EUR/USD bleibt stabil, da Händler trotz der Lage im Nahen Osten auf Diplomatie setzen

Das Währungspaar EUR/USD eröffnete die Handelswoche mit einem kleinen Abwärts-Gap als Reaktion auf die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten. Der Handel am Freitag schloss bei 1,1766, während das Paar heute bei 1,1754 eröffnete. Der entscheidende Punkt ist hierbei nicht das Gap nach Süden selbst, sondern die verhaltene Marktreaktion auf die Eskalationssignale: Die Kurslücke beträgt lediglich 12 Pips, und der Markt zeigt keinen Abwärtsimpuls. Das Paar bewegte sich im mittleren Bereich der 1,17er-Marke und spiegelt damit die Unentschlossenheit sowohl der Käufer als auch der Verkäufer wider. Dies deutet darauf hin, dass die Händler trotz der düsteren Nachrichtenlage weiterhin auf eine diplomatische Lösung des Konflikts im Nahen Osten setzen, auch wenn die jüngsten Ereignisse eher in die entgegengesetzte Richtung weisen.

Beginnen wir mit der Tatsache, dass Iran die zweite Verhandlungsrunde mit den USA abgelehnt hat, die heute in Islamabad stattfinden sollte. Marktteilnehmer bringen diese Entscheidung mit der anhaltenden Blockade der iranischen Häfen in Verbindung. Washington wiederum knüpft jede Aufhebung der Blockade an ein Friedensabkommen – mit anderen Worten: erst ein Abkommen, dann die Aufhebung der Blockade.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten ein Frachtschiff unter iranischer Flagge angegriffen und aufgebracht, das nach Angaben des US-Militärs versucht haben soll, ihre Seeblockade in der Nähe der Straße von Hormus zu umgehen. Vertreter des gemeinsamen Militärkommandos Irans erklären, iranische Streitkräfte hätten im Gegenzug US-Schiffe mit Kampfdrohnen angegriffen.

All diese Ereignisse lassen ein baldiges Ende des Konflikts fraglich erscheinen. Die Lage verschärft sich zusätzlich dadurch, dass der zweiwöchige Waffenstillstand zwischen den USA und Iran bereits in zwei Tagen, am 22. April, ausläuft. Ob die Parteien ihn verlängern können oder ob die Feindseligkeiten wieder aufflammen, bleibt offen.

Wie lässt sich der übertriebene Optimismus der Trader erklären? Statt sich in Richtung der Basis der 17er-Zone zu bewegen, versucht das Paar nun, das südliche Gap zu schließen und zeigt eine schwer erklärbare Widerstandskraft.

Meines Erachtens messen Marktteilnehmer derzeit jedem, selbst dem schwächsten und brüchigsten Signal einer möglichen Wiederaufnahme der Gespräche übergroße Bedeutung bei. So berichteten beispielsweise Medien gestern, dass Washington trotz des bereits erwähnten Vorfalls in der Straße von Hormus weiterhin eine Verhandlungsdelegation nach Islamabad entsendet, angeführt vom US-Vizepräsidenten J. D. Vance. Den Meldungen zufolge soll das Verhandlungsteam am Montagabend, also heute, in Pakistan landen.

Damit drängt sich eine logische Frage auf: Ist die von der zweithöchsten politischen Amtsperson der USA angeführte US-Delegation tatsächlich ans andere Ende der Welt geflogen, ohne eine Bestätigung für die Teilnahme Irans zu haben? Diese Frage ist, wie man so sagt, mit einem Sternchen versehen.

Der Punkt ist, dass die Berichte über eine Absage Irans an die zweite Verhandlungsrunde nach wie vor inoffiziell sind. Lediglich iranische Medien meldeten unter Berufung auf anonyme Quellen, dass die Gespräche nicht stattfinden würden. Offizielle Vertreter Irans haben sich zu den von Trump angekündigten Verhandlungen bislang nicht geäußert.

Außerdem berichten pakistanische Medien, dass die lokalen Behörden die Sicherheitsmaßnahmen in Islamabad bereits verstärkt haben – üblicherweise ein Hinweis auf Vorbereitungen für Treffen hochrangiger Delegationen.

Die Intrige bleibt bestehen – und mit ihr die Hoffnung auf eine diplomatische Beilegung des Konflikts. Wie bereits erwähnt, deutet der Markt jedes Anzeichen von Zweifel an einer weiteren Eskalation als negativ für den sicheren Hafen US-Dollar.

So verbleiben EUR/USD-Trader trotz des düsteren Nachrichtenumfelds und der kriegerischen Rhetorik beider Seiten in einer Art Schwebezustand.

Auf der einen Seite erklärt Teheran, ein Dialog sei unmöglich, solange die Seeblockade nicht aufgehoben werde. Auf der anderen Seite verhindert die Ankunft der US-Delegation (die im Übrigen auf Anweisung von Donald Trump entsandt wurde), dass an den Märkten eine Panik im großen Stil ausbricht. Der Vorfall mit dem iranischen Schiff löste keinen Anstieg der Risikoaversion aus.

Aus diesem Grund vermeiden Trader das Eingehen großer Positionen, da der Ausgang der Gespräche (sofern sie überhaupt stattfinden) sich als Durchbruch – Verlängerung des Waffenstillstands oder sogar Rahmenvereinbarung zur Beendigung des Krieges – oder als Katastrophe – Wiederaufnahme der Feindseligkeiten und Abbruch des Verhandlungsprozesses – erweisen könnte. Unter solchen Unsicherheitsbedingungen wirkt jede Handelsentscheidung leider gleichermaßen riskant, da die Waage sowohl in Richtung Deeskalation als auch in Richtung weiterer Eskalation ausschlagen kann.

All dies spricht dafür, dass eine abwartende Haltung gegenüber EUR/USD weiterhin angebracht ist. Derzeit beobachten wir, bildlich gesprochen, die Ruhe vor dem Sturm. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, in welche Richtung die „Winde der Volatilität“ wehen werden. Daher ist es unter den aktuellen Umständen vorzuziehen, dem Markt fernzubleiben.