Das Währungspaar GBP/USD drehte zugunsten des Pfunds und begann eine recht starke Aufwärtsbewegung. Inzwischen wurde die „bärische“ Imbalance 17 erreicht, von der aus Händler eine Reaktion und ein Verkaufssignal erwarten könnten. Allerdings hat sich, wie ich bereits in der EUR/USD-Analyse angemerkt habe, die geopolitische Lage in den vergangenen zwei Tagen scharf gegen den US-Dollar gewendet. Daher könnten die Bullen ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen, sofern heute oder morgen keine Nachrichten erscheinen, die auf eine erneute Eskalation im Nahen Osten hindeuten. Zudem wäre bereits die Aufhebung der Imbalance 17 an sich eine Art bullisches Signal.
Der Fairness halber sei angemerkt, dass die Hoffnungen auf Frieden im Iran weiterhin recht fragil sind. Bisher liegen lediglich erklärte Absichten der Präsidenten der USA und des Iran vor, den Krieg zu beenden. Die Parteien müssen sich jedoch noch auf die Bedingungen eines Waffenstillstands einigen. Zur Erinnerung: Bereits vor einem Monat fanden Verhandlungen zwischen Teheran und Washington statt. Damals forderte Donald Trump, dass Iran sämtliche nuklearen Entwicklungen und Waffen aufgibt. Iran wies diese Bedingungen zurück, und die Welt erlebte einen einmonatigen Krieg. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Teheran nun Zugeständnisse an die Vereinigten Staaten macht?
Washington zeigt tatsächlich den Willen, den Krieg zu beenden – allerdings zu seinen eigenen Bedingungen. Iran wiederum ist bereit, ihn zu seinen eigenen Bedingungen zu beenden. Wie unterschiedlich diese Bedingungen sind, wurde bereits vor einem Monat deutlich. Entsprechend reagieren Trader derzeit auf eine Verbesserung des geopolitischen Umfelds, doch für ein weiteres Wachstum müssen klare Signale eines tatsächlichen Kriegsendes erkennbar werden.
Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Rückgangs bei beiden Paaren bleibt recht hoch, und alle aktuellen Diskussionen über einen möglichen bullischen Vorstoß sind bislang lediglich Annahmen ohne Bestätigung oder belastbare Fakten. Bereits heute könnte der Kurs auf das „bärische“ Imbalance 17 reagieren, und die Bären könnten ihre Attacke wieder aufnehmen. Gleichzeitig ist es wichtig, ein bedeutendes und eher seltenes Muster hervorzuheben – das „Three Drives Pattern“, das im Chart mit einem Dreieck markiert ist. Es besteht aus drei aufeinanderfolgenden Swings, von denen jeder geringfügig höher oder niedriger als der vorherige liegt. Dieses Muster signalisiert (in diesem Fall) den Abschluss eines bärischen Impulses. Aus technischer Sicht besteht daher eine realistische Chance auf einen bullischen Vorstoß.
In dieser Woche könnte sich ein „bullisches“ Imbalance ausbilden, falls das Pfund das am Dienstag oder Mittwoch gezeigte Wachstumstempo beibehält. Solange der bullische Trend intakt bleibt (oberhalb der Marke von 1,3012), würde ich den Fokus eher auf bullische Signale legen. Derzeit gibt es jedoch weder bullische Muster noch Signale, und die Geopolitik kann sich jederzeit wieder zugunsten der Bären drehen.
Der Nachrichtenhintergrund am Mittwoch unterstützte die Bullen nicht, doch die Geopolitik kam ihnen unerwartet zu Hilfe. Trader kamen zu dem Schluss, dass die Geopolitik weiterhin wichtiger ist als Konjunkturdaten, sodass die US-Berichte zu ADP und Einzelhandelsumsätzen weitgehend ignoriert wurden.
In den Vereinigten Staaten ist der übergeordnete Nachrichtenhintergrund nach wie vor so, dass langfristig vom Dollar kaum etwas anderes als ein Rückgang zu erwarten ist. Selbst der Krieg zwischen Iran und den USA ändert daran wenig. Die Situation für den Dollar bleibt langfristig recht schwierig und nur kurzfristig günstig. Der Arbeitsmarkt steht weiter unter Druck, die Wirtschaft nähert sich zunehmend einer Rezession, und die Federal Reserve beabsichtigt – anders als die EZB und die Bank of England – nicht, die Geldpolitik im Jahr 2026 zu straffen. Am vergangenen Wochenende fand in den gesamten Vereinigten Staaten bereits der vierte groß angelegte Protest gegen Donald Trump statt. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es derzeit keine soliden Gründe für ein nachhaltiges Dollarwachstum.
Für einen anhaltenden bärischen Trend wäre ein starker und stabil positiver Nachrichtenhintergrund für den Dollar erforderlich, was unter Donald Trump schwer vorstellbar ist. Der Dollar erhält nun bereits seit über einem Monat Unterstützung durch die Geopolitik, doch diese Stütze wird früher oder später nachlassen. Wann genau das geschieht, ist unklar. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass die US-Währung sich noch eine Woche, einen Monat oder sogar mehrere Monate weiter aufwerten könnte.
Wirtschaftskalender für die USA und das Vereinigte Königreich:
USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC)
Am 2. April enthält der Wirtschaftskalender nur einen Termin, der nicht von besonderer Bedeutung ist. Der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung dürfte am Donnerstag gering oder gar nicht spürbar sein.
GBP/USD-Prognose und Handlungsempfehlungen für Trader:
Für das Pfund bleibt das langfristige Bild bullisch, doch aktuell liegen keine aktiven bullischen Muster vor. Der jüngste starke Rückgang des Paares in den vergangenen Wochen war weitgehend auf eine unglückliche Kombination von Umständen zurückzuführen. Hätte Donald Trump den Konflikt im Nahen Osten nicht angeheizt, hätten wir vermutlich keinen derart kräftigen Anstieg des Dollars gesehen. Ich gehe davon aus, dass dieser Rückgang ebenso unerwartet enden könnte, wie er begonnen hat. Im Moment kann die bärische Phase jedoch noch nicht als abgeschlossen gelten.
Kurzfristig können Trader nur auf Signale innerhalb des „bärischen“ Imbalance 17 zurückgreifen. Sollten sich Verkaufssignale bilden, könnten Verkäufe des Pfunds mit Kurszielen im Bereich von 1,3000 in Betracht gezogen werden. Andernfalls werde ich auf die Ausbildung bullischer Muster, Signale und eine Wiederaufnahme des bullischen Trends warten.