Nach einer neuntägigen Verlustserie verzeichneten Edelmetalle, insbesondere Gold, einen lang ersehnten leichten Anstieg. Diese Wende wird als Reaktion der Händler auf Signale gewertet, dass die Vereinigten Staaten zur Lösung der angespannten Lage im Nahen Osten möglicherweise einen diplomatischen Weg einschlagen könnten. Der Abbau geopolitischer Spannungen gilt traditionell als Faktor, der die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen unterstützt.
Der Goldpreis verzeichnete einen deutlichen Anstieg und überschritt die Marke von 4.600 US‑Dollar je Unze, was einem Plus von 2,8 % entspricht. Dieser Anstieg folgte auf die Rallye in der vorherigen Handelssitzung, in der das Edelmetall bereits 1,6 % zugelegt hatte. Ein solch zweitägiger positiver Trend deutet auf eine klare Veränderung der Marktstimmung hin: Befürchtungen einer Eskalation des Konflikts weichen einer vorsichtigen Zuversicht in diplomatische Bemühungen.
Diese Entwicklungen spiegeln ein klassisches Marktverhalten unter Unsicherheit wider. Steigen die geopolitischen Risiken, tendieren Anleger dazu, ihre Vermögenswerte in stabilere Anlageinstrumente wie Gold umzuschichten. Tauchen hingegen Hoffnungen auf Deeskalation und eine friedliche Lösung von Konflikten auf, kehrt die Risikobereitschaft zurück. Dies führt zu Kapitalabflüssen aus sicheren Häfen und zu Kurssteigerungen an den Aktienmärkten. In diesem Fall scheinen die diplomatischen Signale aus den USA ausgereicht zu haben, um diesen Übergang auszulösen.
Zur Untermauerung dieser Entwicklung haben die USA einen 15‑Punkte‑Plan vorgelegt, der dazu beitragen soll, den Krieg mit Iran zu beenden, während China zu Verhandlungen mit Teheran aufgerufen hat. Mehrere Medien berichten, dass Washington und regionale Vermittler die Möglichkeit von Verhandlungen auf hoher Ebene bereits an diesem Donnerstag ausloten.
Kurzfristig bleibt Gold jedoch anfällig für Erwartungen in Bezug auf den weiteren Kurs der Geldpolitik der Federal Reserve, die Entwicklung des US‑Dollars und geopolitische Ereignisse.
Was das aktuelle technische Bild für Gold angeht, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.591 $ zurückerobern. Dadurch würde sich ein Ziel bei 4.647 $ ergeben, oberhalb dessen ein weiterer Ausbruch recht schwierig werden dürfte. Das weiter entfernte Ziel liegt bei rund 4.708 $. Sollte der Goldpreis fallen, werden die Bären versuchen, bei 4.531 $ die Kontrolle zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Durchbruch dieser Spanne den Long-Positionen einen schweren Schlag versetzen und Gold bis auf 4.481 $ drücken können, mit einem möglichen weiteren Rückgang bis auf 4.432 $.