EUR/USD-Analyse – 8. April. Der Euro gewinnt an Dynamik

Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar noch keine Rede sein, doch die Wellenstruktur wirkt derzeit recht uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich immer, auf einen niedrigeren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und die einfachsten, kleinsten Wellenstrukturen zu analysieren, um kurzfristige Prognosen zu erstellen – was für das Eröffnen von Trades vollkommen ausreicht. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen. Am einfachsten ist es, sich beim Trading an den Standardmustern „fünf-drei“ zu orientieren.

Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfwellig-impulsive Struktur mit verlängerter dritter Welle erkennen. Wenn dies tatsächlich der Fall ist, dann ist die Bildung dieser Struktur abgeschlossen, und wir sollten eine Korrekturphase aus mindestens drei Wellen erwarten. Daher ist kurzfristig ein Anstieg der Notierungen wahrscheinlich – allerdings nur im Rahmen einer Korrektur zum letzten Trendsegment. Bisher fügen sich die jüngsten Wellenstrukturen noch nicht ideal in die übergeordnete Zählung ein, doch mit der Zeit sollte sich das Bild klären. In naher Zukunft könnte sich der Euro in Richtung der Niveaus von 1,1666 und 1,1745 erholen.

Der EUR/USD-Kurs stieg am Dienstag um 50 Basispunkte und legte am Mittwoch weitere 130 Punkte zu. Der starke Anstieg der Nachfrage nach dem Euro wurde durch ein einziges Ereignis ausgelöst. Über Nacht verkündeten Donald Trump – und später die iranischen Behörden – einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Die Parteien einigten sich auf die Einstellung der Feindseligkeiten, die Wiederöffnung der Straße von Hormus und weitere Verhandlungen mit dem Ziel, einen langfristigen Frieden zu erreichen.

Bereits am Mittwochnachmittag griffen die USA jedoch erneut eine der Ölraffinerien Irans an, Iran startete Angriffe auf Kuwait und Bahrain, und Israel – offenbar nicht über den Waffenstillstand informiert – setzte den massiven Beschuss von Zielen im Libanon mit Hunderten von Raketen fort. Daher sehe ich persönlich einen solchen Waffenstillstand eher skeptisch. Am besten wartet man ab, bis Donald Trump aufwacht und sich zur Lage äußert. Höchstwahrscheinlich werden sich sowohl Trump als auch Teheran gegenseitig der Verletzung des Waffenstillstands beschuldigen und die Kampfhandlungen unverändert fortsetzen.

Trotzdem reagierte der Markt selbst auf einen derart „fragilen Frieden“ positiv. Die Nachfrage nach Risikoanlagen nimmt zu, die Ölpreise fallen, und der Dollar verliert an Attraktivität. Aus meiner Sicht könnte der Markt jedoch bald wieder drehen, da der Waffenstillstand bislang nur auf dem Papier besteht. Aus Wellensicht haben wir die erwartete dreiwellige Korrekturstruktur gesehen. Das Währungspaar EUR/USD ist – wie erwartet – bis auf das Niveau von 1,17 gestiegen, aber ich habe nun erhebliche Zweifel an weiterem Wachstum.

Gelingt es Donald Trump heute, klarzustellen, was in seiner Abwesenheit geschehen ist, und den Waffenstillstand wiederherzustellen, könnte sich die Aufwärtswellenstruktur weiterentwickeln. Andernfalls erscheint es wahrscheinlicher, dass sich ein neues Abwärtstrendsegment auszubilden beginnt.

Allgemeine Schlussfolgerungen

Auf Grundlage der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet und sich kurzfristig innerhalb einer Korrekturstruktur bewegt. Das Korrekturwellen-Set wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte sich nur dann weiter ausdehnen, wenn ein stabiler Waffenstillstand zwischen Iran, den USA, Israel und allen anderen Ländern im Nahen Osten zustande kommt. Andernfalls könnte sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue abwärtsgerichtete Wellenstruktur zu bilden beginnen.

Auf dem kleineren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht vollständig klassisch, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren. So ist beispielsweise die übergeordnete Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Fälle kommen jedoch vor. Wichtig ist, sich auf klare und verständliche Strukturen zu konzentrieren, statt zwanghaft zu versuchen, jede einzelne Welle exakt zu beschriften. Der Trend könnte sich in naher Zukunft umkehren.

Grundprinzipien meiner Analyse

Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und ändern sich häufig.Wenn Sie sich über die Marktsituation unsicher sind, bleiben Sie besser außen vor.Es gibt niemals 100%ige Sicherheit über die Marktrichtung. Verwenden Sie immer schützende Stop-Loss-Orders.Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.