Das Währungspaar Euro/US-Dollar wird weiterhin in einer engen Spanne gehandelt und reagiert impulsiv auf den aktuellen Nachrichtenfluss. Dennoch gelingt es weder den Käufern noch den Verkäufern von EUR/USD, die Situation zu ihren Gunsten zu wenden. Der Dollar findet vor dem Hintergrund widersprüchlicher makroökonomischer Signale (schwaches BIP-Wachstum bei gleichzeitig steigender Kern-PCE) keinen Halt, während der Euro angesichts der erhöhten Risikoaversion infolge der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Iran „in Ungnade gefallen“ ist. Infolgedessen befindet sich das Paar „im Würgegriff eines Seitwärtstrends“, dessen Grenzen durch die Marken von 1,1760 und 1,1820 definiert werden.
Am Montag versuchten EUR/USD-Käufer, auf die gestiegenen IFO-Indizes hin die obere Begrenzung der Handelsspanne zu durchbrechen. Fast alle Komponenten des Berichts lagen im grünen Bereich und spiegelten den wachsenden Optimismus unter deutschen Unternehmern wider.
So stieg der Geschäftsklimaindex in Deutschland in diesem Monat auf 88,6, nachdem ein Anstieg auf 88,4 erwartet worden war, und nachdem er zwei Monate lang bei 87,6 verharrt hatte. Einerseits lassen die Wachstumsraten noch zu wünschen übrig, andererseits erreichte dieser Indikator im Februar seinen höchsten Stand seit August des vergangenen Jahres.
Der IFO-Index zur aktuellen Lage sprang von 86,1 auf 86,7. Dies ist der höchste Wert seit Juli 2024. Damit wurde zum zweiten Monat in Folge eine positive Dynamik verzeichnet.
Schließlich stieg der Index der deutschen Geschäftserwartungen im Februar auf 90,5 (im Rahmen der Prognose) und markierte damit das höchste Niveau seit November des vergangenen Jahres.
Auch wenn nicht alle Sektoren mit dem Gesamtwachstum Schritt hielten, wurden in diesem Monat spürbare strukturelle Verbesserungen verzeichnet. Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe fiel die Einschätzung der aktuellen Lage besser aus. Der Dienstleistungssektor bewegte sich aus dem negativen Bereich in nahezu neutrales Terrain, was auf eine Erholung bei Dienstleistungen und Logistik hindeutet. Auch der Bausektor verbesserte seine Kennziffern deutlich. Ein derart heterogenes Wachstum ist ein Hinweis darauf, dass der Aufschwung tragfähig ist und sich nicht nur auf einen einzelnen Sektor beschränkt.
Die IFO-Indizes decken sich mit den in der vergangenen Woche veröffentlichten PMI-Indizes, die sich ebenfalls im „grünen Bereich“ befanden und der europäischen Währung zusätzliche Unterstützung lieferten. Beide Berichte zeichnen ein eindrückliches Bild einer sich allmählich verstärkenden Geschäftstätigkeit in Deutschland.
Zur Erinnerung: Der zusammengesetzte PMI-Index für Deutschland stieg in diesem Monat von 52,1 im Januar auf 53,1. Beide Komponenten – der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und der Index für den Dienstleistungssektor – lagen über der Marke von 50 Punkten und signalisierten damit eine Ausweitung der Aktivität im privaten Sektor.
In Reaktion auf den jüngsten Bericht testeten EUR/USD-Käufer den Widerstandsbereich bei 1,1820 (die Mittellinie der Bollinger-Bänder im Tageschart), konnten sich dort aber nicht festsetzen. Der Grund dafür ist die geopolitische Spannung.
Laut The New York Times erwägt Donald Trump in naher Zukunft einen gezielten Schlag gegen den Iran. Zudem könnte auf diesen Schlag ein umfangreicherer Angriff folgen. Insidern der Zeitung zufolge wird die USA in den kommenden Monaten eine groß angelegte Militärkampagne durchführen, um die derzeitigen iranischen Machthaber zu stürzen, falls Diplomatie oder erste „gezielte“ Schläge Teheran nicht dazu veranlassen, sein Atomprogramm aufzugeben.
Die Folgen eines solchen Schrittes könnten vielschichtig sein – militärisch, wirtschaftlich und geopolitisch. So könnte der Iran etwa versuchen, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus einzuschränken, über die rund 20 % des weltweiten Ölhandels abgewickelt werden. Schon eine teilweise Unterbrechung des Transits würde Schockwellen an den Märkten auslösen. Zudem besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Konflikt auf andere Golfstaaten ausweitet. Der Übergang von einer „gezielten Operation“ zu einem regionalen Krieg mit unvorhersehbarer Dynamik ist das Hauptrisiko der aktuellen Lage.
Inmitten einer erhöhten Risikoaversion „hält sich“ der Dollar und ist als sicherer Hafen gefragt. Auch wenn ein langwieriger Konflikt und steigende Haushaltsausgaben in den USA letztlich den gegenteiligen Effekt haben könnten, profitiert der Greenback derzeit von seinem Status als „sichere Anlage“.
Dennoch gibt es weiterhin Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Laut The New York Times sollen sich US-amerikanische und iranische Unterhändler am kommenden Donnerstag (26. Februar) erneut in Genf treffen. NYT-Insider sprechen von einem letzten Versuch, einen militärischen Konflikt zu verhindern. Der Ausgang dieses Treffens bleibt spannend – möglicherweise sogar für die direkten Teilnehmer.
Im Vorfeld eines derart wichtigen – man könnte sagen: schicksalhaften – Ereignisses agieren EUR/USD-Händler offenkundig vorsichtig. Sowohl Käufer als auch Verkäufer. Unter solchen Umständen ist nicht mit einer nachhaltigen Kursbewegung – weder nach oben noch nach unten – zu rechnen; vielmehr dürfte das Währungspaar so lange in einer Seitwärtsphase „gefangen“ bleiben, bis sich die Lage rund um den Iran klärt. Alle anderen fundamentalen Faktoren sind (vorerst) nachrangig.