Am Donnerstag kehrte das Währungspaar EUR/USD auf das 76,4%-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 1,1696 zurück. Ein erneuter Rückprall von diesem Niveau würde heute den US-Dollar begünstigen und einen leichten Rückgang in Richtung des 100,0%-Fibonacci-Niveaus bei 1,1577 erwarten lassen. Ein nachhaltiger Ausbruch über 1,1696 würde hingegen die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anstiegs in Richtung des nächsten Retracement-Niveaus von 61,8% bei 1,1770 erhöhen.
Die Wellenstruktur im Stundenchart ist recht komplex geworden, beginnt sich nun aber zu klären. Alle jüngsten Wellen haben sich in etwa innerhalb derselben Preisspanne ausgebildet und sind ähnlich groß. Die jüngste Nachricht über einen zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen Iran und den USA hat die Bullen unterstützt und ihnen ermöglicht, eine neue „bullische“ Welle zu formen. Das Bild erinnert nun an den Beginn eines neuen Aufwärtstrends. Allerdings ist die geopolitische Lage nicht stabil, und der Vormarsch der Bullen hängt vollständig von ihr ab.
Am Donnerstag lässt sich der Nachrichtenhintergrund in zwei Teile gliedern: Geopolitik und Konjunktur. Auf geopolitischer Ebene gab es wenig Neues, abgesehen von Meldungen, dass die Blockade der Straße von Hormus weiterhin besteht. Auch die konjunkturellen Meldungen waren begrenzt, und die Trader zeigten erneut nur geringes Interesse an diesen Daten. Heute veröffentlicht die USA ihren Inflationsbericht für März, der von großer Bedeutung ist. Zur Erinnerung: Die Federal Reserve hat ihr kurzfristiges geldpolitisches Ziel klar formuliert – verhindern, dass die Inflation außer Kontrolle gerät. Im März könnte die Inflation in den USA auf 3,3 % im Jahresvergleich anziehen, was das FOMC zu einer „hawkischeren“ Haltung veranlassen könnte. Derzeit erwägt die Notenbank zwar keine Zinserhöhung, doch könnte sich dies ändern, wenn die Inflation schneller und länger als erwartet steigt. Dies hängt von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten (der noch nicht als beendet gelten kann) sowie von den endgültigen Preisen für Öl und andere Energierohstoffe ab.
Im 4-Stunden-Chart ist das Paar bis zum 61,8%-Retracement-Niveau bei 1,1706 gestiegen. Ein Abprall von diesem Niveau würde den US-Dollar begünstigen und einen Rückgang in Richtung des 76,4%-Fibonacci-Niveaus bei 1,1617 erwarten lassen. Allerdings ist es den Bullen zuvor gelungen, den abwärts gerichteten Trendkanal nach oben zu durchbrechen, und das Nachrichtenumfeld hat sich deutlich zu ihren Gunsten verändert. Daher erscheint eine Konsolidierung oberhalb von 1,1706 wahrscheinlicher, gefolgt von einem weiteren Anstieg in Richtung 1,1778 und 1,1849. Auf keinem der Indikatoren sind sich abzeichnende Divergenzen zu beobachten.
Commitments of Traders (COT)-Report:
In der letzten Berichtswoche eröffneten professionelle Händler 143 Long-Positionen und 8.915 Short-Positionen. Damit ist der gesamte Vorteil der Bullen über einen Zeitraum von sieben Wochen verschwunden. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt nun bei 200.000, während Short-Positionen insgesamt 199.000 betragen. Noch vor zwei Monaten war der Vorteil der Bullen unter den nicht-kommerziellen Händlern mehr als doppelt so groß.
Insgesamt bleiben die großen Marktteilnehmer langfristig weiterhin am Euro interessiert. Natürlich beeinflussen globale Ereignisse – an denen es in den letzten Jahren nicht gemangelt hat – die Stimmung der Anleger. Der Fokus des Marktes liegt derzeit insbesondere auf dem Nahen Osten, wo sich der Krieg weiter zuspitzt und geographisch ausweitet. Daher wird der Wechselkurs von Euro und Dollar kurzfristig nicht von der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB oder von Konjunkturdaten abhängen, sondern vom Krieg im Iran. Bisher profitiert der Dollar am stärksten von dieser Situation.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
Eurozone – Verbraucherpreisindex Deutschland (06:00 UTC)USA – Verbraucherpreisindex (12:30 UTC)USA – University of Michigan Consumer Sentiment Index (14:00 UTC)Am 10. April enthält der Wirtschaftskalender drei Termine, wobei die US-Inflationsdaten als zentrales Ereignis hervorstechen. Der Einfluss der Nachrichtenlage auf die Marktstimmung könnte am Freitag in der zweiten Tageshälfte stark ausfallen.
EUR/USD Prognose und Trading-Tipps:
Verkaufsgelegenheiten boten sich nach einem Abprall von 1,1696 im Stundenchart mit einem Ziel bei 1,1577. Ich hatte Kaufpositionen nach einer Konsolidierung oberhalb von 1,1577 mit einem Ziel bei 1,1696 empfohlen; dieses wurde erreicht. Neue Einstiegschancen auf der Long-Seite können sich nach einem Tagesschlusskurs über 1,1696 mit einem Ziel bei 1,1770 ergeben.
Die Fibonacci-Retracement-Niveaus werden im Stundenchart von 1,1577 bis 1,2082 und im 4-Stunden-Chart von 1,1474 bis 1,2082 gezogen.