siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für GBP/JPY
Das Währungspaar GBP/JPY setzt seinen stetigen Aufwärtstrend fort und zeigt bereits die achte Sitzung in Folge positive Dynamik. Am Mittwoch konsolidieren sich die Notierungen im mittleren Bereich nahe 215,00, nähern sich damit den im Juli 2008 markierten Hochs bei etwa 215,90 und bewegen sich in Richtung der Höchststände aus dem Jahr 2008 bei 221,80. Der wichtigste Treiber bleibt die fundamentale Schwäche des japanischen Yen vor dem Hintergrund der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus und zunehmender Stagflationsrisiken für die japanische Wirtschaft.
Krise im Nahen Osten, restriktivere BoE-Erwartungen versus Stagflationsrisiken
1. Trotz anhaltender Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Diplomatie zwischen den Vereinigten Staaten und Iran sind Anleger weiterhin stark besorgt über die wirtschaftlichen Folgen der Instabilität in der Straße von Hormus. Die seit Montag geltende Seeblockade der USA gegen iranische Häfen droht, die Öllieferungen durch diese strategisch wichtige Wasserstraße weiter einzuschränken. Für Japan, das in kritischem Ausmaß von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig ist, entsteht dadurch eine existenzielle Bedrohung. Die Wirtschaft, die ohnehin bereits am Rand einer Rezession steht, wird auf absehbare Zeit unter erheblichen Druck geraten. Das schwächt den Yen unmittelbar und wirkt als wichtiger Stützungsfaktor für GBP/JPY.
Die langwierige Natur des Konflikts hat den Handlungsspielraum der Bank of Japan für eine Straffung der Geldpolitik deutlich eingeschränkt. Während die Märkte bis vor Kurzem noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent einen Zinsschritt auf der Sitzung am 27.–28. April eingepreist hatten, wird dieses Szenario zunehmend unsicher.
Die Entscheidungsträger der BoJ sind in zwei Lager gespalten: Die einen konzentrieren sich auf steigende Inflationsrisiken, während die anderen abwarten wollen, wie sich der Konflikt weiterentwickelt. Vizegouverneur Ryozo Himino sagte am Freitag, dass ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten, der das Wachstum dämpft und zugleich die Inflation beschleunigt, ein Dilemma und ein schwieriges Problem für die BoJ schaffen würde.
Wirtschafts-, Handels- und Industrieminister Ryohei Akazawa erklärte, ein Zinsschritt im April könne zu den Optionen gehören, um die Währung zu stützen. Seine Äußerung stieß jedoch auf institutionelle Grenzen.
Ökonomen warnen, dass die Märkte beginnen werden, ihre Erwartungen für einen Zinsschritt im April zurückzunehmen, wenn die BoJ keine klaren Signale sendet. Das bedeutet, dass ein tatsächlicher Zinsschritt den Markt überraschen und einen Anstieg der Anleiherenditen auslösen könnte. Andererseits könnte ein unveränderter Leitzins den Yen ebenfalls schwächen, da die Befürchtung wächst, dass die BoJ der Renditekurve bei Staatsanleihen hinterherläuft.
2. Das britische Pfund erhält derweil weiterhin Unterstützung durch die Erwartung eines restriktiveren Kurses der Bank of England. Die Märkte preisen derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit für mindestens eine, möglicherweise sogar zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr ein, da der kriegsbedingte Sprung der Energiepreise die Inflationsprognosen nach oben getrieben hat.
Am Dienstag kam die lokale Unterstützung für das Pfund allerdings nur von den Einzelhandelsumsätzen des British Retail Consortium, die im Jahresvergleich um 3,1 Prozent zulegten und damit die Prognosen (0,9 Prozent) sowie den Wert für Februar (0,7 Prozent) deutlich übertrafen.
Im Fokus stehen heute die Reden von Bank of England‑Gouverneur Andrew Bailey um 15:50 und 18:00 Uhr GMT, die neue Signale zum künftigen Kurs der Geldpolitik liefern könnten.
Morgen wird um 06:00 Uhr GMT ein wichtiger Block an Makrodaten veröffentlicht, darunter der britische BIP‑Bericht für Februar. Ökonomen erwarten ein Wachstum von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat – gering, aber über der zuvor verzeichneten Nullrate.
Wichtige Termine
Datum
Uhrzeit (GMT)
Ereignis
Erwartete Auswirkung
Heute
Im Tagesverlauf
Rede von BoE‑Gouverneur Andrew Bailey
Signale zur Geldpolitik der BoE
Donnerstag
06:00
Britisches BIP (Februar)
Einschätzung der wirtschaftlichen Lage, Prognose +0,1 % m/m
27.–28. April
—
Bank of Japan Sitzung zum Leitzins
Zentraler Auslöser – Zinsentscheid (0,75 % vs. Anhebung)
Fazit
GBP/JPY setzt seine Bewegung innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends überzeugend fort, getragen von der fundamentalen Schwäche des Yen. Japan, als wichtiger Importeur von Öl aus dem Nahen Osten, steht im Zentrum eines „Energieschocks“, und die Aussichten für seine Wirtschaft bleiben trüb. Die Bank of Japan steht vor dem Dilemma zwischen Inflation und Rezession und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Pause festhalten, was den Yen weiter unter Druck setzen dürfte.
Das Pfund wiederum wird von falkenhaften Erwartungen gestützt, auch wenn die morgigen BIP‑Daten ein Risiko darstellen: Eine schwache Veröffentlichung könnte Zweifel der Märkte an der Fähigkeit der BoE nähren, die Zinsen in einem stagnierenden Konjunkturumfeld weiter anzuheben.
Der Schlüsselkorridor bei 215,00–216,00 wird sich in den kommenden Tagen zur Arena für einen entscheidenden Schlagabtausch entwickeln. Ein Halten oberhalb von 215,00 erhält die Chancen der Bullen auf einen Test von 216,00 und 217,50. Das fundamentale Umfeld stützt das Währungspaar weiterhin, und jeder Rücksetzer dürfte eher genutzt werden, um Long-Positionen aufzubauen. Anleger sollten Baileys Reden und die morgigen BIP-Daten aus Großbritannien genau verfolgen – diese beiden Faktoren werden die kurzfristige Dynamik des Paares bestimmen.
Siehe auch unsere heutigen Analysen:
- GBP/AUD: Entwicklung für den 15.04.2026