Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen Rückgang am gesamten Donnerstag fort, ein Prozess, der bereits in der Nacht begonnen hatte. Eine Konsolidierung des Kurses unterhalb des Korrekturlevels von 100,0 % bei 1,1577 ermöglicht es den Händlern, mit einer Fortsetzung des Rückgangs in Richtung des nächsten Korrekturlevels von 127,2 % bei 1,1440 zu rechnen. Eine Konsolidierung der Notierungen oberhalb der Marke von 1,1577 würde den Euro begünstigen und einen erneuten Anstieg in Richtung des Fibonacci-Levels von 76,4 % bei 1,1696 unterstützen.
Die Wellensituation im Stundenchart wird zunehmend komplex. Alle jüngsten Wellen haben sich in etwa in derselben Preisspanne und mit annähernd gleicher Größe gebildet. Am logischsten wäre daher die Schlussfolgerung, dass sich der Markt in einem Seitwärtstrend befindet. Meiner Ansicht nach liegt jedoch überhaupt kein klassischer Seitwärtstrend vor. Vielmehr handelt es sich um völlig unlesbare Bewegungen, die infolge sich ständig ändernder geopolitischer Rahmenbedingungen entstehen. Derzeit wissen die Trader schlicht nicht, was sie als Nächstes im Nahen Osten erwarten sollen.
Am Donnerstag gab es in den USA und in der Eurozone im Grunde keinen nennenswerten Nachrichtenfluss, abgesehen von einem sekundären Indikator zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Die Trader haben diesem kaum Beachtung geschenkt – so wie sie zuletzt viele andere Datenveröffentlichungen und Ereignisse ignoriert haben. Der Markt reagiert weiterhin fast ausschließlich auf geopolitische Nachrichten – und oft nicht einmal auf bestätigte Meldungen, sondern auf Berichte ohne belastbare Belege. In den vergangenen 3–4 Wochen sind die Trader wiederholt in die „Trump-Falle“ getappt, da er ständig widersprüchliche Aussagen über den Krieg im Nahen Osten macht und sich die Marktteilnehmer immer wieder davon beeinflussen lassen. Schon ein Blick auf die Bewegungen des Währungspaares im letzten Monat zeigt deutlich, wie häufig sich die Stimmung der Trader – permanent – ändert. Das deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer nicht wissen, was im Nahen Osten als Nächstes zu erwarten ist, und Trump trägt nur zusätzlich zur Verwirrung bei. In der Folge könnten scharfe, erratische Bewegungen noch eine Weile anhalten, bis Klarheit über die Beziehungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten herrscht. Wirtschaftsdaten bleiben derweil im Hintergrund – selbst die wichtigsten Veröffentlichungen.
Im 4-Stunden-Chart stieg das Paar bis zum 100,0%-Korrekturlevel bei 1,1474, prallte davon ab und drehte anschließend wieder zugunsten des US-Dollars. Damit kann sich die Abwärtsbewegung in Richtung desselben Fibonacci-Levels von 100,0% bei 1,1474 fortsetzen. Zuvor hatte das Paar oberhalb eines abwärtsgerichteten Trendkanals geschlossen, was die Aussichten für die Bullen im Vergleich zu den Bären leicht verbessert. Ausschlaggebend bleibt jedoch weiterhin die Geopolitik. In keinem Indikator sind derzeit aufkommende Divergenzen zu erkennen.
Commitments of Traders (COT)-Bericht:
In der vergangenen Berichtswoche haben professionelle Trader weitere 12.861 Long-Positionen und 1.008 Short-Positionen geschlossen. Damit ist innerhalb von nur sechs Wochen der gesamte Vorsprung der Bullen dahingeschmolzen. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt nun bei 200.000, während sich die Short-Positionen auf 190.000 belaufen. Noch vor sechs Wochen war der Vorsprung der Bullen bei den Non-Commercial-Tradern mehr als doppelt so groß.
Insgesamt sehen große Marktteilnehmer den Euro langfristig weiterhin mit erheblichem Interesse. Selbstverständlich wirken sich verschiedene globale Ereignisse – an denen es in den vergangenen Jahren nicht gefehlt hat – unterschiedlich auf die Stimmung der Investoren aus. Derzeit richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit des Marktes auf den Nahen Osten, wo sich der Krieg weiter zuspitzt und geografisch ausweitet. In naher Zukunft wird der Wechselkurs von Euro und Dollar daher nicht von der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB und auch nicht von Konjunkturdaten abhängen, sondern vom Krieg im Iran. Und momentan zieht der Dollar aus dieser Situation den maximalen Nutzen.
Konjunkturkalender für die USA und die Eurozone:
USA – Veränderung der Nonfarm Payrolls (12:30 UTC).USA – Arbeitslosenquote (12:30 UTC).Am 3. April stehen im Wirtschaftskalender zwei Veröffentlichungen. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung könnte sich am Freitag in der zweiten Tageshälfte bemerkbar machen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Verkäufe des Währungspaares waren nach einem Schlusskurs unterhalb der Marke von 1,1577 im Stundenchart mit einem Ziel bei 1,1440 möglich. Diese Positionen können noch einige Zeit gehalten werden (beispielsweise bis zur US-Sitzung). Kaufpositionen werden nach einer Konsolidierung oberhalb der Marke von 1,1577 mit einem Ziel bei 1,1696 interessant.
Die Fibonacci-Niveaus werden im Stundenchart ausgehend von 1,1577–1,2082 und im 4-Stunden-Chart ausgehend von 1,1474–1,2082 berechnet.