AUD/USD. Zwei Vorteile für den Aussie: Arbeitsmarkt und China

Die australischen Arbeitsmarktdaten („Australian Non-Farms“) fielen zugunsten des Aussie aus. Die am Donnerstag veröffentlichten Daten zum australischen Arbeitsmarkt stärkten die Erwartungen der Trader hinsichtlich einer eher restriktiven Geldpolitik der Reserve Bank of Australia in der Zukunft. Aufgrund dieses fundamentalen Faktors markierten die Käufer des Währungspaares AUD/USD ein mehrjähriges Hoch und testeten erstmals seit Juni 2022 die Marke von 0,72. Zusätzliche Unterstützung für den Aussie kam von den Daten zum Wirtschaftswachstum Chinas.

Beginnen wir mit den australischen Indikatoren. Laut den am Donnerstag veröffentlichten Daten blieb die Arbeitslosenquote in Australien im März unverändert bei 4,3 %, wie von den meisten Analysten erwartet – es gab also keine Überraschung. Das Beschäftigungswachstum blieb allerdings leicht hinter den Prognosen zurück: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg um 17.900, erwartet worden waren 20.000. Dieser kleine „Fehlbetrag“ wird jedoch dadurch relativiert, dass der gesamte Zuwachs ausschließlich auf Vollzeitstellen zurückzuführen war, während die Teilzeitbeschäftigung rückläufig war (das Verhältnis lag bei +52.500/-34.600).

Das ist ein wichtiger Punkt, denn im Vormonat hatten wir das entgegengesetzte Bild: Trotz eines Rückgangs der Vollzeitbeschäftigung (-27.700) nahm die Zahl der Teilzeitstellen um 77.300 zu. Die Erwerbsquote lag bei 66,8 % (nach einem unerwarteten Anstieg auf 66,9 % im Februar). Trotz dieses leichten Rückgangs befindet sich der Indikator nahe historischen Höchstständen und signalisiert, dass die australische Wirtschaft den Zustrom neuer Arbeitskräfte erfolgreich aufnimmt.

Der Bericht zeigte zudem, dass die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden in der Wirtschaft im März um 9,5 Millionen (0,5 %) zunahmen. Dies ist ein wichtiger vorlaufender Indikator, der darauf hindeutet, dass die reale wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen wächst – selbst bei moderater Neueinstellung. Im Vormonat hatte diese Kennziffer eine negative Dynamik aufgewiesen, sodass das März-Ergebnis als Ausgleich zur Schwäche im Februar gesehen werden kann.

Insgesamt hat der Bericht die hawkischen Erwartungen der Händler in Bezug auf die künftigen Maßnahmen der RBA gestärkt. Die Arbeitslosenquote verharrt bei 4,3 %, während für eine Abkühlung der Inflation eine allmähliche Bewegung in Richtung 4,5 % und darüber hinaus erforderlich wäre. Das aktuelle Niveau legt nahe, dass die australische Wirtschaft die hohen Zinsen weiterhin „verdaut“, ohne dass die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigt. Gleichzeitig deutet die starke Verschiebung hin zu Vollzeitbeschäftigung darauf hin, dass die Arbeitskräftenachfrage eher struktureller als vorübergehender oder saisonaler Natur ist. Bekanntlich bieten Vollzeitstellen höhere Löhne und mehr Beschäftigungssicherheit als Teilzeitjobs. Dieser Faktor wirkt sich auf die Lohndynamik aus und beeinflusst damit indirekt das Inflationswachstum. Daher signalisieren die „australischen Non-Farms“ robuste Trends.

Trotz des starken Arbeitsmarkts werden die nächsten Zinsschritte der RBA jedoch vom Verbraucherpreisindexbericht (CPI) für das erste Quartal abhängen, der Ende April veröffentlicht wird. Dies ist das „letzte fehlende Puzzleteil“ für die RBA vor der richtungsweisenden Sitzung im Mai.

Die Veröffentlichung vom Donnerstag hat die Position des Aussie allerdings schon im Vorfeld gestärkt.

Zusätzliche Unterstützung für das Währungspaar AUD/USD kam von den am Donnerstag veröffentlichten Daten zum chinesischen BIP-Wachstum. Demnach ist die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres im Jahresvergleich um 5,0 % gewachsen, während die meisten Analysten nur mit einem Zuwachs von 4,8 % gerechnet hatten. Bemerkenswert ist auch, dass der Indikator in den drei vorangegangenen Quartalen einen Abwärtstrend aufwies und im vierten Quartal 2025 auf 4,5 % gefallen war. In diesem Jahr hat die chinesische Wirtschaft jedoch wieder Fahrt aufgenommen und zeigt ihre Fähigkeit, sich an externe Schocks anzupassen (einschließlich der Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten).

Auf Quartalssicht betrug das Wachstum 1,3 % gegenüber dem Vorquartal. Das aktuelle chinesische BIP-Wachstum liegt damit am oberen Rand des vom chinesischen Staat vorgegebenen Jahresziels (4,5–5,0 %).

Mit Blick auf die Struktur des Berichts ist hervorzuheben, dass der Industriesektor zum Hauptmotor des Wachstums geworden ist. Dieser Bereich (Industrieproduktion) legte im Quartal um 6,1 % zu. Den größten Beitrag leistete dabei der Hightech-Sektor: etwa die Produktion von Halbleitern und Energie (insbesondere Lithiumbatterien und Anlagen für erneuerbare Energien). Wie bekannt ist China Australiens wichtigster Handelspartner und steht für rund ein Drittel der australischen Exporte (Eisenerz, Kohle und Gas). Starke chinesische BIP-Daten deuten darauf hin, dass die gesicherte Nachfrage nach australischen Rohstoffen anhalten wird – ebenso wie ein stabiler Zufluss von Exporterlösen.

Damit stützt das aktuelle fundamentale Umfeld einen weiteren Anstieg von AUD/USD. Dies wird auch durch die technische Analyse bestätigt: Auf allen höheren Zeitrahmen notiert das Währungspaar zwischen der mittleren und der oberen Linie der Bollinger-Bänder sowie oberhalb sämtlicher Linien des Ichimoku-Indikators, der auf den H4- und W1-Charts ein bullisches „Parade of Lines“-Signal gebildet hat. Korrektive Rücksetzer sollten genutzt werden, um Long-Positionen zu eröffnen – mit dem ersten (und derzeit einzigen) Kursziel bei 0,7200, was der oberen Bollinger-Band-Linie im Tageschart entspricht.