DJIA (INDU): Ölschock verändert die Szenarien

*Siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für den DJIA (INDU)

Die Futures auf den Dow-Jones-Index (DJIA) sind am Montag um 1,74 % eingebrochen und während der asiatischen Sitzung unter 46.300,00 Punkte gefallen. Der Ausverkauf war eine direkte Folge des explosiven Anstiegs der Ölpreise, wobei Brent über 113,00 USD pro Barrel kletterte, sowie der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, der nun in seine zweite Woche geht. Der Markt wird von Stagflationsängsten beherrscht, da höhere Energiekosten sowohl ein geringeres Wachstum als auch neuen Inflationsdruck befürchten lassen.

Die Eskalation der US–Israel-Kampagne gegen den Iran, die sich nun in der zweiten Woche befindet, prägt weiterhin maßgeblich die Marktstimmung.

Der sogenannte Fear-&-Greed-Index der Anleger verharrt mit 26 (von 100) im Bereich der „Angst“ und liegt damit praktisch an der Schwelle zur „extremen Angst“.

Vor diesem Hintergrund stieg der US-Dollar-Index (USDX) im Tagesverlauf um 0,5 % auf 99,30 und erreichte nach einem Zuwachs von mehr als 1 % in der vergangenen Woche ein neues Hoch seit November 2025.

Der Dollar wird nicht nur als sicherer Hafen gestützt, sondern auch durch eine Neubewertung der Erwartungen an die Fed-Zinspolitik: Der Anstieg der Ölpreise verstärkt die Inflationssorgen und zwingt die Anleger, den Zeitpunkt für geldpolitische Lockerungen nach hinten zu verschieben, wie wir in der heutigen Analyse „USD/CAD: in the grip of geopolitics and an oil rally.“ hervorgehoben haben.

Aktuelle Lage: perfekter Sturm

Beispielloser Ölschock

Die Rohölpreise schossen am Montag in die Höhe: WTI kletterte über 110,00 USD pro Barrel (ein Neun-Monats-Hoch), und Brent stieg über 114,00 USD. Die Preise legten an einem einzigen Tag um mehr als 25 % zu, ausgelöst durch Befürchtungen von Lieferunterbrechungen in der Straße von Hormus.

Bis zur Mitte des europäischen Handels korrigierten die Preise nach Meldungen, dass die G7 koordinierte Notfallfreigaben aus strategischen Ölreserven prüfen, auf etwa 100,00 USD bzw. 105,00 USD.

Marktreaktion: Flucht aus Risikoanlagen

Die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 fielen um 1,61 % bzw. 1,75 % und rutschten in der asiatischen Sitzung unter 6.600,00 bzw. 24.000,00 (in der vergangenen Woche verlor der Dow Jones bereits 3 %, der S&P 500 2 % und der Nasdaq 100 1,2 %).

Der CBOE Volatility Index (VIX) sprang um fast 13 % und erreichte Niveaus, die zuletzt im April 2025 verzeichnet wurden.

Auch die asiatischen Märkte verbuchten starke Verluste: Japans Nikkei 225 sank um 5,2 %, Hongkongs Hang Seng fiel um 1,4 %, und Chinas Shanghai Composite gab um 0,7 % nach.

Ökonomen schließen einen Börsencrash von bis zu 35 % im weiteren Jahresverlauf nicht aus, da sie befürchten, dass ein lang anhaltender Ölschock die Fed vor eine doppelte Herausforderung stellen könnte: steigende Inflation bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit.

Zugleich sind viele der Ansicht, dass ein Anstieg der Ölpreise, der nicht extrem ausfällt und nur vorübergehend auf erhöhtem Niveau bleibt, die Erwartungen für US-Aktien in den kommenden 6–12 Monaten voraussichtlich nicht entgleisen lassen wird. Historisch betrachtet haben geopolitische Risiken in den US-Märkten keine anhaltend hohe Volatilität ausgelöst.

Unterdessen stieg die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen (aktuell) auf 4,180 %, da die Anleger ein höheres Inflationsrisiko einpreisen. Höhere Energiepreise nähren diese Erwartungen: Die IWF-Chefin Kristalina Georgieva warnte, dass ein anhaltender Anstieg der Ölpreise um 10 % die globale Inflation um etwa 0,4 Prozentpunkte erhöhen könnte.

