Das Währungspaar EUR/USD setzte seine Aufwärtsbewegung am Mittwoch fort und erreichte auf Basis eines neuen Fibonacci-Rasters das 61,8%-Fibonacci-Retracement-Niveau (1,1824). Ein Rückprall von diesem Niveau würde den US-Dollar begünstigen und zu einem gewissen Rückgang in Richtung des 50,0%-Fibonacci-Niveaus (1,1745) führen. Eine Konsolidierung oberhalb von 1,1824 würde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anstiegs des Euro in Richtung des nächsten Retracement-Niveaus bei 76,4% (1,1923) erhöhen.
Die Wellenstruktur im Stundenchart ist recht komplex geworden, beginnt sich nun aber zu klären. Die jüngsten Nachrichten über einen zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten haben die Bullen unterstützt und ihnen ermöglicht, eine neue Aufwärtswelle auszubilden. Das Gesamtbild erinnert nun an den Beginn eines neuen Aufwärtstrends. Am Wochenende hat sich die geopolitische Lage nach dem Scheitern der Gespräche in Islamabad zwar erneut eingetrübt, doch der Waffenstillstand gilt weiterhin, und die Verhandlungen könnten in dieser Woche wieder aufgenommen werden. Das stützt die Bullen nach wie vor.
Am Mittwoch hielt die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, eine Rede. Sie erklärte, dass die EZB vor dem Krieg in Iran drei mögliche Szenarien für 2026 in Betracht gezogen habe, wobei sich der Euroraum entlang des optimistischsten Szenarios entwickelt habe. Nach dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hätten sich die wirtschaftlichen Perspektiven jedoch deutlich verschlechtert. Die BIP-Prognosen für 2026 wurden auf 0,9 % im Jahresvergleich nach unten revidiert, während die Inflationserwartungen auf 2,6 % im Jahresvergleich angehoben wurden. Laut Lagarde herrscht weiterhin ein hohes Maß an Unsicherheit, das fortlaufende Anpassungen der Wirtschaftsprognosen erforderlich macht. Sie betonte außerdem die Bedeutung der Energiepreise und bezeichnete sie als Schlüsselfaktor, der die wichtigsten wirtschaftlichen Prozesse beeinflusst. Lagarde fügte hinzu, dass sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern werde, falls der Konflikt im Nahen Osten andauert. Bis zu 20 % des weltweiten Öl- und Gasaufkommens passieren die Straße von Hormus. Bleibt die Meerenge blockiert, werden die Engpässe bei der Energieversorgung anhalten, was sinkende Preise, eine langsamere Inflation und ein schnelleres Wirtschaftswachstum verhindern dürfte. Lagarde ließ offen, ob die EZB auf ihrer bevorstehenden Sitzung als Reaktion darauf eine Straffung der Geldpolitik plant.
Im 4-Stunden-Chart hat sich das Paar oberhalb des 50,0%-Retracement-Levels (1,1778) stabilisiert, was die Erwartung eines weiteren Anstiegs in Richtung des nächsten Fibonacci-Levels von 38,2% (1,1849) zulässt. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1778 würde den US-Dollar begünstigen und einen möglichen Rückgang in Richtung 1,1706 und 1,1617 eröffnen. Den Bullen ist es gelungen, den abwärts gerichteten Trendkanal zu verlassen, womit sich zusätzliche Chancen ergeben. Derzeit sind keine neuen Divergenzen erkennbar.
Commitments of Traders (COT) Report:
In der letzten Berichtswoche eröffneten professionelle Trader 778 Long-Positionen und 8.826 Short-Positionen. Über einen Zeitraum von sieben Wochen ist der gesamte Vorteil der Bullen damit verschwunden. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt nun bei 201.000, während die Short-Positionen 208.000 erreichen. Noch vor zwei Monaten verfügten die Bullen unter den Non-Commercial-Tradern über mehr als einen doppelt so großen Vorsprung.
Insgesamt zeigen die großen Marktteilnehmer langfristig weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Allerdings beeinflussen globale Ereignisse – an denen es in den vergangenen Jahren nicht gefehlt hat – weiterhin die Stimmung der Anleger. Derzeit richtet sich die Aufmerksamkeit des Marktes auf den Nahen Osten, wo der Konflikt keinerlei Anzeichen eines Endes zeigt. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und US-Dollar kurzfristig nicht an der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB oder an Konjunkturdaten orientieren, sondern am Krieg im Iran. Der Dollar könnte erneut von dieser Situation profitieren.
Terminkalender für die USA und die Eurozone:
Eurozone – Verbraucherpreisindex (09:00 UTC)USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC)USA – Veränderung der Industrieproduktion (13:15 UTC)Am 16. April umfasst der Wirtschaftskalender drei Ereignisse, die nicht von besonderer Bedeutung sind. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Donnerstag sehr schwach oder gar nicht spürbar sein.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Ein Verkauf des Währungspaares ist heute nach einem Abprall vom Niveau von 1,1824 im Stundenchart mit einem Ziel bei 1,1745 möglich. Zuvor hatte ich Käufe nach einem Schlusskurs oberhalb von 1,1770 mit einem Ziel bei 1,1830 empfohlen, das inzwischen erreicht wurde. Neue Kaufgelegenheiten könnten sich nach einem Schlusskurs über 1,1824 mit einem Ziel bei 1,1923 ergeben.
Die Fibonacci-Retracement-Niveaus werden im Stundenchart von 1,2082–1,1410 und im 4-Stunden-Chart von 1,1474–1,2082 aus eingezogen.