Die Goldpreise fallen seit der Zinssitzung der Fed Anfang März kontinuierlich. Diese Verkaufswelle wurde nicht einmal durch den Ausbruch des Krieges im Nahen Osten gestoppt. Was passiert als Nächstes, und wann endet der Rückgang? Schauen wir es uns im Detail an.
Aktuell wirken vier Hauptfaktoren auf Gold – zwei bullische und zwei bärische. Beginnen wir mit den bärischen.
Spekulanten gehen inzwischen davon aus, dass der Krieg im Nahen Osten die Inflation in den USA nach oben treiben wird. Das könnte nicht nur die Chancen auf die von der Fed in ihrer Entscheidung in Aussicht gestellte einmalige Zinssenkung zunichtemachen, sondern sogar bis Jahresende zu Zinserhöhungen zwingen. Diese Möglichkeit hat zugenommen, je länger sich der Konflikt zwischen Iran auf der einen Seite und den USA und Israel auf der anderen Seite hinzieht und verschärft.
Der wichtigste Übertragungskanal ist hier ein stärkerer US-Dollar – nicht nur als sicherer Hafen, sondern auch als jene Währung, in der Gold weltweit gehandelt wird. Ein stärkerer Dollar wirkt sich naturgemäß negativ auf das Metall aus.
Ein weiterer bärischer Treiber ist das typische Verhalten von Spekulanten, wenn sie keine absehbaren Mittelzuflüsse erkennen, die eine anhaltende Nachfrage stützen könnten. Was bedeutet das konkret? Gold erreichte Ende Januar ein Allzeithoch, was zu umfangreichen Gewinnmitnahmen führte, gefolgt von einer längeren Konsolidierungsphase, die keinen neuen Aufwärtsschub auslösen konnte. Was tun Spekulanten in einer solchen Situation? Wenn sie sehen, dass der Anstieg nicht durch frisches Geld unterstützt wird und die Umsätze nicht zunehmen, beginnen sie zu verkaufen, weil spekulative Anlagen nicht lange seitwärts laufen können. Genau in dieser Position befindet sich Gold derzeit. Der Preisrückgang ist daher zu einem großen Teil das Ergebnis von Gewinnmitnahmen und spekulativen Umschichtungen.
Kommen wir nun zu den beiden bullischen Faktoren. Der erste und wichtigste ist, dass Gold in einem Umfeld sehr hoher geopolitischer Spannungen weiterhin als sicherer Hafen gilt – Spannungen, die sich nur noch verschärfen dürften, falls eine von den USA und Israel angeführte Bodenoffensive unvermeidlich wird. In diesem Fall ist nach einer größeren Korrektur mit einer Rückkehr der Nachfrage und einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends zu rechnen.
Der zweite bullische Faktor ist die Einsicht großer Marktteilnehmer – allen voran der Zentralbanken –, dass sich die Welt verändert und dass Gold mit nachlassender Dominanz des US-Dollars zunehmend als aktives internationales Zahlungsmittel dienen wird.
In der Praxis heben sich diese vier Faktoren weitgehend gegenseitig auf, doch derzeit stehen die bärischen Treiber im Vordergrund, während die bullischen etwas in den Hintergrund getreten sind. Dieses Ungleichgewicht dürfte jedoch kaum von Dauer sein und wird aller Wahrscheinlichkeit nach in einer neuen Nachfragewelle nach Gold münden.
Intraday-Prognose
GOLD
Gold korrigiert nach einem scharfen Einbruch innerhalb eines Tages heute nach oben. Sollte sich der Preis unter 4.300,00 $ einpendeln, ist mit einem weiteren lokalen Rückgang in Richtung 4.011,65 $ zu rechnen, was dem 50%-Fibonacci-Retracement entspricht. Ein Niveau, auf dem man eine Rally verkaufen könnte, liegt bei 4.259,00 $.
AUD/USD
Das Währungspaar testet die Marke von 0,6950 in einem Umfeld eines starken US-Dollars. Ein Rückgang unter dieses Niveau könnte den Weg in Richtung 0,6900 ebnen. Ein Niveau, auf dem man Erholungen zum Verkauf nutzen könnte, ist 0,6940.