USD/CAD: Bärischer Festschmaus, da der kanadische Dollar im Zuge der Öl-Rally zulegt

Der US‑Dollar legt an den Märkten zu, ausgelöst durch einen sprunghaften Anstieg der Risikoaversion. Am Montag ist die Finanzwelt in eine neue Realität eingetreten, in der sowohl Brent- als auch WTI-Rohölpreise die Marke von 100 US‑Dollar pro Barrel überschreiten. Zu Handelsbeginn fiel der Anstieg noch deutlich kräftiger aus – die Preise schnellten um nahezu 29–30 % in die Höhe und näherten sich damit 120 US‑Dollar pro Barrel. Die Panikstimmung spielte der amerikanischen Währung in die Hände, die als sicherer Hafen stark nachgefragt ist. Die wichtigsten Währungspaare haben ihre Konstellationen entsprechend angepasst.

Der kanadische Dollar hebt sich in diesem Zusammenhang jedoch deutlich ab. Der Loonie hält nicht nur einfach die Stellung, er legt kräftig zu und setzt das Währungspaar USD/CAD stark unter Druck. In der vergangenen Woche erreichte das Paar ein lokales Hoch bei 1,3715, doch am Freitag drehte der Kurs abrupt nach unten und nähert sich derzeit dem unteren Bereich der 1,35er-Zone.

Bemerkenswert ist, dass sich der Ölmarkt zu Beginn der europäischen Sitzung von seinen Hochs zurückgezogen hat – ausgelöst durch Gerüchte, dass die G7-Staaten über eine koordinierte Intervention und die Freigabe strategischer Ölreserven beraten. Trotz des Rückgangs der Ölpreise dominiert beim Währungspaar USD/CAD jedoch weiterhin die bärische Stimmung; der Rohstoffcharakter des kanadischen Dollars wiegt schwerer als die Attraktivität des sicheren US‑Dollars.

Die Nachfrage nach WTI/WCS-Öl wird nicht nur dadurch gestützt, dass seine Logistik weitgehend vor einer Eskalation im Nahen Osten geschützt ist, sondern auch durch technische Faktoren: Viele Fonds schichten von europäischen Anlagen in amerikanische/kanadische Energie-Futures um, die sie als widerstandsfähiger gegenüber globalen Schocks einschätzen. Kanada ist der größte Anbieter von WCS-Öl, das aufgrund von Qualitäts- und Logistikkosten nach der Formel „WTI minus Abschlag“ bepreist wird. Der Anstieg von WTI zieht jedoch auch den Preis für kanadisches Öl mit nach oben, was wiederum den Loonie stützt – dank eines deutlichen Zuflusses von Devisenerlösen.

Daraus ergibt sich die naheliegende Frage: Wie lange wird das „bärische Festmahl“ beim Währungspaar USD/CAD noch andauern? Nach einigen Angaben könnte die G7‑Intervention ein Volumen von 300–400 Millionen Barrel erreichen. Einerseits ist das in der Tat eine enorme Menge, die die Ölpreise „hier und jetzt“ deutlich drücken könnte. Viele Experten sind jedoch der Ansicht, dass dieser Effekt unter den aktuellen Umständen nur kurzfristig sein und eher psychologisch als fundamental wirken dürfte. Sollte sich der Konflikt hinziehen, werden derartige „Einschüsse“ die grundlegenden Probleme nicht lösen. Das bedeutet, dass sich der Loonie vor dem Hintergrund steigender WTI/WCS‑Preise weiter aufwerten dürfte.

Mit anderen Worten: Die bärischen Perspektiven für USD/CAD hängen maßgeblich von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ab. Die Prognosen sind hier leider eher düster – hochrangige Quellen des israelischen Channel 12 erklärten, die militärischen Aktionen gegen den Iran würden „mindestens weitere fünf Wochen“ andauern. Unterdessen sind die Konfliktparteien faktisch zu einer Strategie der „Energie-Erstickung“ übergegangen. So hat die israelische Luftwaffe in den vergangenen zwei Tagen rund 30 große Treibstoffterminals angegriffen. Zudem hat die US‑Navy im Persischen Golf drei iranische Öltanker beschossen. Im Gegenzug haben die Iraner eine saudi-arabische Raffinerie angegriffen.

Gleichzeitig bleibt die kanadische Infrastruktur vollständig gesichert und arbeitet Berichten zufolge bei erhöhter Nachfrage mit voller Auslastung. Das macht den Loonie derzeit zu einer der attraktivsten Währungen.

Zu berücksichtigen sind auch die „Nebenwirkungen“ der aktuellen Lage. Vor der Eskalation lag die Inflation in Kanada nahe am Zielwert von 2 % (im Januar betrug der Verbraucherpreisindex 2,3 %), doch der Anstieg des WTI‑Preises wird sich zwangsläufig in höheren Benzinpreisen niederschlagen und den Gesamt‑VPI um mindestens 0,5–0,8 Prozentpunkte nach oben treiben. Anschließend werden Sekundäreffekte bei der Inflation einsetzen – vor allem höhere Logistikkosten, die die ohnehin schon kräftig steigenden Lebensmittelpreise (4,8 % im Jahresvergleich) weiter anheizen werden. Auch die Rhetorik der Bank of Canada dürfte sich verschärfen, da sie auf die Lage reagieren muss.

Solche Aussichten verschaffen dem kanadischen Dollar zusätzliche Unterstützung.

Solange also keine klaren Signale für eine Deeskalation des Konflikts im Nahen Osten erkennbar sind, dürfte die bärische Grundstimmung gegenüber dem Währungspaar USD/CAD anhalten. Korrektive Rückläufe des Paares sollten daher als Gelegenheit genutzt werden, um Short-Positionen zu eröffnen.

Auch die technischen Indikatoren untermauern dieses Szenario. Auf dem Tageschart notiert das Paar zwischen der mittleren und der unteren Linie der Bollinger-Bänder und unter sämtlichen Linien des Ichimoku‑Indikators – ein Hinweis auf ein bärisches „Parade of Lines“-Signal. Ein ähnliches Bild zeigt sich im H4‑Zeitrahmen. Das Ziel für die Abwärtsbewegung liegt im Bereich von 1,3540 (untere Bollinger‑Band‑Linie auf D1 und H4).