Goldpreis-Überblick: Der Waffenstillstand mit dem Iran lässt den Dollar einbrechen und ebnet den Weg für Gold

*siehe auch: Trading Indicators für XAU/USD

Am Mittwoch verzeichnete Gold ein kräftiges Plus und erreichte ein Dreiwochenhoch. Auslöser war die zweiwöchige Waffenstillstandsvereinbarung zwischen den USA und Iran, die die Stimmung an den Märkten grundlegend verändert hat. XAU/USD notierte bei rund 4.737,00 $, nachdem das Paar zuvor von einem Tageshoch bei 4.857,00 $ zurückgefallen war.

Waffenstillstand: Der wichtigste Treiber des Tages

Spät am Dienstagabend, weniger als zwei Stunden vor Ablauf von Donald Trumps Ultimatum, gelang den Parteien ein Durchbruch. Der US-Präsident verkündete auf Truth Social, er habe zugestimmt, „Bombardierungen und Angriffe auf den Iran für zwei Wochen auszusetzen“, unter der Bedingung, dass die Straße von Hormus umgehend und sicher geöffnet wird. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bestätigte, dass die sichere Durchfahrt durch die Meerenge in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften gewährleistet werde.

Die Nachricht über den Waffenstillstand löste eine Kettenreaktion aus, die Gold in die Karten spielte:

Schwächerer US‑Dollar: Anleger stoßen in großem Stil Long-Positionen in der amerikanischen Währung ab, die zuvor als sicherer Hafen gefragt war. Der U.S. Dollar Index (USDX) notiert bei rund 98,80 und liegt damit intraday fast 0,90 % im Minus. Das macht Gold für Inhaber anderer Währungen günstiger.Einbrechende Ölpreise: Die Ölpreise sind im Zuge der Wiederöffnung der Straße von Hormus eingebrochen. WTI fiel um mehr als 10 % und wird bei rund 89,70 $ gehandelt. Der Rückgang der Ölpreise mindert den Inflationsdruck und verringert die Notwendigkeit für Zentralbanken, die Geldpolitik zu straffen – ein Faktor, der Gold traditionell stützt.Neubewertung der Fed-Zinserwartungen: Der Rückgang der Ölpreise hat die Märkte dazu veranlasst, ihre Erwartungen hinsichtlich des künftigen Zinsverlaufs zu überdenken. Zuvor, im Zuge des Energieschocks, waren die Märkte von länger anhaltend hohen Zinsen ausgegangen, was auf Gold lastete. Nun nährt die Pause im Konflikt die Hoffnung auf eine lockerere Geldpolitik.

Am Mittwoch lag der Fokus der Händler auf der Veröffentlichung des Protokolls der FOMC-Sitzung vom März.

Zur Erinnerung: Auf der März-Sitzung beließ die Fed den Leitzins in der Spanne von 3,50 %–3,75 %, zeigte dabei aber einen nuanciert falkenhaften Grundton. Der aktualisierte Dot Plot machte deutlich, dass einige Notenbanker in diesem Jahr keine Zinssenkungen erwarten, während ein Teilnehmer sogar eine mögliche Zinserhöhung im Jahr 2027 ins Spiel brachte.

Wichtige Punkte im Protokoll:

Wie stark sind die Währungshüter wegen der hohen Inflation besorgt – betrachten sie die Energieschocks als vorübergehend oder dauerhaft?Wie groß ist das Vertrauen der Offiziellen in den Disinflationsprozess?Die Risikobalance innerhalb des Ausschusses: Sollten die Mitglieder sich stärker um Inflation als um Wachstum sorgen, würde dies die Erwartung einer länger anhaltenden Hochzinsphase untermauern.

Jegliche Hinweise darauf, dass die Fed bereit ist, die Politik früher zu lockern, würden Gold zusätzlichen Auftrieb geben. Falkenhafte Signale könnten dagegen das Aufwärtspotenzial begrenzen.

Vorsicht: Die Fragilität des Waffenstillstands

Trotz der positiven Reaktion der Märkte bleiben Ökonomen vorsichtig. Es ist unklar, ob es sich um einen Auftakt zu dauerhaftem Frieden oder lediglich um eine zweiwöchige Pause vor einer neuen Eskalationsrunde handelt.

Wesentliche Risiken:

Der Iran hat weder die Bedingungen des Waffenstillstands noch seine Bereitschaft zur vollständigen Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Meerenge offiziell bestätigt.Mehrere Forderungen Teherans (Abzug der US-Truppen aus der Region und Reparationen) bleiben für das Weiße Haus inakzeptabel.Ein Scheitern der Verhandlungen in Islamabad könnte zu einer sofortigen Eskalation sowie einem erneuten starken Anstieg der Öl- und Goldpreise führen.Szenario A (bullisch für XAU/USD): Konsolidierung über 4.780,00–4.800,00 $

Dieses Szenario wird eintreten, wenn die Verhandlungen erfolgreich verlaufen, sich der Dollar nachhaltig abschwächt und Signale der Fed auf eine Bereitschaft zur Lockerung der Geldpolitik hindeuten.

Ziele: Ein stabiler Ausbruch über die 50-Tage-EMA (4.780,00 $) wird den Weg in Richtung 4.900,00 $ eröffnen, gefolgt von der psychologischen Marke von 5.000,00 $. Das mittelfristige Kursziel wird zudem das Niveau von 5.200,00 $ sein.

Szenario B (bärisch für XAU/USD): Rückgang unter 4.666,00 $

Dies könnte im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen, einer Wiederaufnahme militärischer Aktionen und einer Rückkehr zu restriktiven Erwartungen in Bezug auf die Fed-Politik eintreten.

Kursziele: Ein Bruch von 4.666,00 $ (200-EMA im Stundenchart) eröffnet den Weg zu 4.460,00 $ (144-EMA im Tageschart) und anschließend zu 4.270,00 $ (200-EMA im Tageschart)–4.125,00 $ (50-EMA im Wochenchart).

Fazit

Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran hat den Dollar und die Ölpreise einbrechen lassen und das Interesse an dem Edelmetall neu entfacht. Die Schlüsselzone von 4.666,00–4.850,00 US‑Dollar wird in den kommenden Tagen zur Arena für eine entscheidende Auseinandersetzung.

Die Ironie der aktuellen Situation, wie von Ökonomen hervorgehoben, besteht darin, dass Gold paradoxerweise während der akuten Phase des Konflikts gefallen ist – weil der durch den Krieg ausgelöste Energieschock die Märkte dazu veranlasste, eine straffere Politik der Fed einzupreisen. Nun schwächt die Waffenruhe diesen Mechanismus und ermöglicht es Gold, die zuvor erlittenen Verluste wieder aufzuholen.

In jedem Fall wird die Volatilität hoch bleiben. Anleger sollten die Entwicklungen rund um die Verhandlungen in Islamabad genau verfolgen – das Ergebnis des Treffens am Freitag wird darüber entscheiden, ob der aktuelle Anstieg des Goldpreises den Beginn einer langfristigen Erholung markiert oder nur eine vorübergehende Verschnaufpause innerhalb eines Abwärtstrends darstellt.