Siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für ETH
Im Zustand der Ungewissheit verharrend, konsolidiert sich das ETH/USD‑Paar im Bereich von 2100,00–2160,00, während sich Bitcoin vor der Eröffnung der US‑Handelssitzung am Dienstag über der psychologischen Marke von 70000,00 hält. Der Markt – und der Kryptomarkt im Besonderen – befindet sich im Epizentrum eines Aufeinandertreffens entgegengesetzter Kräfte: Auf der einen Seite steht eine geopolitische Atempause, die vorübergehend Entlastung verschafft; auf der anderen Seite stehen besorgniserregende technische Signale, die auf das Risiko einer tiefen Korrektur hindeuten.
Aktuelle Lage: geopolitische Atempause ohne Klarheit
Am Montag kündigte der US-Präsident Donald Trump eine fünftägige Verschiebung von Angriffen auf die iranische Energieinfrastruktur an und bezeichnete die jüngsten Gespräche als sehr gut und produktiv. Diese Erklärung löste eine deutliche Schwächung des US-Dollars und einen kurzfristigen Anstieg der Kryptowährungen aus: Bitcoin überschritt 71.000,00 und Ether stieg über 2.180,00.
Die Euphorie erwies sich jedoch als nur von kurzer Dauer. Die iranische Agentur Fars News dementierte direkte Kontakte mit den USA und betonte die Bereitschaft zu Vergeltungsangriffen auf die Energieinfrastruktur der Länder am Persischen Golf. Saudi-Arabien und die VAE gewährten ihrerseits dem Pentagon Zugang zu ihren Militärbasen, was zu einer weiteren Eskalation beitragen könnte.
Das zentrale Problem – die Straße von Hormus, durch die rund 20 % der weltweiten Ölversorgung transportiert werden – bleibt faktisch blockiert. Ökonomen warnen, dass dies, falls die Situation sich in den kommenden Wochen und Monaten nicht entspannt, zu einem noch stärkeren negativen Schock für die Energiepreise und die Weltwirtschaft führen wird.
Institutionelle Nachfrage: Licht und Schatten
Aktuelle Daten zu ETF-Zuflüssen deuten auf einen Rückgang des institutionellen Appetits hin. Am 24. März verzeichnete BlackRock laut öffentlichen Quellen Abflüsse in Höhe von insgesamt 15,7 Millionen US-Dollar aus seinem Ethereum-ETF. Historisch korrelieren derartige Abflüsse mit Druck auf den ETH-Kurs und dienen häufig als Barometer für die Stimmung der Privatanleger.
Es gibt jedoch auch positive Signale. Die größten Ethereum-Inhaber, sogenannte Wale, sind erstmals seit mehreren Monaten wieder in der Gewinnzone – historisch ist dies ein starkes Vorzeichen für einen tragfähigen Bullenzyklus. So erwarb Bitmine Immersion Technologies, verbunden mit Fundstrat, zusätzlich 65.341 ETH für 141,8 Millionen US-Dollar und erhöhte seine Gesamtbestände damit auf 4,66 Millionen ETH im Wert von über 10 Milliarden US-Dollar.
Trotz der ETF-Abflüsse bleiben die fundamentalen Kennzahlen von Ethereum robust: Transaktionsvolumina und Gasgebühren deuten weiterhin auf eine rege Netzwerknutzung hin. Diese Divergenz zwischen On-Chain-Aktivität und Kursentwicklung geht häufig größeren Marktbewegungen voraus.
Der heutige Fear-&-Greed-Index des Kryptomarkts liegt mit 32 (von 100) weiterhin im Bereich „Angst“, während der übergeordnete Fear-&-Greed-Index der Anleger zwar auf 16 Punkte gestiegen ist, aber nach wie vor in der Zone „extreme Angst“ verbleibt.
Historische Daten von Glassnode zeigen, dass der Kauf von Bitcoin, wenn der Index unter 25 fällt, in 23 Fällen seit 2020 zu einer medianen 90-Tage-Rendite von etwa +38 % geführt hat.
Wie Chainalysis anmerkt, ist ein niedriger Fear-and-Greed-Index für sich genommen kein Kaufsignal, kann aber in Kombination mit starken On-Chain-Fundamentaldaten auf Anlagechancen mit hohem Potenzial hinweisen.
Fed-Faktor: restriktive Pause bleibt bestehen
Zusätzlichen Druck auf den Kryptomarkt übt der anhaltend straffere Kurs der Fed aus. In der vergangenen Woche beließ die Notenbank den Leitzins in der Spanne von 3,50–3,75 % und deutete an, angesichts der unsicheren Inflationsaussichten mittelfristig auf weitere Anpassungen zu verzichten. Eine längerfristige Beibehaltung hoher Zinsen bleibt ein negatives Signal für risikoreiche Anlagen.
Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, dass es nicht zu Zinssenkungen kommen wird, falls die Fortschritte im Kampf gegen die Inflation ins Stocken geraten, und dass steigende Ölpreise infolge des Kriegs im Iran die Inflation kurzfristig anheizen werden.
Dem CME FedWatch Tool zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen bis einschließlich Dezember auf dem aktuellen Niveau belässt, bei rund 70 %. Dies sorgt für eine fundamentale Unterstützung des US-Dollar.
Ein weiterer Faktor, der den Dollar stärkt, waren die jüngsten Daten zum US-Erzeugerpreisindex (PPI) für Februar, die deutlich über den Erwartungen lagen: Der Gesamt-PPI stieg im Monatsvergleich um 0,7 % (gegenüber einer Prognose von 0,3 %), und die Jahresrate beschleunigte sich auf 3,4 %. Dies verstärkte die Sorgen über eine anhaltend hohe Inflation, wie wir in unserem jüngsten Bericht „USD/CHF: Dollar versus ein „sicherer Hafen“ mit Unterstützung der Zentralbank“ hervorgehoben haben.
Kurzfristige technische Analyse
ETH/USD bewegt sich weiterhin innerhalb der übergeordneten Seitwärtsrange 2200,00 (EMA50 im Tageschart)–1935,00 (EMA200 im Monatschart).
Die technischen Indikatoren liefern kein einheitliches Signal:
· Der RSI(14) im Tageschart steht bei 52 und signalisiert die Möglichkeit einer anhaltenden Aufwärtskorrektur.
· Das OsMA-Histogramm ist in die Verkaufszone gewechselt.
· Der Stochastik-Indikator im Tageschart (bei 40) hat aus der Verkaufszone nach oben in Richtung Kaufbereich gedreht – ein potenzielles Kaufsignal. Ein Durchbruch nach oben durch die Marke von 50 wäre ein bestätigendes Signal für Käufer, sofern zusätzliche Bestätigungen vorliegen – der aktuelle Trend, weitere Indikatoren, fundamentale Faktoren usw.
Dennoch ist ein wichtiger Aspekt zu beachten: Die Kurse befinden sich weiterhin in einem langfristigen Abwärtstrend, und alle wichtigen gleitenden Durchschnitte (50-, 144- und 200-Perioden) im Tageschart zeigen nach unten. Das bestätigt die Fortdauer des mittelfristigen Abwärtstrends. Der aktuelle Zustand innerhalb eines Abwärtstrends erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung der negativen Dynamik.
Fazit
Die kurzfristige geopolitische Pause hat nur kurzzeitig Luft verschafft und es den Kryptopreisen ermöglicht, sich von ihren Tiefs zu lösen, doch die technische Struktur sendet Warnsignale. Die Frage sei nicht, ob das Tief unterschritten wird, sondern wann es unterschritten wird, so Experten des Kryptomarkts.
Noch ein wichtiger Punkt: Heute laufen Optionen auf BTC und ETH im Wert von mehr als 2,1 Mrd. USD aus, was zeitlich fast mit dem groß angelegten Triple Witching an der Wall Street zusammenfällt, dessen Volumen sich auf 5,7 Billionen USD beläuft.
Auch wenn solche Verfallstermine die Marktrichtung nicht direkt bestimmen, verstärken sie die bereits vorhandene Dynamik. In diesem Fall deutet die technische Struktur auf eine Abwärtsbewegung hin, die den Rückgang beschleunigen könnte.
Zur Einordnung: Das Triple Witching an der Wall Street (oder die Triple Witching Hour) bezeichnet die letzte Handelsstunde der Sitzung am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember, wenn die meisten Index-Futures, Index-Optionen und Single-Stock-Optionen auslaufen. An diesen Tagen steigen das Handelsvolumen und die Marktvolatilität typischerweise sprunghaft an.
Die Schlüsselzone 2200,00–1900,00 wird in den kommenden Tagen zur Arena der entscheidenden Auseinandersetzung. Ein Halten darüber würde die Chancen auf eine Erholung bis 2400,00 wahren, während ein Bruch darunter den Weg in den Bereich 1880,00–1800,00 und anschließend bis 1500,00 eröffnen würde.
Unabhängig vom Szenario wird die Volatilität hoch bleiben. Anleger sollten die Entwicklung der diplomatischen Kontakte rund um die Straße von Hormus sowie den Verfall großer Optionskontrakte am Dienstag genau verfolgen. Der Fear-and-Greed-Index bei 32 Punkten signalisiert vorherrschenden Pessimismus, doch historisch gehen solchen Niveaus häufig lokale Trendwenden voraus – ohne jedoch den Beginn eines nachhaltigen Bullenmarkts zu garantieren.