Das Währungspaar EUR/USD hat am Montag einen Anschein einer Korrektur gezeigt, was absolut nichts zu bedeuten hat. Was meinen wir damit? Nach einem Rückgang der europäischen Währung um 400 Pips seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten wirkt jeder Anstieg wie eine Korrektur. Die Situation beim EUR/USD-Paar ist inzwischen nahezu unentwirrbar. Noch vor zwei Wochen schien der Aufwärtstrend unbestreitbar, doch nun steht der Aufwärtstrend im Tageschart, wenn nicht bereits gebrochen, zumindest kurz davor. Das Interessanteste dabei ist, dass das makroökonomische bzw. fundamentale Umfeld in der Regel gut mit der technischen Analyse übereinstimmt. Mit anderen Worten: Trader müssen im Grunde nur globale fundamentale Ereignisse und wirtschaftliche Entwicklungen prognostizieren, da die technische Analyse üblicherweise den tatsächlichen Zustand des Marktes und die Stimmung der Marktteilnehmer widerspiegelt. Sobald jedoch die Geopolitik ins Spiel kommt, wird jede Form von Prognose zur Makulatur. Infolgedessen bricht das technische Bild einfach zusammen, was Analyse und Prognose zusätzlich erschwert.
Derzeit ist beispielsweise im 4-Stunden-Chart ein klarer Abwärtstrend erkennbar. Doch ist dies lediglich Teil einer Korrektur im Tageschart oder bereits der Beginn eines neuen Trends in demselben Chart? Die Antwort darauf hängt nicht von der technischen Analyse ab, sondern von geopolitischen Faktoren. Und die Entwicklungen im Nahen Osten vorherzusagen, ist, wie wir festgestellt haben, unmöglich. In den letzten Tagen haben wir mehrere wichtige Punkte erfahren. Erstens plant Iran nicht, die Blockade der Straße von Hormus aufzuheben, und nun könnte sich auch Jemen an einer Blockade der Meerenge von Bab al-Mandab beteiligen. Was das für den Ölmarkt bedeuten würde, muss man wohl kaum weiter ausführen...
Zweitens wendet sich die gesamte Welt weiterhin von Donald Trump ab. Wie wir bereits zuvor angemerkt haben, ziehen es die meisten Länder vor, nicht gegen Trump zu kämpfen, sondern zu seinen Bedingungen zu kooperieren. Sie wissen, dass es keine andere Option gibt. Entweder man akzeptiert die Ultimaten des Hausherrn im Weißen Haus, oder man sieht sich mit Zöllen, Sanktionen oder sogar Krieg konfrontiert. Aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird ihm sofort ein Messer in den Rücken gestoßen. So haben sich beispielsweise jetzt die meisten europäischen Länder geweigert, Trump ihre Flugplätze und Militärbasen zur Verfügung zu stellen, damit US-Truppen leichter Angriffe auf Iran durchführen können. Die EU-Länder verstehen nicht, warum sie sich in einen Krieg im Nahen Osten hineinziehen lassen sollten, nur weil der US-Präsident das so entschieden hat. Darüber hinaus haben Frankreich und Italien bereits direkte Verhandlungen mit Iran aufgenommen, um die Straße von Hormus für ihre Tanker wieder freizugeben. Niemand möchte für Trumps Ambitionen kämpfen.
In den USA ist man der Ansicht, dass Trump den Krieg gegen Iran nur begonnen hat, um die öffentliche Aufmerksamkeit von den „Epstein-Files“ abzulenken, in denen sein Name über 3.000-mal auftaucht. Trump selbst ist erneut von Europa brüskiert und hat damit gedroht, dass die NATO zerfallen könnte, falls die europäischen Länder nicht für die Interessen der USA im Nahen Osten einstehen... Typisch Trump. Vor diesem Hintergrund kommt der EZB-Sitzung in dieser Woche, bei der mit großer Wahrscheinlichkeit keine Entscheidung über eine Änderung der Leitzinsen getroffen wird, nur geringe Bedeutung zu. Trader werden sich weiterhin auf die kleineren Zeitebenen stützen und den lokalen Bewegungen folgen müssen.
Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten 5 Handelstagen beträgt mit Stand 17. März 84 Pips und gilt damit als „durchschnittlich“. Wir erwarten, dass sich das Paar am Dienstag in einer Spanne zwischen 1,1395 und 1,1563 bewegt. Der höhere lineare Regressionskanal ist seitwärts gedreht, was auf eine mögliche Trendumkehr hindeutet. Der CCI-Indikator ist erneut in den überverkauften Bereich eingetreten und hat eine „bullishe“ Divergenz ausgebildet, doch selbst technische Signale sind derzeit von untergeordneter Bedeutung.
Nächste Unterstützungsniveaus:S1 – 1,1475
S2 – 1,1353
S3 – 1,1230
Nächste Widerstandsniveaus:R1 – 1,1597
R2 – 1,1719
R3 – 1,1841
Handelsempfehlungen:Das Währungspaar EUR/USD setzt seine Abwärtsbewegung fort, die nicht mehr wie eine bloße Korrektur aussieht. Das übergeordnete fundamentale Umfeld bleibt für den Dollar äußerst negativ. Allerdings konzentriert sich der Markt nun schon seit mehreren Wochen ausschließlich auf die Geopolitik, sodass alle anderen Faktoren in den Hintergrund treten. Befindet sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt, können Short-Positionen mit Kurszielen bei 1,1395 und 1,1353 in Betracht gezogen werden. Oberhalb der Linie des gleitenden Durchschnitts bleiben Long-Positionen mit Zielen bei 1,1963 und 1,2085 relevant, allerdings setzt dieses Szenario eine Stabilisierung der geopolitischen Lage voraus.
Erläuterungen zu den Abbildungen:Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Sind beide in dieselbe Richtung ausgerichtet, bedeutet dies, dass der Trend derzeit stark ist;
Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20,0, smoothed) bestimmt den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die aktuell gehandelt werden sollte;
Murray-Level sind Zielmarken für Bewegungen und Korrekturen;
Volatilitätsniveaus (rote Linien) markieren den voraussichtlichen Preiskanal, in dem sich das Paar in den nächsten 24 Stunden auf Basis der aktuellen Volatilitätsindikatoren bewegen dürfte;
Der CCI-Indikator – sein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter -250) oder in den überkauften Bereich (über +250) deutet darauf hin, dass eine Trendumkehr in die entgegengesetzte Richtung näher rückt.