XAU/USD. Kursanalyse und Prognose

Am Dienstag handelt Gold (XAU/USD) in einer engen Spanne, da Anleger vorsichtig bleiben und vor einer ereignisreichen Woche mit geldpolitischen Entscheidungen wichtiger Zentralbanken von aggressiven Positionen absehen. Der Druck auf das Edelmetall lässt angesichts eines schwächeren US-Dollars und fallender Renditen von US-Staatsanleihen etwas nach, was die Verluste bei Gold begrenzt.

Fokus auf Zentralbanken und Inflationsrisiken

Die erwarteten Entscheidungen der großen Notenbanken – der Federal Reserve (Fed), der Europäischen Zentralbank (ECB), der Bank of England (BoE), der Bank of Japan (BoJ), der Bank of Canada (BoC) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – erfolgen in einer Phase, in der die Märkte äußerst sensibel auf geldpolitische Signale reagieren. Zwar gehen die meisten Analysten davon aus, dass die Leitzinsen unverändert bleiben, doch die Aufmerksamkeit gilt insbesondere der Rhetorik der Zentralbanken und ihrer Einschätzung des künftigen geldpolitischen Kurses.

Steigende Ölpreise im Zuge der anhaltenden Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Iran haben die Inflationssorgen neu belebt und die Erwartung gestärkt, dass die Zentralbanken die Zinsen länger als bisher angenommen auf einem hohen Niveau halten werden. Ein restriktiverer Zinskurs erhöht den Druck auf Gold, da die Haltung des zinslosen Anlageguts durch höhere Opportunitätskosten teurer wird. Seit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten befindet sich Gold in einem stetigen Abwärtstrend, was den Wandel der globalen Erwartungen hin zu einer länger anhaltenden Phase geldpolitischer Straffung widerspiegelt. Händler rechnen nun bis zum Jahresende nur noch mit einer Zinssenkung der Fed um 25 Basispunkte, gegenüber zuvor erwarteten mehr als 50 Basispunkten.

Laut dem CME FedWatch Tool wird die Fed ihre Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei ihren Sitzungen im April, Juni und Juli unverändert lassen. Der wahrscheinlichste Zeitpunkt für den Beginn eines Zinssenkungszyklus hat sich auf September verschoben, mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 50,8 %.

Geopolitische Spannungen stützen Gold

Die Eskalation in der Straße von Hormus bleibt eine zusätzliche Unsicherheitsquelle, stützt die Nachfrage nach Gold und begrenzt tiefere Korrekturen. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran zeigt bislang keine klaren Anzeichen einer Deeskalation, während anhaltende Beeinträchtigungen der Schifffahrt die Anspannung an den Energiemärkten aufrechterhalten.

Der Berater des Weißen Hauses, Kevin Hassett, äußerte im Interview mit CNBC die Hoffnung, dass sich die Lage innerhalb von vier bis sechs Wochen stabilisieren könnte. Er wies darauf hin, dass die Verhandlungen „dem Zeitplan voraus“ seien und der Konflikt bald enden könnte.

Zugleich rief der US-Präsident Donald Trump jene Länder, die von dieser strategischen Route abhängig sind, dazu auf, zur Sicherung der freien Durchfahrt durch die Meerenge beizutragen. Die internationale Unterstützung für die US-Initiative bleibt jedoch begrenzt. Japans Verteidigungsminister erklärte, es gebe keine Pläne zur Entsendung von Schiffen. Der britische Premierminister Keir Starmer betonte, London habe „nicht die Absicht, in einen größeren Konflikt hineingezogen zu werden“, und der spanische Außenminister Jose Manuel Albares mahnte, „Schritte, die die Lage weiter anheizen könnten, sollten vermieden werden“.

Der Generalsekretär der International Maritime Organization (IMO), Arsenio Dominguez, sagte der Financial Times, dass selbst Marineeskorten „keine vollständige Sicherheit“ für Schiffe garantierten, die die Straße von Hormus passieren, und warnte zugleich, dass derartige Maßnahmen „keine nachhaltige langfristige Lösung“ darstellen könnten.

Technischer Ausblick

Aus technischer Sicht ist der Relative-Stärke-Index (RSI) in den negativen Bereich gerutscht, was darauf hindeutet, dass sich die bärische Stimmung am Markt durchsetzt. Die zentrale Unterstützung liegt weiterhin am 50‑Tage‑SMA im Tageschart. Ein Durchbruch unter dieses Niveau würde den Rückgang in Richtung 4.850 US‑Dollar beschleunigen. Gelingt hingegen ein Anstieg über den 20‑Tage‑SMA, könnten die Bullen wieder eine Chance erhalten, die Kontrolle über den Markt zurückzuerobern.