Bitcoin steckt schweren Schlag weg

Bitcoin, als einziger großer Vermögenswert, der rund um die Uhr gehandelt wird, bekam die Hauptlast der Folgen der Ereignisse im Nahen Osten zu spüren. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran, gefolgt von Teherans ballistischen Raketenangriffen auf Nachbarstaaten, hätten eigentlich einen massiven Schock für Risikoanlagen darstellen müssen. Dennoch hat die Kryptowährung den Test bestanden und die Achterbahnfahrt mit Bravour gemeistert.

Bitcoin-Dynamik

Nach Schätzungen von CoinGecko holten digitale Vermögenswerte bis Sonntagmorgen rund 32 Milliarden US‑Dollar wieder auf, nachdem sie am Samstag infolge der Meldungen über den bewaffneten Konflikt im Nahen Osten 128 Milliarden US‑Dollar verloren hatten. Bitcoin legte anschließend weiter zu, nachdem Berichte über die Tötung des obersten Führers des Iran auftauchten – in der Logik, dass bei einer „Enthauptung“ des Gegners das Risiko einer langwierigen Konfrontation deutlich sinkt. Es kursieren Marktgerüchte, wonach einige Vertreter in Teheran bereits ihre Bereitschaft zu Verhandlungen mit den USA signalisieren.

Dennoch ist selbst ein rasches Ende der regionalen Auseinandersetzung kaum ein Katalysator für eine nachhaltig steigende BTC/USD‑Notierung. Untersuchungen von Wintermute auf Basis von Daten von JP Morgan zeigen in den vergangenen Monaten Kapitalabflüsse aus Krypto und Zuflüsse in US‑Aktien, die sich beschleunigt haben, seit Bitcoin im Oktober von seinen Rekordhochs zurückgefallen ist.

Das wirft ein Schlaglicht auf die auseinanderlaufende Entwicklung von US‑Aktienindizes und BTC/USD. Jahrelang reagierte der digitale Vermögenswert sehr sensibel auf Veränderungen der globalen Risikoneigung, doch seine Entkopplung vom S&P 500 und dem Nasdaq Composite hat die Dynamik verändert. Anders als Aktien, die durch Vermögenswerte des Emittenten unterlegt sind, stützte sich Bitcoin weitgehend auf die „Animal Spirits“ der Anleger – und als diese nachließen und die Volatilität zurückging, ebbte auch das Interesse an Krypto ab.

Die aktuelle Seitwärtsbewegung und die Widerstandsfähigkeit von BTC/USD gegenüber einem Schock wie dem Krieg im Nahen Osten können als Lichtblick in einer ansonsten trüben Landschaft gesehen werden. In den vergangenen Tagen verzeichneten Bitcoin‑ETFs Zuflüsse von rund 1 Milliarde US‑Dollar. Das deutet darauf hin, dass die aktuelle Handelsspanne eher eine Distribution als bloßes Eindecken von Short‑Positionen darstellt – was die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs nach oben erhöht.

Kapitalzuflüsse in Bitcoin‑ETFs

Welches Ereignis könnte zum nächsten bullischen Treiber werden, um BTC/USD neuen Auftrieb zu geben? JP Morgan argumentiert, dass dies ein von Congress verabschiedetes Klarheitsgesetz sein könnte, das die Entwicklung und den Ausbau der Marktinfrastruktur für digitale Assets formalisieren würde. Das würde die Tokenisierung voranbringen und neue institutionelle Investoren anziehen. Das Ereignis wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet.

Aus technischer Sicht verzeichnete der Tageschart für BTC/USD zwei Fehlausbrüche unterhalb der unteren Begrenzung der Konsolidierungszone von 65.000–70.000 US-Dollar und bildete dabei ein 1-2-3-Umkehrmuster. Dies spricht dafür, Ausbrüche über dem Widerstand bei 67.500 und 70.000 US-Dollar für Käufe in Betracht zu ziehen.