Trump setzt das Schicksal des US-Dollars aufs Spiel

Die globalen Märkte eröffneten am Montag in einem Zustand tiefgreifender Unsicherheit. Am Samstag starteten die Vereinigten Staaten und Israel massive Angriffe auf den Iran, bei denen der Oberste Führer des Landes, Ayatollah Khamenei, getötet und ein erheblicher Teil der politischen und militärischen Führung der Islamischen Republik ausgeschaltet wurde.

Die Preise für Öl und Gold schnellten in die Höhe, da der Konflikt sich wahrscheinlich in die Länge ziehen wird. Die Reaktion Irans war groß angelegt: Israel, die USA und NATO-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten wurden ins Visier genommen. Der Dollar legte ebenfalls zu und blieb die wichtigste sichere Anlage in Zeiten der Unsicherheit.

Was passiert als Nächstes? Es ist bereits klar, dass Trumps Slogan „Make America Great Again“ expansionistisch interpretiert werden kann. Die einseitige Verhängung höherer Zölle auf Exporte in die USA war der erste Schritt, gefolgt von Druck auf Länder, die die globalen Ressourcen kontrollieren – in erster Linie die Ölproduzenten. Dazu zählen Kanada und Mexiko, die engsten Nachbarn der USA, die unter Druck gesetzt wurden, Teile ihrer Souveränität an amerikanische Konzerne abzutreten. Grönland ist von Interesse, um einen großen Teil der Arktis zu kontrollieren und den Einfluss Russlands in der Region zu begrenzen. Der Regimewechsel in Venezuela wurde erfolgreich durchgeführt und verschaffte den USA die Kontrolle über die Ölproduktion. Nun werden amerikanische Unternehmen entscheiden, ob dieses Öl nach China geliefert wird – und zu welchen Bedingungen. Iran ist ein weiterer Öllieferant für China. Offensichtlich könnte die Kontrolle über seine Felder erreicht werden, wenn infolge des Krieges eine proamerikanische Regierung an die Macht kommt.

Der Schlag gegen Iran erfolgte vor dem Hintergrund von Nuklearverhandlungen, die, wie sich nun zeigt, lediglich geführt wurden, um die Wachsamkeit zu lähmen. Eine Politik der Stärke und Einschüchterung ist der letzte Versuch der USA, ihre globale Dominanz zu bewahren. Die Märkte befinden sich in völliger Unsicherheit, da der Ausgang des Golfkriegs nichts Geringeres bestimmen wird als den Status der USA als globale Führungsmacht. Entsprechend steht nun auch das Schicksal des Dollars als wichtigste Währung der Welt auf dem Spiel.

Offensichtlich setzt man auf einen inneren Umsturz im Iran, denn ein militärischer Sieg ohne Bodenoffensive ist unmöglich, und die USA sind nicht in der Lage zu einer Bodeninvasion. Sollte die Macht im Iran nicht in die Hände einer proamerikanischen Führung übergehen, wird Iran nicht besiegt werden und die Kriegsziele werden nicht erreicht. Diese Frage ist nun der Schlüsselfaktor für die Einschätzung der Zukunft des Dollars. Trump rechnet damit, die Angelegenheit innerhalb von vier Wochen zu klären – eine plausible Annahme, wenn man bedenkt, dass die Raketen für die Angriffe plötzlich ausgehen könnten.

Die aggregierte USD-Position gegenüber den wichtigsten Weltwährungen stieg in der Berichtswoche um 3,2 Milliarden US-Dollar; dieser Anstieg ging zulasten zweier europäischer Währungen. Der Euro verlor 2,7 Milliarden US-Dollar und das Pfund 1,2 Milliarden US-Dollar. Ferner ist zu beachten, dass alle drei wichtigen Rohstoffwährungen (NZD, AUD, CAD) ihre Positionierung verbesserten. Trotz dieser leichten Verbesserung ist der Ausblick für den Dollar angesichts der ausgeprägten bärischen Grundtendenz nicht deutlich optimistischer geworden.

Was die Makrodaten betrifft: Auch wenn ihr unmittelbarer Markteinfluss in den Hintergrund getreten ist, bleiben sie wichtig. Am Freitag wurde der US-Inflationsbericht für die Produzentenpreise im Januar veröffentlicht, und die Erzeugerpreise lagen deutlich über den Prognosen; mehrere Indikatoren übertrafen die Dezemberwerte, womit das Risiko einer wieder anziehenden Inflation erneut auf die Agenda gerückt ist. Die Zinserwartungen gegenüber der Fed bleiben vorerst unverändert: Die CME-Futures preisen für dieses Jahr zwei Zinssenkungen ein, was auf eine gewisse Stabilität hindeutet.

In der kommenden Woche dürfte sich der weitere Kurs des Dollars klarer abzeichnen. Um die Perspektiven des Krieges umfassend beurteilen zu können, wird jedoch deutlich mehr Zeit benötigt. Unterdessen steht heute der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe an, am Mittwoch folgt der ISM-Index für den Dienstleistungssektor, und dazu kommt eine Reihe von Arbeitsmarktdaten, die am Freitag im Bericht zu den Nonfarm Payrolls gipfeln.

Aktuelle Dollar-Prognose: Der einzige Weg zu einer weiteren USD-Rally besteht in einem raschen Erreichen der Ziele Washingtons im Iran – sprich, Anzeichen für einen Regimewechsel hin zu einer US-freundlichen Regierung. Sollten sich innerhalb einer Woche keine solchen Signale abzeichnen und zugleich die Überzeugung wachsen, dass sich der Krieg in die Länge ziehen könnte, dürfte der Druck auf den Dollar mit jedem Tag zunehmen.