Das Währungspaar GBP/USD legte am Montag, Dienstag und Mittwoch um knapp 300 Punkte zu. Hatten Trader, die zwei Monate lang auf den Dollar gesetzt hatten, plötzlich Gründe, ihre Hauptstrategie aufzugeben? Ja – sehr triftige und zugleich widersprüchliche. Beginnen wir mit der technischen Analyse. Wie ich in jüngsten Artikeln erwähnt habe, hat sich ein wichtiges und relativ seltenes Muster, das „Three Drives Pattern“, ausgebildet, nach dessen Abschluss die Aufwärtsbewegung einsetzte. Damit erhielten die Trader ein bullisches Signal, während der übergeordnete Trend ohnehin aufwärtsgerichtet geblieben war.
Zweitens kündigte Donald Trump in der vergangenen Nacht, als viele einen möglichen Nuklearschlag gegen den Iran erwarteten, überraschend einen zweiwöchigen Waffenstillstand an. Dass dieser Waffenstillstand tatsächlich nur etwa 15 Stunden anhielt, spielt keine Rolle; die Bullen am Markt hatten damit einen starken Anlass, in die Offensive zu gehen. Die Ambivalenz liegt darin, dass es derzeit keinen Waffenstillstand mehr gibt. Bis zum Ende des Tages werden wir voraussichtlich eine offizielle Einschätzung der US-Behörden erhalten, und die Trader werden vermutlich viele interessante Details erfahren. Dennoch ist innerhalb eines Aufwärtstrends bereits ein bullisches Signal entstanden – und genau das ist im Moment das Entscheidende.
Washington hat kürzlich den Wunsch gezeigt, den Krieg zu beenden – allerdings zu seinen eigenen Bedingungen. Teheran wiederum war bereit, ihn zu seinen eigenen Bedingungen zu beenden. Da am Mittwoch neue Raketen abgefeuert wurden, ist klar, dass es zu keiner Einigung gekommen ist. Man kann nur hoffen, dass es sich dabei um ein unglückliches Missverständnis handelt und sich die Lage bis zum Abend klärt. Andernfalls könnten wir morgen einen weiteren Rückgang des Pfunds erleben, begleitet von steigenden Öl- und Gaspreisen. Trader reagieren weiterhin abwechselnd auf Verbesserungen und Verschlechterungen im geopolitischen Umfeld.
Die Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs bei beiden Währungspaaren bleibt relativ hoch, da der Waffenstillstand im Nahen Osten brüchig ist. Gleichzeitig hat das im Chart (mit einem Dreieck) markierte „Three Drives Pattern“ den Bullen ermöglicht, die Initiative zu übernehmen, was bereits ein positives Signal darstellt. Dieses Muster besteht aus drei aufeinanderfolgenden Schwüngen, die jeweils etwas tiefer oder höher verlaufen als der vorherige, und signalisiert (in diesem Fall) das Ende eines bärischen Impulses. Damit liefert die technische Analyse durchaus Chancen für eine weitere Aufwertung des Pfunds – allerdings benötigen die Bullen dringend Rückenwind von der Geopolitik.
Solange der Aufwärtstrend intakt bleibt (oberhalb der Marke von 1,3012), würde ich den Fokus stärker auf bullische Signale legen. Diese Woche dürfte sich voraussichtlich ein bullisches Ungleichgewicht ausbilden, das später den Aufbau neuer Long-Positionen ermöglichen könnte.
Am Mittwoch gab es keine nennenswerten Konjunkturdaten, und der Markt verbrachte den gesamten Tag damit, auf den Waffenstillstand zu reagieren – obwohl Iran, Israel und die USA ihre militärischen Aktivitäten im Nahen Osten fortsetzten. Die Details des Waffenstillstands sind allerdings noch unklar. So griff Israel beispielsweise den Libanon und nicht Iran an. Daher ist es möglich, dass der Waffenstillstand lediglich zwischen den USA, Israel und Iran gilt, während andere Konfliktparteien separate Vereinbarungen benötigen.
In den USA ist das generelle Informationsumfeld nach wie vor so, dass langfristig wenig anderes zu erwarten ist als ein Rückgang des Dollars. Selbst der Konflikt zwischen Iran und den USA ändert daran nur wenig. Der langfristige Ausblick für den US‑Dollar bleibt angespannt, mit überwiegend nur kurzfristig positiven Faktoren. Der Arbeitsmarkt schwächt sich weiter ab, die Wirtschaft nähert sich zunehmend einer Rezession, und die Federal Reserve plant – anders als die EZB und die Bank of England – keine Straffung der Geldpolitik im Jahr 2026. Zudem hat bereits die vierte große Protestwelle gegen Donald Trump die USA erfasst. Aus ökonomischer Sicht gibt es keine belastbaren Gründe für einen nachhaltigen Anstieg des Dollars.
Für die Entwicklung eines ausgeprägten Abwärtstrends beim Pfund wäre ein starkes und dauerhaft positives Informationsumfeld für den Dollar erforderlich – etwas, das unter Donald Trump schwer vorstellbar ist. Die Geopolitik stützt den Dollar nun schon seit über einem Monat, doch diese Unterstützung wird irgendwann nachlassen. Wann genau, ist schwer abzuschätzen, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Dollar noch eine weitere Woche, einen Monat oder sogar mehrere Monate zulegen könnte.
Wirtschaftskalender (USA & UK):
USA – Kernrate der privaten Konsumausgaben (Core PCE) (12:30 UTC)USA – BIP-Veränderung (Q4) (12:30 UTC)USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC)Am 9. April umfasst der Wirtschaftskalender drei Termine, wobei das US‑BIP am stärksten im Fokus steht. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Donnerstag jedoch begrenzt bleiben. Trader konzentrieren sich weiterhin vor allem auf die geopolitische Lage.
GBP/USD Prognose und Trading-Tipps
Für das Pfund bleibt der langfristige Ausblick bullisch, aktuell fehlen jedoch aktive bullische Muster. Lediglich das „Three Drives Pattern“ hat Trader vor einem möglichen Anstieg gewarnt. Der starke Rückgang des Währungspaares in den letzten Wochen war größtenteils auf unglückliche Umstände zurückzuführen. Hätte Donald Trump den Konflikt im Nahen Osten nicht eskaliert, hätten wir diesen starken Anstieg des Dollars vermutlich nicht gesehen.
Meiner Ansicht nach könnte dieser Rückgang genauso plötzlich enden, wie er begonnen hat – möglicherweise ist das bereits geschehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die bärische Phase jedoch noch nicht als vollständig beendet gelten.
Kurzfristig können Trader nur auf die Ausbildung neuer bullischer Muster setzen. In dieser Woche dürfte sich ein Ungleichgewicht herausbilden, das später Chancen für neue Long-Positionen eröffnen könnte. Sollte ein umfassender Waffenstillstand erreicht werden (anders als der derzeitige), könnte das Pfund seine Aufwärtsbewegung in Richtung der Jahreshöchststände fortsetzen.