Das Euro/US?Dollar?Währungspaar testet nun bereits den dritten Tag in Folge die Grenze der 1,18er-Marke, also das Widerstandsniveau von 1,1800, das der oberen Linie der Bollinger Bands im D1?Zeitrahmen entspricht. Schon den dritten Tag hintereinander markieren EUR/USD-Käufer mehrwöchige Höchststände, rutschen letztlich aber wieder in den Bereich um 1,17 zurück. So hatte das Paar gestern zum Beispiel ein Sechs?Wochen-Hoch bei 1,1809 erreicht, beendete den Handelstag aber bei 1,1799. Heute sprang das Paar bis auf 1,1824, fiel dann jedoch erneut unter das Zielniveau von 1,1800 zurück.
Eine solche Unentschlossenheit der Trader ist durchaus nachvollziehbar und gerechtfertigt. Sowohl Käufer als auch Verkäufer von EUR/USD zögern, vor dem Hintergrund der unsicheren geopolitischen Lage größere Positionen einzugehen. Der Wirtschaftskalender für die laufende Woche ist für EUR/USD praktisch leer, daher richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit auf die Geopolitik. Doch auch hier ist das Bild äußerst widersprüchlich: Die Waage kann sich jederzeit entweder in Richtung einer Deeskalation oder hin zu einer weiteren Eskalation neigen.
Den neuesten Informationen zufolge könnte in den kommenden Tagen eine zweite Gesprächsrunde zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran stattfinden. Laut mehreren Quellen soll ein neues Treffen der Delegationen beider Länder Ende dieser Woche oder Anfang der nächsten Woche stattfinden. In Erwartung dieses Ereignisses veröffentlichen einflussreiche Medien interne Informationen, die größtenteils ermutigend sind.
So berichten hochrangige Quellen, auf die sich Axios beruft, dass die Unterhändler bedeutende Fortschritte erzielt haben und einer Rahmenvereinbarung zur Beendigung des Krieges nähergekommen sind. Nach Angaben nicht namentlich genannter Mitarbeiter des Weißen Hauses versuchen Vermittler aus Pakistan, der Türkei und Ägypten, die verbleibenden Differenzen zu überbrücken, um vor Ablauf des befristeten Waffenstillstands eine Einigung zu erzielen. Der zweiwöchige Waffenstillstand läuft am 21. April aus. Bloomberg meldet jedoch, dass Washington und Teheran eine Verlängerung um weitere zwei Wochen in Erwägung ziehen, um den Verhandlungen mehr Zeit zu geben.
Übrigens erklärte Donald Trump gestern, dass in den kommenden Tagen etwas sehr Wichtiges geschehen könnte, wonach die Notwendigkeit einer Verlängerung des befristeten Waffenstillstands entfallen würde.
Darüber hinaus berichtet Reuters, dass der Iran Schiffe auf der omanischen Seite frei durch die Straße von Hormus passieren lassen könnte – allerdings nur, wenn mit den Vereinigten Staaten eine Vereinbarung getroffen wird, die eine Wiederaufnahme des Konflikts verhindert. Das heißt, wenn die zweite Gesprächsrunde erfolgreich abgeschlossen wird.
Trotz dieses offenen und verdeckten diplomatischen Prozesses verstärken die Vereinigten Staaten jedoch gleichzeitig ihre militärische Präsenz und verschärfen die wirtschaftliche Blockade gegen den Iran.
Wie The Washington Post schreibt, entsenden die Vereinigten Staaten im Rahmen von zwei Carrier Strike Groups mehr als 10.000 Soldaten in den Nahen Osten. Insbesondere befinden sich 6.000 Soldaten an Bord der USS George H.W. Bush, die derzeit in die Region unterwegs ist. Nach ihrer Ankunft wird das US-Kommando gleichzeitig über drei Flugzeugträger in diesem Gebiet verfügen (die USS Gerald R. Ford und die USS Abraham Lincoln befinden sich bereits in der Region).
Offensichtlich handelt es sich dabei um eine Form von Druck – einen Bestandteil der US-Verhandlungsstrategie. Washington demonstriert, dass es im Falle einer ausbleibenden Einigung bis zum Ende des zweiwöchigen Waffenstillstands zu einem militärischen Szenario übergehen könnte. Konkret könnte dies Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur oder den Versuch umfassen, die Insel Kharg zu erobern, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.
Gleichzeitig sind in den Medien unbestätigte Berichte aufgetaucht, wonach auch der Iran die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lässt – angeblich werden iranische Raketenstellungen neu gruppiert und Verteidigungspositionen parallel zu den Gesprächen verstärkt.
Es ist jedoch anzumerken, dass die Reaktion des Iran auf die maritime Blockade seiner Häfen bislang zurückhaltend und überwiegend verbal geblieben ist. De facto halten beide Seiten den Waffenstillstand ein und setzen auf eine diplomatische Beilegung des Konflikts. Bildlich gesprochen haben die Parteien eine abwartende Haltung eingenommen, halten ihr Pulver jedoch trocken für den Fall einer möglichen Eskalation.
Auch die EUR/USD-Trader verhalten sich abwartend und vermeiden größere Positionen sowohl für als auch gegen den Dollar. Das Währungspaar ist in einen Drift an den Grenzen der 1,18er-Marke übergegangen und wartet auf weitere, in Kürze erwartete Ereignisse. Vereinbaren die Parteien offiziell ein Datum für die zweite Gesprächsrunde, dürften die Käufer erneut versuchen, innerhalb der 1,18er-Zone Fuß zu fassen. Umgekehrt wird der Dollar sich voraussichtlich stärken und Druck auf EUR/USD ausüben, je näher das Ablaufdatum des Waffenstillstands rückt – sofern es keine Signale zu Gesprächen oder einer Verlängerung gibt.
Unter einer derart fundamentalen Unsicherheit ist es recht schwierig, Handelsentscheidungen zu treffen, da sich die Waage jederzeit entweder in Richtung weiterer Eskalation oder Deeskalation neigen kann. Meiner Ansicht nach ist es derzeit sinnvoll, Long-Positionen auf südlichen Rücksetzern im Paar in Betracht zu ziehen, allerdings strikt mit kurzfristigem Horizont – mit einem Ziel bei 1,1800 (der oberen Linie der Bollinger Bands auf D1).