Der US-Aktienmarkt lieferte ein echtes Drama. Zunächst fiel er, als Donald Trumps 48-stündiges Ultimatum an den Iran ablief. Dann stieg er aufgrund von Meldungen über eine fünftägige Waffenruhe, die angeblich aus Gesprächen zwischen Washington und Teheran hervorgegangen war. Gegen Ende der Sitzung gab der S&P 500 jedoch wieder nach, aus Sorge, dass es für das Weiße Haus nicht so einfach sein wird, diesen Krieg zu beenden wie frühere Konfrontationen.
Entwicklung der US-Aktienindizes
Der Markt erinnert sich deutlich an die Ereignisse vom April 2025. Die Verhängung der umfangreichsten US-Zölle seit den 1930er Jahren ließ den breiten Aktienindex ab dem Liberation Day of America um 12 % einbrechen. Dennoch legte der S&P 500 im weiteren Jahresverlauf um 37 % zu. Daraus entstand der sogenannte TACO-Trade, der für „Trump Always Chickens Out“ steht. Drakonische Importzölle wurden durch mehr oder weniger akzeptable Maßnahmen ersetzt, die globale Risikoaversion ließ nach, und US-Aktien legten eine Rally hin.
Vor diesem Hintergrund nahmen Investoren Teherans anfängliche Dementis jeglicher Gespräche nur mit einer gewissen Skepsis auf. Die Logik lautete: Gegner von Donald Trump im Handelskrieg leisteten zunächst ebenfalls Widerstand und sahen sich dann gezwungen, die Zölle zu schultern. Wenn selbst China dieses Schicksal widerfahren konnte – was sollte dann erst für Iran gelten?
Tatsächlich wird ein Land mit 92 Millionen Einwohnern sich keinem US-Präsidenten beugen. Die Zeit arbeitet für Teheran. Je länger sich der bewaffnete Konflikt hinzieht, desto höher wird der Brent-Preis steigen. Und umso schneller werden die Amerikaner zu Zugeständnissen gezwungen sein. Zudem fordert Iran Entschädigung für erlittene Verluste. Sind die Amerikaner dazu bereit? Wenn nicht, worüber soll dann überhaupt verhandelt werden?
Performance von S&P 500 und Russell 2000
Interessanterweise übertraf der Small-Cap-Index Russell 2000 den S&P 500 nach den Äußerungen von Donald Trump über einen Dialog mit Teheran. Er reagiert sensibler auf die wirtschaftliche Lage in den USA als seine Large-Cap-Pendants. Das deutet darauf hin, dass Anleger begonnen haben, eine Rezession in die Bewertungen von US-Aktien einzupreisen. Goldman Sachs schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Abschwungs innerhalb der nächsten 12 Monate inzwischen auf 30 % und nennt einen Ölpreisschock sowie verschärfte Finanzierungsbedingungen als wichtigste Treiber.
Tatsächlich stimmte der Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago, Austan Goolsbee, der Einschätzung des Terminmarktes zu, dass eine Anhebung des Federal-Funds-Satzes im Jahr 2026 möglich ist. Seinen Worten zufolge könnte sich die Lage in zwei Szenarien entwickeln: Entweder nimmt die Zentralbank einen Lockerungszyklus wieder auf, oder sie geht zu einer Straffung der Geldpolitik über. Alles werde von den Konjunkturdaten abhängen. Letzteres Szenario wäre für den S&P 500 äußerst ungünstig.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass der breite Aktienindex in einem fallenden Markt einen Pin Bar mit langem oberen Schatten ausbildet. Das signalisiert Schwäche auf Seiten der Bullen und liefert eine Grundlage, Short-Positionen im S&P 500 bei einem Bruch des Pin-Bar-Tiefs nahe 6.565 zu eröffnen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Pivot-Punkte bei 6.420 und 6.290 als Kursziele für Short-Einstiege zu verwenden.