Siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für EUR/GBP
In den frühen Stunden der US-Handelssitzung am Donnerstag konsolidiert sich EUR/GBP im Bereich von 0,8649 (EMA200 im 1-Stunden-Chart)–0,8646 (EMA50 im Wochenchart). Dies spiegelt die Unsicherheit angesichts der Eskalation im Nahen Osten und der auseinanderlaufenden geldpolitischen Erwartungen an die beiden größten Zentralbanken Europas wider. Die Gemeinschaftswährung zeigt sich relativ robust und erhält Unterstützung durch falkenhafte Signale der EZB, während das Pfund weiterhin unter stagflationären Risiken und politischer Instabilität leidet.
Aktuelle Lage: diplomatischer Stillstand
Die Hoffnungen auf eine Deeskalation, die sich zu Wochenbeginn nach Berichten über einen 15-Punkte-Friedensplan der USA abgezeichnet hatten, waren bis Donnerstag verflogen. Iran wies den amerikanischen Vorschlag offiziell zurück, schloss direkte Gespräche mit Washington aus und formulierte eigene Bedingungen, darunter die souveräne Kontrolle über die Straße von Hormus (siehe unsere heutige Analyse „XAG/USD (SILVER): structural deficit versus a hawkish dollar“).
Medien bestätigen, dass Teheran erklärt hat, Iran werde weder einer Waffenruhe zustimmen noch Verhandlungen mit den Verletzern aufnehmen.
Daraufhin drohte Präsident Trump mit härteren Schlägen, und die militärischen Spannungen nehmen weiter zu. Die USA und Israel fliegen Angriffe, iranische Streitkräfte feuern Raketen auf Israel sowie auf Militärbasen in Kuwait, Jordanien und Bahrain, und die Straße von Hormus ist faktisch bereits die vierte Woche blockiert. Vor diesem Hintergrund wird der US?Dollar gestützt, während beide europäischen Währungen unter indirektem Druck stehen und die Risikoaversion zunimmt.
Monetäre Divergenz: falkenhafte EZB vs. stagflationäre BoE
Ein Schlüsselfaktor, der den Euro stützt, ist der entschlossene Kurs der EZB?Führung. Auf der Konferenz „ECB and Its Watchers“ in Frankfurt erklärte Präsidentin Christine Lagarde, die Zentralbank sei bereit, „auf jeder Sitzung“ zu handeln, und das Bekenntnis zur Erreichung einer Inflation von 2 % sei „unbedingt“. Chefvolkswirt Philip Lane betonte, dass die EZB gezwungen sein könnte, die Zinsen „eher früher als später“ anzuheben, falls sich die eingehenden Umfragedaten als besorgniserregend erweisen.
Ratsmitglied Joachim Nagel wies ausdrücklich darauf hin, dass eine Zinserhöhung im April bei der nächsten Sitzung eine Option wäre, sollten sich die Risiken einer Inflationsbeschleunigung materialisieren. Die Marktbewertung preist bereits rund 16 Basispunkte Straffung im April und fast 65 Basispunkte kumulative Straffung bis Ende 2026 ein.
Damit signalisiert die EZB einen deutlich strafferen Kurs als in früheren Energiekrisen, was den Euro robuster macht.
Die Lage der Bank of England stellt sich deutlich komplexer dar. Die am Mittwoch veröffentlichten Inflationsdaten für Februar zeigten eine Gesamtinflation (CPI) von 3,0 % im Jahresvergleich, während die Kerninflation auf 3,2 % anzog. Diese Werte spiegeln jedoch nicht den Energieschub im März wider.
Vizegouverneurin Sarah Breeden warnte, der aktuelle Energieschock unterscheide sich „deutlich vom letzten Energieschock im Jahr 2022“ und die Geldpolitik müsse stabil bleiben, bis die Notenbank genügend Informationen über Ausmaß und Dauer des Schocks habe.
Im Unterschied zur EZB sieht sich die BoE mit einer fragileren Wirtschaft konfrontiert. Das britische Haushaltsdefizit belief sich im Februar auf 14,3 Mrd. £ – der zweithöchste Wert seit der Covid?19?Pandemie – und die Staatsverschuldung verharrt bei rund 93,1 % des BIP, dem höchsten Niveau seit Anfang der 1960er Jahre. Dies erhöht die Zinsanfälligkeit der Wirtschaft und begrenzt den Handlungsspielraum der Notenbank.
Konjunkturdaten: britische Verwundbarkeit und Eurozone am Rande der Rezession
Jüngste Umfragen zeigen, dass die Inflationserwartungen im Vereinigten Königreich von 3,3 % auf 5,4 % gestiegen sind – ein 20?Jahres?Hoch. Dies erhöht das Risiko von Zweitrundeneffekten über Lohnindexierungen, was die BoE zu einem aggressiveren Vorgehen zwingen könnte, selbst auf Kosten eines geringeren Wachstums.
Der Einzelhandel schwächte sich im Februar bereits auf 3,6 % im Jahresvergleich (nach zuvor 3,8 %) ab, verfehlte die Prognosen und signalisiert eine nachlassende Konsumdynamik.
Auch in der Eurozone geben die Daten Anlass zur Sorge. Das GfK?Verbrauchervertrauen in Deutschland fiel im April auf -28 – den schwächsten Wert seit mehr als zwei Jahren. IFO?Präsident Clemens Fuest stellte fest, dass die Krise im Nahen Osten „die Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft faktisch ausgelöscht“ habe. Dennoch wertet der Markt diese Daten als Argument für eine beschleunigte Straffung durch die EZB, um der importierten Inflation entgegenzuwirken.
Fazit
EUR/GBP steht im Zentrum einer fundamentalen Divergenz. Die EZB zeigt Bereitschaft zu einem präventiven Straffungskurs, betrachtet eine Zinserhöhung im April als reale Option und betont ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Preisstabilität. Die Bank of England hingegen sieht sich einem klassischen Stagflationsdilemma gegenüber: Die Inflationserwartungen sind auf ein 20-jähriges Hoch gestiegen, doch die Wirtschaft ist zu fragil für aggressive Zinserhöhungen.
Die Schlüsselsupportzone bei 0,8600–0,8660 wird in den kommenden Tagen zum Schauplatz der entscheidenden Auseinandersetzung. Ein Halten oberhalb dieser Zone erhält die Chancen auf einen Anstieg in den Bereich von 0,8700–0,8750, während ein Bruch nach unten den Fokus wieder auf die Tiefstände vom März lenken würde.
Mehr dazu unter: EUR/GBP — Bewegungsszenarien am 26.03.2026
Unabhängig vom Szenario dürfte die Volatilität hoch bleiben. Anleger sollten die Entwicklung der diplomatischen Kontakte in der Region der Straße von Hormus und, noch wichtiger, die Rhetorik der EZB- und Bank of England-Verantwortlichen im Vorfeld ihrer April-Sitzungen genau verfolgen. Erfolg werden diejenigen haben, die die Entschlossenheit der EZB im Kampf gegen die Inflation gegenüber der zunehmenden stagflationären Anfälligkeit der britischen Wirtschaft vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Unsicherheit richtig abwägen können.