegenangriffe gestartet. Ich sehe jedoch keine realistischen Gründe für den Beginn eines vollwertigen Abwärtstrends.

Aus den Imbalances 1, 2, 4, 5, 3, 8 und 9 boten sich den Tradern Einstiegschancen auf der Long-Seite im Euro. In allen Fällen kam es zu einem zumindest gewissen Anstieg, und der Aufwärtstrend blieb intakt. In der vergangenen Woche verlief die Kursbewegung zwar nicht ganz so, wie wir es uns gewünscht hätten, doch über einen Liquiditätsabgriff innerhalb der Imbalance 12 könnte sich nach wie vor ein bullisches Signal mit neuer Aufwärtsdynamik ausbilden.