Die Bank of Japan hat ihre Prognose für die Produktionslücke zwischen tatsächlicher und potenzieller Produktion deutlich nach oben revidiert. Die PMI-Indizes liegen mit 52,9 auf einem sehr hohen Niveau, und die Tankan-Indizes steigen im verarbeitenden Gewerbe, während sie im Dienstleistungssektor auf Rekordständen verharren. Zusammen mit einem inflationsbedingten Schock im Energiesektor und einem rekordangespannten Arbeitsmarkt bereitet dies den Boden für eine weitere Straffung der BOJ-Geldpolitik. Für die Lohnverhandlungen wird 2026 ein weiterer deutlicher Anstieg der Gehälter erwartet, was das Argument für höhere Zinssätze zusätzlich stützen dürfte.
Zu Jahresbeginn wurde erwartet, dass die Inflation allmählich auf 1,5 % zurückgeht, doch der Krieg hat alles verändert; nun stellt sich die Frage, ob sie unter dem Druck des schnellen Anstiegs der Energiepreise auf 2 % oder sogar noch höher klettern könnte. Noch kennt niemand die Antwort, und Prognosen bleiben unzuverlässig, solange es keinen Mechanismus gibt, um die weltweite Versorgung mit Öl und Gas wieder auf normale Ströme zu bringen.
Bis Anfang April hatten sich die Erwartungen an eine Zinserhöhung der BOJ verfestigt, und der schwächere Yen stützte diese Erwartungen – die Frage ist, wie sich diese Erwartungen inzwischen verschoben haben. Wenn sie vor dem Golfkonflikt bei etwa 1,5 % lagen, sehen die meisten Analysten den Endzinssatz nun bei rund 2,0 %. Allerdings wird die BOJ kaum ausschließlich auf einen sich abzeichnenden Energieschock reagieren: Wie Mizuho argumentiert, muss man die Inflationsdynamik gegen die Auswirkungen der Energiepreise auf Wachstum und Unternehmensprofitabilität abwägen.
Der Yen bleibt das Asset, das verkauft wird: In der vergangenen Woche stieg die spekulative Netto-Short-Position um 1,6 Milliarden US‑Dollar auf -7,3 Milliarden US‑Dollar. Allerdings beginnt der implizite Kurs unter dem Einfluss der Bemühungen, den Friedensprozess im Nahen Osten neu zu beleben, nachzugeben, da die Dollarnachfrage nachlässt.
Wäre da nicht die eindeutige Drohung einer Währungsintervention, hätte sich der Yen im Zuge des Golfkonflikts vermutlich deutlich stärker abgeschwächt. Diese Drohung verhindert bislang, dass USD/JPY die Marke von 160 klar nach oben durchbricht. Dennoch ist der Trend so gelagert, dass ein Anstieg von USD/JPY auf 162 und darüber hinaus wahrscheinlicher wird, falls kein Friedensprozess eingeleitet wird – und das trotz des Interventionsrisikos. Ein steigender USD/JPY kann im aktuellen Umfeld nur gestoppt werden, wenn das physische Angebotsrisiko für Japans Wirtschaft beseitigt wird, was wiederum eine Lösung im Golf erfordert.
Sollte der Krieg hingegen bald mit einer von allen Parteien eingehaltenen Vereinbarung enden, würde der Yen sich vermutlich in Richtung des Bereichs 156,00/50 bewegen, doch dieses Szenario bleibt vorerst hypothetisch.