Es ist schwierig, sich der USD/JPY-Rallye entgegenzustellen, wenn sie durch die Dollarstärke im Zuge des Konflikts im Nahen Osten angetrieben wird. Doch das wachsende Anlegervertrauen in das Zustandekommen eines Friedensabkommens hat dem Greenback seinen wichtigsten Vorteil genommen. Gleichzeitig sieht sich die japanische Regierung nun mit einem anderen Problem konfrontiert – einem schwachen Yen. Wie die US‑Währung gilt er als sicherer Hafen. Zugleich treiben die Rallye im S&P 500 und die Zurückhaltung der BoJ bei Zinserhöhungen das Währungspaar weiter nach oben.
Rund 38 % der von Reuters befragten Experten nannten den April als Monat für die nächste Anhebung des Tagesgeldsatzes von 0,75 % auf 1 %, während 35 % den Juli bevorzugten. Allerdings signalisiert die Bank of Japan normalerweise im Vorfeld der nächsten Sitzung des Direktoriums eine anstehende geldpolitische Straffung.
Diesmal gab Kazuo Ueda jedoch keine entsprechenden Signale. Der Zentralbankchef sprach von zweiseitigen Risiken, die sich aus dem Konflikt im Nahen Osten ergeben. Auf der einen Seite steigen die Chancen auf höhere Inflation, auf der anderen Seite nimmt das Risiko eines schwächeren Wirtschaftswachstums zu. Unter solchen Bedingungen eine Entscheidung zu treffen, ist äußerst schwierig. Die beste Option ist es, abzuwarten und zu beobachten.
Dynamik der Wahrscheinlichkeit einer BoJ-Anhebung des Tagesgeldsatzes im April
Nach dieser eher „hawkishen“ Rede von Kazuo Ueda reduzierte der Terminmarkt die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung im April von 55 % auf 19 %, was Druck auf den Yen ausübte.
Auch die Anhänger des Yen wurden durch Äußerungen von Satsuki Katayama verunsichert. Die Finanzministerin erklärte, dass die japanische Regierung bereit sei, entschlossene Maßnahmen gegen Devisenspekulanten zu ergreifen. Diese Maßnahmen würden in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten erfolgen. Angeblich seien Deviseninterventionen nach einem persönlichen Treffen mit Scott Bessent vereinbart worden.
Entwicklung von USD/JPY und Deviseninterventionen Japans
Eine koordinierte Intervention am Devisenmarkt, ähnlich dem Plaza-Abkommen von 1985, wäre weitaus wirksamer als die zuvor von Tokio ergriffenen einseitigen Maßnahmen. Es ist jedoch anzumerken, dass auch diese früheren Interventionen erfolgreich waren. Der Aufwärtstrend von USD/JPY wurde sowohl 2022 als auch 2024 umgekehrt, als Japan günstige Zeitpunkte wählte – nämlich dann, als der US‑Dollar gegenüber wichtigen Weltwährungen an Wert verlor.
Etwas Ähnliches könnte sich jetzt abspielen. Die Deeskalation des geopolitischen Konflikts im Nahen Osten nimmt dem Dollar seinen wichtigsten Vorteil – die starke Nachfrage nach sicheren Häfen. Infolgedessen kehren andere Weltwährungen zu ihren Vorkonfliktniveaus zurück. Der Yen ist dazu jedoch noch nicht in der Lage, da er selbst als sicherer Hafen gilt. Zudem hat die BoJ deutlich gemacht, dass sie ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit nicht straffen wird.
Aus technischer Sicht zeigt der tägliche USD/JPY-Chart zwei entgegengesetzte Pin-Bars mit langen Dochten und eine erfolglose Inside-Bar – klare Anzeichen einer Konsolidierung. Es erscheint sinnvoll, Käufe oberhalb von 159,5 in Betracht zu ziehen und im Fall eines Durchbruchs unter das Fair-Value-Niveau bei 158,7 zu verkaufen.