Der Dollar sollte nicht unterschätzt werden

Ohne den Konflikt im Nahen Osten würde die Weltwirtschaft dank Investitionen in künstliche Intelligenz, geringerer Zollbelastungen sowie umfangreicher fiskal- und geldpolitischer Stimuli in eine Phase raschen Wachstums eintreten. Die OECD war im Begriff, ihre globale BIP-Prognose für 2026 von 2,6 % auf 2,9 % anzuheben. Stattdessen beließ sie jedoch ihre bisherige Prognose unverändert und erhöhte deutlich ihre Inflationsschätzungen.

Der US‑Dollar ist die Währung der Pessimisten, während der Euro die Optimisten repräsentiert. Die düsteren Nachrichten der in Paris ansässigen Organisation wurden somit zu einem der Faktoren, die zum Rückgang von EUR/USD beitrugen. Zudem hob die OECD ihre Inflationsprognose für die USA um 1,2 Prozentpunkte an, für Europa hingegen nur um 0,7 Prozentpunkte. Theoretisch bedeutet dies, dass die Fed im Kampf gegen die hohen Preise aggressiver vorgehen muss als die EZB.

OECD-Inflationsprognosen

Das bedeutet, dass die Markterwartungen, wonach die Federal Reserve ihre Pause bei der geldpolitischen Lockerung bis zum Jahresende verlängern wird, während die Europäische Zentralbank 2–3 Schritte der geldpolitischen Straffung vollzieht, nicht zutreffen. Anleger sollten diese Erwartungen neu bewerten. Der US‑Dollar dürfte davon profitieren.

Unterstützung für den Dollar kommt weiterhin von geopolitischen Faktoren und den Ölpreisen. Donald Trump erklärte, es sei an der Zeit, dass Iran die Lage ernst nehme. Falls nicht, werde es kein Zurück mehr geben. Es sei Zeit zu verhandeln. Andernfalls droht das Weiße Haus damit, das Land von der Landkarte zu tilgen. Es werden verstärkte Bombardierungen und sogar eine Bodenoffensive erwartet. Unterdessen setzt Israel die Ausschaltung zentraler Oppositionsfiguren fort, darunter auch jener, die für die Blockade der Straße von Hormus verantwortlich sind.

Je länger der Konflikt im Nahen Osten andauert, desto stärker wird die deutsche Wirtschaft leiden. Die Regierung hat ihre Prognose für das BIP‑Wachstum 2026 von 1 % auf 0,5 % nach unten korrigiert, ausgehend von der Annahme, dass die Kampfhandlungen über einen längeren Zeitraum anhalten und die Ölpreise weiter steigen werden. Sollte sich Brent auf dem derzeitigen Niveau einpendeln, könnte das BIP um 0,6–0,7 % wachsen.

Wirtschaftsprognosen für Deutschland

In dieser Situation wirken die Forderungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Bundesbank-Präsident Joachim Nagel nach Zinserhöhungen riskant. Kann die Wirtschaft der Eurozone höhere Finanzierungskosten verkraften? Daran habe ich Zweifel.

Die Märkte unterschätzen ganz offensichtlich die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve. Steigt die Inflation um 1,2 Prozentpunkte gegenüber dem aktuellen Niveau von 2,5–2,7 %, wird die Zentralbank die Alarmglocken läuten lassen müssen, Trumps Forderungen ignorieren und die Geldpolitik straffen. Der US-Dollar, der bereits als sicherer Hafen gilt, erhält damit einen neuen Vorteil. Infolgedessen dürfte der Rückgang des wichtigsten Währungspaares mit neuer Dynamik wieder einsetzen.

Aus technischer Sicht ist auf dem Tageschart von EUR/USD die Unfähigkeit der Bullen, die Kurse oberhalb des fairen Werts bei 1,1590 zu halten, ein Zeichen ihrer Schwäche. Eine Konsolidierung unterhalb des Pivot-Levels bei 1,1540 erhöht das Risiko einer Fortsetzung des Rückgangs in Richtung 1,1495 und 1,1440. In dieser Situation erscheint es sinnvoll, an der bisherigen Verkaufsstrategie festzuhalten.