Überblick über das Währungspaar EUR/USD. Wöchentliche Vorschau. Iran und die Straße von Hormus bleiben im Fokus

Das Währungspaar EUR/USD bewegte sich am Freitag und über weite Teile der laufenden Woche ausschließlich abwärts. An diesem Punkt ergibt es wohl wenig Sinn, erneut zu betonen, dass der einzige Grund für den Anstieg des US-Dollars in der Geopolitik liegt. Erinnern wir uns daran, dass wir vor ein oder zwei Wochen die Aufmerksamkeit der Trader darauf gelenkt haben, dass der Markt die schwachen US-Makrodaten schlicht ignoriert. Weder die Veröffentlichungen zu den Non-Farm Payrolls, den Arbeitslosenquoten noch zum BIP (in zwei Schätzungen) haben Druck auf den Dollar ausgeübt. Daher kann man mit Fug und Recht sagen, dass der Markt nun seit etwa einem Monat unter dem Einfluss geopolitischer Faktoren steht. Zunächst bereiteten sich die Trader auf einen möglichen Krieg zwischen den USA und dem Iran vor, doch damals war nur wenigen das Ausmaß des Konflikts und seine globalen Auswirkungen klar, die sich in den ersten Tagen zeigen würden. Danach erkannte der Markt die Probleme, mit denen die Welt konfrontiert sein würde, falls dieser Krieg andauert, und begann, geopolitische Risiken mit neuer Intensität einzupreisen.

Naturgemäß glauben die meisten Trader an die Möglichkeit, jede Bewegung entweder zu erklären oder zumindest vorherzusagen – oder wünschen sich das. Unserer Ansicht nach ist das jedoch unmöglich. Wer hätte vor ein paar Wochen ahnen können, dass der Konflikt ein solches Ausmaß annehmen würde? Wer hätte voraussehen können, dass die Straße von Hormus nicht nur für ein paar Tage, sondern möglicherweise für viele Monate blockiert werden könnte (erinnern wir uns daran, dass der Iran zuvor schon mehrfach damit gedroht hatte, die Straße von Hormus zu schließen, was aber etwa im vergangenen Sommer lediglich zu einigen Vergeltungsschlägen führte)? Sicherlich wurden derartige Annahmen geäußert, auf deren Grundlage man hätte über einen Anstieg des Dollars spekulieren können. Aber zwischen Spekulationen und dem Besitz verlässlicher Informationen liegt ein gewaltiger Unterschied.

Insofern war der aktuelle Anstieg des Dollars nahezu unmöglich vorherzusagen. Man sollte sich vor Augen halten, dass fast alle fundamentalen und makroökonomischen Faktoren gegen die US-Währung sprechen, sich aber gezeigt hat, dass der geopolitische Faktor derart stark ist, dass alle anderen Faktoren in den Hintergrund gedrängt werden. Daher halten wir es für wenig sinnvoll, den fundamentalen und makroökonomischen Hintergrund für die neue Woche ausführlich zu diskutieren. Erst am vergangenen Freitag ignorierte der Markt eine neue Serie enttäuschender Daten aus den USA. Es wurde bekannt, dass das US-BIP im vierten Quartal auf 0,7 % q/q und nicht auf 1,4 % q/q zurückgegangen ist. Dennoch stieg der Dollar weiter, fast wie beflügelt. Auch die Auftragseingänge für langlebige Güter fielen klar enttäuschend aus, doch selbst dieser Bericht blieb vom Markt praktisch unbeachtet.

Wie lange Trader ihre Handelsentscheidungen noch ausschließlich auf geopolitische Faktoren stützen werden, lässt sich ebenso wenig vorhersagen, da niemand auf der Welt weiß, wie lange der Konflikt noch andauern wird, wie hoch die Öl- und Gaspreise noch steigen, wie viele weitere Öl- und Gasanlagen in der Region beschädigt oder zerstört werden oder welche anderen Länder in die Kampfhandlungen hineingezogen werden. Den Tradern bleibt leider kaum etwas anderes übrig, als die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, sich vor Augen zu halten, dass die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Dollaranstiegs hoch bleibt, und zu versuchen, auf jede neue Nachricht so schnell wie möglich zu reagieren.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaars EUR/USD über die letzten 5 Handelstage beträgt zum Stichtag 16. März 93 Pips, was als „durchschnittlich“ einzustufen ist. Wir erwarten, dass sich das Paar am Montag in einer Spanne zwischen 1,1324 und 1,1510 bewegt. Der obere Kanal der linearen Regression ist in eine Seitwärtsbewegung übergegangen, was auf eine mögliche Trendwende hindeutet. Der CCI-Indikator ist erneut in die überverkaufte Zone eingetreten und hat eine „bullische“ Divergenz ausgebildet, doch selbst technische Signale haben derzeit keine Bedeutung.

Nächste Unterstützungsniveaus:

S1 – 1,1353

S2 – 1,1230

S3 – 1,1108

Nächste Widerstandsniveaus:

R1 – 1,1475

R2 – 1,1597

R3 – 1,1719

Handelsempfehlungen:

Das Währungspaar EUR/USD setzt seine Abwärtsbewegung fort, die inzwischen nicht mehr wie eine Korrektur aussieht. Das übergeordnete fundamentale Umfeld bleibt für den Dollar äußerst negativ. Seit mehreren Wochen konzentriert sich der Markt jedoch ausschließlich auf die Geopolitik, wodurch alle anderen Faktoren in den Hintergrund treten. Solange sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt befindet, können Short-Positionen mit Kurszielen bei 1,1353 und 1,1324 in Betracht gezogen werden. Oberhalb der gleitenden Durchschnittslinie bleiben Long-Positionen mit Zielen bei 1,1963 und 1,2085 relevant, doch damit dieses Szenario eintritt, muss sich das geopolitische Umfeld zunächst zu stabilisieren beginnen.

Erklärungen zu den Abbildungen:

Lineare Regressionskanäle helfen dabei, den aktuellen Trend zu identifizieren. Zeigen beide in dieselbe Richtung, ist der Trend derzeit stark;

Die gleitende Durchschnittslinie (Einstellung 20,0, geglättet) definiert den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die aktuell gehandelt werden sollte;

Murray-Level sind Zielmarken für Bewegungen und Korrekturen;

Volatilitätsniveaus (rote Linien) geben auf Basis der aktuellen Volatilitätsindikatoren den wahrscheinlichen Preiskanal an, in dem sich das Paar in den nächsten 24 Stunden bewegen wird;

Der CCI-Indikator – sein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter -250) oder den überkauften Bereich (über +250) signalisiert, dass eine Trendwende in die Gegenrichtung näher rückt.