D. Trump verspricht erneut ein rasches Ende des Krieges, selbst wenn die Straße von Hormus unter Irans Kontrolle bleibt. Sollte man diesen Aussagen Glauben schenken, oder handelt es sich nur um ein Taktieren in einer Zugzwang-Situation auf dem Weg zur Unvermeidbarkeit einer Bodenoffensive, für die die USA de facto bereits nahezu bereit sind?
Der amerikanische Präsident bleibt der wichtigste Newsmaker der Welt, dessen Äußerungen nicht nur die Eskalation des Krieges im Nahen Osten anheizen, sondern ohne Ausnahme auch die Dynamik sämtlicher Finanzmärkte beeinflussen.
So erklärte er gestern, er sei bereit, den Krieg zu beenden, selbst wenn die Kontrolle über die Straße von Hormus bei Teheran verbleibe. Diese Nachricht veranlasste Spekulanten dazu, lokal Gewinne bei Öl-Futures, beim Dollar und vor allem am amerikanischen Aktienmarkt mitzunehmen. Doch die Realität setzt sich erneut durch. Der militärische Aufmarsch rund um den Golf geht weiter, was eindeutig auf die reale Möglichkeit eines Beginns militärischer Operationen hinweist. Die Frage ist natürlich, in welcher Form und wo genau sie stattfinden werden.
Den Marktteilnehmern ist die Ausweglosigkeit dieser Situation bewusst, ebenso der amerikanische Mentalitätszug, immer und überall gewinnen zu wollen, wie auch die Psychologie des Präsidenten selbst, der in den USA bisweilen als Lügner bezeichnet wird.
Natürlich wirkt sich der Faktor der Unsicherheit auf die Märkte aus und wird zu einer extrem hohen Volatilität beitragen. Sollten die Amerikaner jedoch eine militärische Operation beginnen, ist mit einem kräftigen Anstieg der Preise für Öl und Gold zu rechnen. Auch der Dollar könnte in einem solchen Umfeld Unterstützung erfahren, getragen von Käufen US-amerikanischer Staatsanleihen. Vorerst dürfte allerdings eher eine Phase der Konsolidierung zu beobachten sein.
Was die Perspektiven für den US-Dollar betrifft, könnten die in dieser Woche anstehenden Arbeitsmarktdaten eine wichtige Rolle spielen – zunächst morgen der Bericht von ADP und dann am Freitag die Veröffentlichung des Arbeitsministeriums. Es wird erwartet, dass die Daten erneut ein wenig schmeichelhaftes Bild zeichnen, was unter anderen Umständen ein wichtiges Signal für die Wiederaufnahme von Zinssenkungen zur Stimulierung der US-Wirtschaft wäre.
Ein weiteres wichtiges Signal für die Märkte war die gestrige Erklärung von Fed-Chef J. Powell, wonach die längerfristigen Inflationserwartungen unter Kontrolle zu sein scheinen, obwohl der kriegsbedingte Anstieg der Ölpreise inflationsfördernden Druck erzeugt – auch mit Blick auf die Zinsperspektiven. Die „Wait-and-see“-Politik der Notenbank sei gerechtfertigt gewesen.
Dies ist eine wichtige Aussage, die die Grundlage für äußerst vorsichtiges Handeln der Marktteilnehmer bilden wird. Derzeit gehen die Märkte davon aus, dass die Inflation in diesem Monat deutlich nach oben ausschlagen könnte. Sollte sich jedoch ein anderes Bild ergeben als erwartet, würde sich die Aussicht auf eine Zinssenkung noch in diesem Jahr weiter verbessern. Diese Perspektive könnte sich bereits jetzt negativ auf den Dollar auswirken und ihn trotz der Krise im Nahen Osten schwächen.
Was ist heute am Markt zu erwarten?
Ich gehe davon aus, dass die Marktaktivität allmählich nachlassen wird – vor dem Hintergrund der beiden wichtigsten Faktoren: des Risikos eines Beginns einer US-Bodenoffensive und der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten.
Tagesprognose:
#CL
Der Preis für die US-Rohölsorte notiert über der Unterstützung bei 101,00. Eine Eskalation der Krise im Nahen Osten könnte zu einem lokalen Preissprung auf 120,00 US-Dollar pro Barrel führen. Ein Einstiegsniveau für Käufe könnte bei 104,00 liegen.
GOLD
Spot-Gold wird unter dem Niveau von 4.602,00 gehandelt. Eine Eskalation der Krise könnte die Goldnachfrage erneut unterstützen, sodass der Preis in der Folge bis auf 4.850,00 steigen könnte. Ein mögliches Einstiegsniveau für Käufe liegt bei 4.631,65.