Die Präsidentin der Cleveland Fed, Loretta Mester, sagte kürzlich, die Geldpolitik sollte für längere Zeit unverändert bleiben, bis es klare Anzeichen für eine niedrigere Inflation und eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes gibt. Der Inflationsdruck bleibe breit angelegt, und Zölle seien nur einer von mehreren Belastungsfaktoren für Unternehmen.

Laut dem CME FedWatch-Tool rechnen Anleger nun erst im September mit einer ersten Zinssenkung um 25 Basispunkte, während die Märkte vor der Eskalation des Konflikts bereits für Juli voll eine Senkung eingepreist hatten. Einige Händler setzen sogar darauf, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr überhaupt nicht senken wird.

Kurzfristige technische Analyse

Heute haben die DJIA-Futures (INDU im Handelsterminal) die wichtige Unterstützung bei 46.750,0 (EMA200 im Tageschart), die einen mittelfristigen Bullenmarkt von einem Bärenmarkt trennt, getestet und sich der wichtigen mittelfristigen Unterstützung bei 46.250,0 (EMA50 im Wochenchart) angenähert.

Die technischen Indikatoren (RSI, OsMA, Stochastic) auf den Tages- und Wochencharts sprechen für Short-Positionen, und im Monatschart sind die Indikatoren ebenfalls auf die Verkaufsseite gedreht.

Täglicher RSI (14): fällt unter die Marke von 30 und bestätigt damit einen bärischen Bias (starker negativer Momentum?Impuls).

Der langfristige und übergeordnete Trend des DJIA bleibt bullish. Ein Bruch der Unterstützungszone bei 46.250,0–46.000,0 würde jedoch den Weg für weitere Rückgänge freimachen.

Schlüsselebenen

Unterstützung: 46.750,0, 46.250,0, 46.000,0, 45.000,0

Widerstand: 47.500,0 (EMA144 im Tageschart), anschließend die Zone 48.750,0 (EMA50 im Tageschart)–49.000,0

Kurzfristiges Szenario (1–5 Tage)

Die zentrale Zone bleibt 46.750,0–47.500,0. Das weitere Vorgehen hängt von den diplomatischen Entwicklungen und möglichen G7?Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölmarktes ab. Jegliche Anzeichen einer Deeskalation könnten eine technische Gegenbewegung auslösen, während eine Eskalation des Konflikts die Indizes auf neue Tiefstände drücken könnte.

Treiber in der näheren Zukunft:

· Mittwoch: US?CPI für Februar

· Freitag: PCE (der bevorzugte Inflationsindikator der Fed) und Daten zu offenen Stellen

· Unternehmensberichte: Oracle, Adobe, Hewlett?Packard Enterprise

Mittelfristiger Ausblick

Anleger werden diese Woche insbesondere auf die Veröffentlichungen von CPI und PCE achten. Ökonomen erwarten, dass die Inflation bei rund 2,4 % im Jahresvergleich bleibt. Ein positiver Überraschungseffekt nach oben würde den Druck auf die Märkte erhöhen, während schwächere Daten die Hoffnungen auf Lockerungen durch die Fed stützen würden.

Fazit

Der US?Aktienmarkt ist in eine Phase extremer Volatilität eingetreten, die von geopolitischen Risiken dominiert wird. Ein durch eine Blockade der Straße von Hormus und Produktionsstörungen in der Region ausgelöster Ölschock schürt Stagflationsängste, bringt die Fed in eine schwierige Lage und zwingt Anleger, ihre Prognosen zu überarbeiten.

Die Schlüsselzone 46.750,0–47.500,0 wird in den kommenden Tagen entscheidend sein – ihr Halten würde den Bullen die Chance geben, eine Erholung in den Bereich 48.750,0–49.000,0 ins Visier zu nehmen, während ein Bruch den Weg für eine tiefere Korrektur öffnen würde. Unabhängig vom Szenario dürfte die Volatilität hoch bleiben; Anleger sollten daher die Schlagzeilen aus dem Persischen Golf, die US?Inflationsdaten und die Reaktionen der Zentralbanken auf die Energiekrise genau verfolgen.