Die Wellenstruktur im 4‑Stunden‑Chart für EUR/USD hat sich verändert. Vom Abbruch des seit Januar vergangenen Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar noch keine Rede sein, allerdings wirkt die Wellenstruktur dieses Trends inzwischen sehr uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich stets, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um eine kurzfristige Prognose zu erstellen – und diese reicht für das Eröffnen von Trades in der Regel völlig aus. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und viele unterschiedliche Szenarien zulassen. Am einfachsten lässt sich auf Grundlage des klassischen „Fünf-Drei“-Musters handeln.
Im obigen Chart kann ich eine klassische fünfteilige Impulswelle mit einer Extension in der dritten Welle erkennen. Wenn dies tatsächlich der Fall ist, ist die Ausbildung dieser Struktur abgeschlossen, und wir sollten nun ein korrektives Muster mit mindestens drei Wellen erwarten. In naher Zukunft ist daher mit einem Anstieg der Notierungen des Währungspaares zu rechnen, allerdings nur im Rahmen einer Korrektur relativ zum jüngsten Trendsegment. Die jüngsten Wellenstrukturen fügen sich bislang nicht besonders gut in die Zählung der höheren Ebene ein, doch sollte sich das Bild mit der Zeit klären. Kurzfristig ist eine Erholung des Euro in Richtung der Niveaus von 1,1666 und 1,1745 zu erwarten.
Das Währungspaar EUR/USD hat am Donnerstag um weitere 20–30 Basispunkte nachgegeben, und aus Wellensicht gehören alle Bewegungen der vergangenen Woche zu einer Aufwärtswellenstruktur, die derzeit noch nicht abgeschlossen zu sein scheint. Mir ist bewusst, dass das Schicksal von EUR/USD im Moment vollständig vom geopolitischen Hintergrund abhängt, aber ich möchte die Wellenanalyse dennoch nicht außer Acht lassen. Ich möchte lediglich daran erinnern, dass die Geopolitik aktuell wichtiger und einflussreicher ist als Wellenmuster. Sollten daher Meldungen über neue militärische Aktionen im Nahen Osten auftauchen, kann selbst eine aufwärtsgerichtete Korrekturstruktur durchbrochen werden.
Gestern fand der erste Auftritt von EZB‑Präsidentin Christine Lagarde seit der letzten Sitzung der europäischen Notenbank statt. In ihrer Rede bekräftigte Frau Lagarde erneut das Bekenntnis der Zentralbank der Eurozone, die Inflation langfristig auf 2 % zu senken. Ihren Ausführungen zufolge ist die EZB jedoch nicht bereit, blind oder im Voraus zu handeln. Anders ausgedrückt: Sollte sich der Verbraucherpreisindex in der Eurozone deutlich beschleunigen, wäre eine Straffung der Geldpolitik angebracht, und ein solcher Schritt würde wahrscheinlich von der Mehrheit der EZB‑Entscheidungsträger unterstützt. Ohne klare Hinweise darauf, dass die Inflation außer Kontrolle gerät, ist die Notenbank jedoch nicht bereit, die Zinsen zu erhöhen, wie viele nach der EZB‑Sitzung in der vergangenen Woche angenommen hatten.
Auf dieser Basis werden Inflationsdaten in Europa, Großbritannien und den USA in den kommenden ein bis zwei Monaten von vorrangiger Bedeutung sein. Die Zentralbanken werden ihre geldpolitischen Entscheidungen auf diese Berichte stützen. Derzeit wird allgemein davon ausgegangen, dass die EZB und die Bank of England die Zinsen in diesem Jahr anheben werden, während das Federal Reserve System dies nicht tun wird. Ich möchte jedoch betonen: Auch Zinserhöhungen durch die EZB und die Bank of England sind nicht garantiert.
Auf Grundlage der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass sich das Paar weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet, während es kurzfristig eine abwärtsgerichtete Wellenstruktur abgeschlossen hat. Da die fünfteilige Impulsstruktur abgeschlossen ist, können Leser in den kommenden ein bis zwei Wochen mit einem Anstieg der Notierungen rechnen, mit Zielzonen um 1,1666 und 1,1745, die den Fibonacci‑Niveaus von 38,2 % bzw. 50,0 % entsprechen. Die weitere Entwicklung des Paares wird vollständig von der Lage im Nahen Osten abhängen.
In einem kleineren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht vollständig standardisiert, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren. So ist beispielsweise die Welle 2 auf höherer Ebene kleiner als die interne Welle 2 innerhalb von Welle 3. Dennoch ist ein solches Verhalten möglich. Ich möchte daran erinnern, dass es am sinnvollsten ist, im Chart klare und nachvollziehbare Strukturen zu identifizieren, statt sich zwanghaft an jeder einzelnen Welle festzuhalten. Der Trend kann sich in naher Zukunft umkehren.
Wichtige Grundsätze meiner Analyse:
Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und ändern sich häufig.Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt geschieht, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.Es gibt niemals 100 %ige Sicherheit über die Marktrichtung. Denken Sie immer daran, schützende Stop‑Loss‑Orders zu verwenden.Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.