USD/JPY: Trumps Nahosträtsel und die Erwartung des japanischen Verbraucherpreisindex

Das Währungspaar Dollar-Yen befindet sich derzeit in einer Phase der Kursturbulenzen und reagiert impulsiv auf den fortlaufenden Informationsstrom. Der widersprüchliche fundamentale Hintergrund erschwert es USD/JPY-Händlern, die Richtung der Kursbewegung einzuschätzen. So unterstützten etwa die Ergebnisse der März-Sitzung der Bank of Japan den Yen, während Donald Trumps Ultimatum im Zusammenhang mit Iran die Position des Greenback stärkte.

Die Ereignisse haben die Marktteilnehmer verwirrt zurückgelassen: Zunächst verkündete Trump „produktive Verhandlungen“ mit Teheran (wobei er die Frist seines Ultimatums verlängerte), doch anschließend bestritt Iran die Existenz eben dieser Verhandlungen.

Mit anderen Worten: Der Nachrichtenzyklus ändert sich in kaleidoskopischem Tempo, sodass es derzeit schwierig ist, von einer nachhaltigen Aufwärts- oder Abwärtsbewegung im USD/JPY zu sprechen. Zudem wird dieses Rätsel am Dienstag noch komplexer, wenn in Japan die wichtigen Daten zum Inflationsanstieg veröffentlicht werden.

Bevor wir fortfahren, werfen wir einen kurzen Blick auf die Ergebnisse der Sitzung der Bank of Japan im März, die am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben wurden. Obwohl die Zentralbank alle Parameter der Geldpolitik unverändert ließ, deutete der Markt das Ergebnis der März-Sitzung als positiv für den Yen.

Erstens war die Entscheidung, den Status quo beizubehalten, nicht einstimmig: Das Vorstandsmitglied Hajime Takata stimmte für eine sofortige Anhebung des Zinssatzes auf 1,0 % und argumentierte mit einem präventiven Vorgehen, um eine unkontrollierte „Lohn-Preis-Spirale“ zu verhindern.

Zweitens prognostizierte die Bank of Japan eine Beschleunigung der Inflation und bezeichnete den derzeitigen Rückgang der Inflationsindikatoren als „vorübergehendes Phänomen“. Nach Ansicht der Zentralbank wird der Effekt staatlicher Energiesubventionen bald nachlassen, und der Preisdruck wird sich verstärken.

Dies ist eine wichtige Anmerkung vor dem Hintergrund der Dynamik der wichtigsten Inflationsindikatoren. Den jüngsten Daten zufolge ist die Gesamtinflation in Japan auf ein Zweijahrestief von 1,5 % gesunken. Wie bereits erwähnt, hängt dies mit den staatlichen Subventionen für Strom und Gas sowie mit dem Basiseffekt zusammen. Der Kern-VPI ohne frische Nahrungsmittelpreise ist stabil bei 2,0 % geblieben. Gleichzeitig ist der TCPI (Tokyo Consumer Price Index), ein führender Indikator für die landesweite Inflation, auf 1,8 % gefallen und bestätigt damit den Trend einer nachlassenden Teuerung.

Angesichts einer derart klaren Entwicklung bei den Inflationsindikatoren rechneten Händler mit eher zurückhaltenden, abwartenden Aussagen der Zentralbank. Die Bank of Japan konzentrierte sich jedoch auf Inflationsrisiken und erklärte, sie sei bereit, „schnell und flexibel auf neue Inflationsdaten zu reagieren“. Insgesamt machte die Zentralbank deutlich, dass in den kommenden Monaten eine Zinserhöhung erfolgen könnte, falls der Inflationsdruck anhält. Außerdem verwies die Bank auf positive Ergebnisse der Frühjahrsverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern („shunto“), in deren Verlauf viele Unternehmen Gehaltserhöhungen von über 5 % zugesagt haben (dieser Trend setzt sich bereits im dritten Jahr in Folge fort). Auch dies ist eine der Voraussetzungen für eine nachhaltige Inflation.

Vor diesem Hintergrund könnte der Bericht über das VPI-Wachstum in Japan für Februar bei einem Ergebnis „im grünen Bereich“ erhebliche Volatilität (zugunsten des Yen) auslösen. Nach ersten Prognosen soll der Gesamtverbraucherpreisindex auf dem Niveau des Vormonats bleiben, also bei 1,5 % im Jahresvergleich. Der Kernindex ohne frische Nahrungsmittelpreise dürfte dagegen von 2,0 % auf 1,7 % fallen. Dies ist ein zentrales Signal, da gerade dieser Inflationsindikator von der Zentralbank besonders genau beobachtet wird. Sollte der Kern-VPI bei 2,0 % bleiben oder eine Aufwärtsdynamik zeigen, würde dies die Position der „Falken“ innerhalb der Zentralbank stärken – insbesondere vor dem Hintergrund der Ereignisse im März.

Dennoch wird der Handel heute von der Geopolitik dominiert. Die jüngsten Entwicklungen begünstigen die US-Währung nicht, da die Finanzwelt „erste Anzeichen einer Deeskalation“ sieht. Nach seinem 48-Stunden-Ultimatum kündigte Donald Trump eine Verschiebung möglicher Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur um fünf Tage an und bezeichnete die derzeitigen Kontakte mit Teheran als „sehr produktiv“.

Nach Angaben iranischer Medien habe es jedoch keinerlei Verhandlungen zwischen Iran und den USA gegeben, und der Chef des Weißen Hauses versuche angeblich lediglich, Zeit zu gewinnen. Offiziell reagierte Teheran relativ zurückhaltend, bestätigte jedoch ebenfalls nicht, dass Gespräche stattfinden. Iran erklärte, es sei „nicht die Partei, die diesen Konflikt initiiert“ habe; daher müssten sich alle regionalen Initiativen zur Spannungsreduzierung an Washington richten, da die US-Maßnahmen die eigentliche Ursache der Krise seien.

Trotz dieser distanzierten Kommentare aus Teheran reagierten die Märkte positiv auf die Lage. Die Ölpreise brachen schlagartig um 7 % ein (Brent fiel von 110 US-Dollar auf 96–103 US-Dollar), und der Dollar-Index rutschte auf das Niveau von 98 ab. Auch das Währungspaar USD/JPY fiel – nicht nur wegen der Schwäche des Greenback, sondern auch wegen des Rückgangs am Ölmarkt (da Japan nahezu 100 % seiner Energie importiert).

All dies deutet darauf hin, dass der Markt Trumps Äußerungen als einen tatsächlichen Schritt in Richtung Deeskalation interpretiert und die scharfe Rhetorik Irans weitgehend ignoriert. Zudem tauchen Insiderberichte auf, wonach sich die USA und Iran später in dieser Woche in Islamabad treffen wollen (wie Axios unter Berufung auf einen israelischen Regierungsvertreter berichtet).

Mit anderen Worten: Der Markt spielt derzeit Washingtons „diplomatischen Optimismus“ durch, doch die Risiken einer weiteren Eskalation bleiben bestehen, falls sich die Gerüchte über Verhandlungen nicht bestätigen.

In einer derart unsicheren Lage erscheint es sinnvoll, bei USD/JPY eine abwartende Haltung einzunehmen – die Händler reagieren derzeit zu stark auf Signale von Eskalation bzw. Deeskalation, während sich das Kräfteverhältnis unter den aktuellen Umständen jederzeit in die eine oder andere Richtung verschieben kann.