Der Krieg ist die Waffe des Dollars, aber der Frieden ist die Waffe des Euro. Es überrascht daher nicht, dass ein Bericht der New York Times, demzufolge iranische Offizielle angeboten haben sollen, über Bedingungen für ein Ende der Kämpfe zu sprechen, die schnellste EUR/USD-Rallye seit einem Monat ausgelöst hat. Mizuho International warnt jedoch, dass dieser Bericht mit Vorsicht zu genießen sei – ähnliche Gerüchte kursierten bereits fast am ersten Tag der Angriffe, ohne dass etwas Entscheidendes folgte.
Reaktion von Dollar und US-Staatsanleihen auf Waffenstillstandsgerüchte
Danske Bank argumentiert, dass der rasche Einbruch des EUR/USD-Währungspaares nicht in erster Linie auf eine veränderte Marktsicht in Bezug auf die Zinsen zurückzuführen ist. Zwar haben Derivate die Wahrscheinlichkeit für drei Fed-Zinssenkungen im Jahr 2026 verringert und die Erwartungen für den Beginn des Lockerungszyklus von Juni auf Juli verschoben, was den US‑Dollar gestützt hat.
Doch auch die Erwartungen an den Einlagensatz der EZB wurden angepasst. Während die Zinskurve zuvor nur geringe Bewegungen im Jahr 2026 eingepreist hatte, ist das Risiko steigender Inflation gestiegen. Ebenso die Wahrscheinlichkeit eines neuen Straffungszyklus – ein Faktor, der den Euro unterstützt. Unter dem Strich hätte EUR/USD daher weitgehend stabil bleiben sollen, dennoch hat das Währungspaar eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt.
Danske Bank sieht den Haupttreiber in den sich verändernden Handelsdynamiken. Die USA sind Nettoexporteur von Energie, während die Eurozone Nettoimporteur ist. Steigende Ölpreise stützen die US‑Wirtschaft und belasten die Alte Welt. Gleichzeitig schießt der Preis für Gas, bei dem die Eurozone besonders exponiert ist, in die Höhe.
Der Greenback profitiert zudem von der Nachfrage nach sicheren Häfen vor dem Hintergrund deutlich gestiegener geopolitischer Risiken. Allerdings hängen Risk-off-Ströme weniger vom Ölpreis als von der Volatilität ab. Solange die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts im Nahen Osten hoch bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass EUR/USD weiter fällt, als dass sich das Paar wieder erholt.
Arbeitsmarktdynamik in der Eurozone
Makroökonomische Daten helfen dem Euro derzeit nicht. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit auf Rekordtiefs wurde von den EUR/USD-Bullen weitgehend ignoriert. Starke Arbeitsmarktdaten in Europa bedeuten nicht zwangsläufig, dass sich die gesamte Wirtschaft erholt hat – es könnte schlicht daran liegen, dass viele Menschen in der Alten Welt nicht arbeiten wollen.
Damit ermöglichen die sich verändernden Handelsgrundlagen und die starke Nachfrage nach sicheren Häfen den EUR/USD-Bären, den Markt zu dominieren. Nur Gespräche zwischen den USA und dem Iran könnten die Position des Euro wirklich stärken.
Aus technischer Sicht stößt EUR/USD im Tageschart an den Widerstand bei 1,1640. Ein Ausbruch würde die Wahrscheinlichkeit einer Rally in Richtung 1,1675 und 1,1710 erhöhen und könnte als Kaufgelegenheit genutzt werden. Eine Abweisung dieses Niveaus hingegen würde es den Bären ermöglichen, ihre Short-Positionen gegen den Dollar auszubauen.