EUR/USD: Smart Money — Es wird keine Verhandlungen geben

Das Währungspaar EUR/USD setzt seinen moderaten korrektiven Rückgang in dieser Woche fort. Ich kann nicht behaupten, dass die Nachrichtenlage dieser Woche die Bären stützt, doch gleichzeitig kippt der geopolitische Faktor erneut zugunsten des US-Dollar. In den vergangenen fünf Tagen hat der Markt ein Dutzend Meldungen erhalten, wonach die Verhandlungen zwischen Iran und den USA „morgen“ stattfinden sollten – allesamt wurden von Teheran dementiert. Der gesamte Nachrichtenstrom läuft nun auf sich abwechselnde Aussagen hinaus: „Die Gespräche werden stattfinden“ und „nein, doch nicht“. Da Iran sich weiterhin strikt weigert, sich mit der US-Delegation zu treffen, rechnet der Markt erneut verstärkt mit einer möglichen Wiederaufnahme des Krieges im Nahen Osten. Ich gehe nicht davon aus, dass ein erneuter Konflikt den Bären genügend Unterstützung bieten würde, um EUR/USD unter das letzte Tief bei etwa 1,1400 zu drücken, aber der Euro könnte in Richtung Imbalance 13 fallen.

Die Aufwärtsbewegung begann nach einer Reaktion auf die bullische Imbalance 12. Dadurch erhielten Trader die Möglichkeit, Long-Positionen zu eröffnen, die sich aktuell deutlich im Gewinn befinden. Nun können sie entscheiden, ob sie ihre Gewinne sichern oder auf weiteres Wachstum warten. Das geopolitische Umfeld ist derzeit besser als noch vor einigen Wochen, was die deutliche Verbesserung der bullischen Stimmung erklären dürfte. Allerdings könnte sich die Stimmung rasch zugunsten der Bären drehen, falls der Konflikt im Nahen Osten wieder aufflammt. Aus technischer Sicht haben sich bislang weder bärische Signale noch entsprechende Muster gebildet, weshalb ich nicht mit einem starken Rückgang des Euro rechne.

Außerdem ist hervorzuheben, dass der gesamte Anstieg des US-Dollar in den letzten 1,5–2 Monaten ausschließlich von geopolitischen Faktoren getrieben war. Sobald die USA und Iran sich auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt hatten, zogen sich die Bären unmittelbar zurück und die Bullen strömten zurück in den Markt. Der Waffenstillstand ist derzeit zwar fragil, hält aber noch an – trotz gescheiterter Gespräche am vergangenen Samstag und weiterer Absagen am Montag, Dienstag und Mittwoch. Ich habe wiederholt betont, dass ich nicht davon ausgehe, dass der übergeordnete Aufwärtstrend bereits beendet ist, auch wenn wichtige strukturelle Tiefs unterschritten wurden. Die Kursbewegungen der letzten beiden Monate könnten sich nur dann in einen bärischen Trend verwandeln, wenn sich die geopolitische Lage deutlich verschlechtert. Allerdings preisen die Märkte häufig im Vorfeld das schlechteste Szenario ein und versuchen, die extremsten möglichen Entwicklungen zu antizipieren. Daher ist es durchaus möglich, dass der Nahostkonflikt bereits vollständig eingepreist ist.

Das technische Bild ist derzeit klar. Erstens zeigte der Kurs keinerlei Reaktion auf die Imbalance 11. Zweitens reagierte er auf die Imbalance 12 und generierte damit ein bullisches Signal innerhalb eines bullischen Trends. Drittens hat sich eine neue bullische Imbalance 13 gebildet, die sowohl eine potenzielle Kaufzone als auch einen Unterstützungsbereich für den Euro darstellt.

Die Nachrichtenlage am Mittwoch war nahezu ereignislos. Die einzige Meldung war, dass an diesem Tag kein Treffen zwischen Iran und den USA stattfinden würde. Niemand weiß, wann es nachgeholt wird. Ebenso unklar ist, wie lange Donald Trump bereit ist zu warten oder ob er gewillt ist, die militärischen Aktionen im Nahen Osten wieder aufzunehmen.

Es gibt nach wie vor zahlreiche Gründe dafür, dass die Bullen auch im Jahr 2026 aktiv bleiben, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese nicht zunichtegemacht. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps politische Leitlinien – die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollar geführt haben – nicht verändert. Kurzfristig kann der US-Dollar phasenweise durch eine Flucht in sichere Häfen zulegen, doch dafür wäre eine dauerhafte Eskalation im Nahen Osten nötig, was eher unwahrscheinlich ist. Bereits eine zweiwöchige Atempause hat ausgereicht, damit sich der Euro um 60 % erholen konnte. Weitere starke, den US-Dollar stützende Faktoren sind derzeit nicht erkennbar. Ich gehe weiterhin nicht von einem nachhaltigen bärischen Trend beim Euro aus. Der Dollar hat vorübergehende Unterstützung erhalten, doch was soll die Bären langfristig antreiben?

Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:

Deutschland — Einkaufsmanagerindex (EMI) Verarbeitendes Gewerbe (07:30 UTC)Deutschland — Einkaufsmanagerindex (EMI) Dienstleistungen (07:30 UTC)Eurozone — Einkaufsmanagerindex (EMI) Verarbeitendes Gewerbe (08:00 UTC)Eurozone — Einkaufsmanagerindex (EMI) Dienstleistungen (08:00 UTC)USA — Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (12:30 UTC)USA — Einkaufsmanagerindex (EMI) Verarbeitendes Gewerbe (13:45 UTC)USA — Einkaufsmanagerindex (EMI) Dienstleistungen (13:45 UTC)

Am 23. April umfasst der Wirtschaftskalender sieben Veröffentlichungen, wobei die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone im Fokus stehen. Insgesamt dürfte der Einfluss der Nachrichtenlage auf die Marktstimmung am Donnerstag jedoch eher gering bleiben.

EUR/USD-Prognose und Trading-Empfehlungen:

Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin im Prozess der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Informationshintergrund hat sich vor zwei Monaten zwar drastisch verändert, doch der Trend selbst kann bislang weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten. Daher können die Bullen ihre Aufwärtsbewegung kurzfristig fortsetzen, sofern die geopolitische Lage nicht unerwartet wieder deutlich in Richtung Eskalation kippt.

Trader hatten die Möglichkeit, auf Basis des Signals der Imbalance 12 Long-Positionen zu eröffnen, und die Aufwärtsbewegung kann sich in Richtung der Jahreshöchststände fortsetzen. Zudem hat sich eine neue Imbalance 13 gebildet, die künftig ein weiteres bullisches Signal liefern könnte. Für einen ungetrübten und anhaltenden Anstieg des Euro müsste der Konflikt im Nahen Osten in Richtung eines stabilen Friedens tendieren – was derzeit nicht der Fall ist. Gleichzeitig erhalten die Bären aber auch keine neuen Argumente für einen Angriff. Vorerst würde ich mich in erster Linie auf die technische Analyse stützen.