Am Montag erreichte das Währungspaar USD/JPY mit 160,47 seinen höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Anschließend drehte der Kurs jedoch und fiel innerhalb weniger Stunden um fast 100 Punkte. Derzeit überwiegt beim Paar eine bärische Stimmung, obwohl sich der US‑Dollar insgesamt stärkt. Der Dollarindex ist in Reaktion auf kriegerische Äußerungen von Donald Trump, der seine früheren Kommentare über die Möglichkeit, dass die USA „in den kommenden Tagen“ eine Einigung mit dem Iran erzielen könnten, später wieder relativierte, auf das Niveau von 100 zurückgekehrt.
Trotz der allgemeinen Aufwertung des Greenback fällt das Währungspaar USD/JPY und spiegelt damit eine breitere Stärke des Yen wider. Unterstützung erhält der Yen zudem durch den stellvertretenden Finanzminister für internationale Angelegenheiten, Atsushi Mimura, der die Möglichkeit von Währungsinterventionen ins Spiel brachte.
Im Allgemeinen erscheint vor dem Hintergrund der Lage am Devisenmarkt eine derartige Reaktion des japanischen Finanzministeriums logisch. Offiziell haben die japanischen Behörden nie die Existenz einer „roten Linie“ für das Währungspaar USD/JPY bestätigt. Die historische Erfahrung zeigt jedoch, dass die Marke von „160“ eine Art Auslöser darstellt – eine entscheidende psychologische und technische Schwelle. Man könnte sagen, dass in diesem Kursbereich die Geduld der japanischen Zentralbank erschöpft ist. Eine Rückkehr zu dieser Marke aktiviert automatisch Schutzalgorithmen und schürt die Erwartung scharfer Gegenmaßnahmen aus Tokio.
Genau das ist erneut geschehen: Am Freitag hat das Währungspaar USD/JPY die Marke von 160,00 nach oben durchbrochen, während Mimura am Montag seine Besorgnis über den Anstieg der spekulativen Aktivität äußerte. Seinen Worten zufolge wird es, falls sich diese Tendenzen fortsetzen (also falls der Yen weiter abwertet), einen „objektiven Bedarf geben, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen“. Der Markt deutete diese Äußerungen recht eindeutig – nämlich als Warnung vor einer bevorstehenden Währungsintervention. Zudem hatten Vertreter der japanischen Regierung bereits in der vergangenen Woche signalisiert, dass sie eine Stützung der Landeswährung in Erwägung ziehen, einschließlich direkter Eingriffe am Ölmarkt. Das bedeutet, dass die japanischen Behörden die Möglichkeit eines indirekten Einflusses auf den Yen-Kurs über den Ölmarkt zulassen. Tokio greift bereits aktiv auf seine strategischen Ölreserven zurück und erwägt nun den Verkauf von Öl-Futures, um die Landeswährung zu unterstützen.
Es ist zu betonen, dass es sich dabei nicht um ein fundamentales Instrument der Einflussnahme handelt, sondern vielmehr um ein experimentelles (und noch nicht realisiertes): Durch eine Senkung der Energiepreise hoffen die japanischen Behörden, die Dollarnachfrage im Inland zu verringern und damit den Yen-Verfall zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.
Der Markt steht der voraussichtlichen Wirksamkeit eines solchen „Experiments“ jedoch skeptisch gegenüber. Analysten zufolge wird die Wirkung nur vorübergehend und begrenzt sein. Erstens wird Japan allein den Ölmarkt nicht in nennenswertem Umfang beeinflussen können. Zweitens werden Importeure ihre Währungsrisiken weiterhin im Voraus absichern. Drittens wird die Nachfrage nach dem Greenback nicht unmittelbar zurückgehen – globale Kapitalströme (Carry-Trade, US-Renditen) bleiben der dominante Faktor. All dies spricht dafür, dass der Effekt einer indirekten Unterstützung des schwachen Yen über direkte Interventionen am Ölmarkt entweder schwach oder zeitlich verzögert ausfallen wird.
Dennoch wertete der Yen am Montag auf und setzte das Währungspaar USD/JPY stark unter Druck. Unabhängig von den „Experimenten“ bleibt der Hauptfokus der japanischen Behörden nach wie vor auf Währungsinterventionen gerichtet. Gleichzeitig haben sich die Interventionsrisiken deutlich erhöht, nachdem die Käufer des Paares in der vergangenen Woche die Zielmarke von 160,00 souverän überwunden haben. Dies ist das Kursniveau, ab dem ein schwacher Yen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das politische Rating der Regierung belastet (trotz der jüngsten „Begrüßung“ eines schwächeren Yen durch Premierministerin Sanae Takachi).
In den vergangenen vier Jahren haben das japanische Finanzministerium und die Bank of Japan bereits mehrfach interveniert – so wurde im Jahr 2024 die Marke von 160,00 zur „roten Linie“, nach deren Überschreiten die Behörden von Worten zu Taten übergingen. Seither hat jede Annäherung an dieses Niveau Folgen. So notierte das Währungspaar USD/JPY im Januar 2025 und im Januar des Vorjahres in der Nähe der Marke von 159, woraufhin Vertreter des Finanzministeriums begannen, über die Aussichten „angemessener Entscheidungen“ zu sprechen. Vor dem Hintergrund solcher Rhetorik tauchten am Markt Gerüchte über eine bevorstehende Währungsintervention auf, woraufhin der Kurs nach unten drehte und in der Folge um mehrere Figuren fiel.
Werden verbale Signale beziehungsweise Gerüchte auch dieses Mal Wirkung zeigen? Diese Frage ist offen. Sollten die Käufer des USD/JPY nach dem Rückgang am Montag erneut die Initiative ergreifen, könnten die japanischen Behörden ihre Drohungen tatsächlich wahrmachen und zu einer Intervention greifen.
Welche Handelsstrategie ist unter den aktuellen Bedingungen sinnvoll? Meiner Ansicht nach sind Short-Positionen im Währungspaar USD/JPY derzeit mit einem hohen Risiko behaftet. Trotz des Abwärtsimpulses haben sich die Verkäufer nicht einmal dem Unterstützungsniveau von 159,00 genähert (der Untergrenze der Bollinger-Bänder auf dem Vier-Stunden-Chart). Trumps kämpferische Aussagen, die USA könnten das „Energiesystem Irans zerstören“, falls Teheran die Straße von Hormus nicht freigebe, haben die Nachfrage nach dem sicheren Dollar erhöht. Das Währungspaar USD/JPY begann sich allmählich von den erreichten Tiefs zu lösen.
Dennoch bleibt der Verkauf des Paares vorrangig – allerdings nicht auf den aktuellen Kursniveaus, sondern im Bereich von 160,00 (und darüber). Diese Zielmarke stellt nach wie vor den letzten Schutzwall dar; ein Bruch erhöht das Risiko von Interventionen seitens der japanischen Behörden deutlich.