EUR/USD – 23. April: Amerika bereitet sich auf einen langwierigen Krieg vor

Das Währungspaar EUR/USD setzte seine Abwärtsbewegung am Mittwoch fort, nachdem es sich unterhalb des 50,0%-Retracement-Levels bei 1,1745 konsolidiert hatte, und steuerte auf das nächste Fibonacci-Level von 38,2% bei 1,1666 zu. Ein erneuter Anstieg vom Niveau 1,1666 würde den Euro begünstigen und zu einem gewissen Aufwärtsimpuls in Richtung 1,1745 führen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1666 würde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs in Richtung des 23,6%-Retracement-Levels bei 1,1568 erhöhen.

Die Wellensituation im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat sechs vorherige Hochs durchbrochen, während die neue Abwärtswelle sich dem letzten Tief nicht annähern konnte. Ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten unterstützte die Bullen und ermöglichte ihnen die Ausbildung einer starken Aufwärtswelle. Somit ist der aktuelle Trend „bullish“. In naher Zukunft könnte sich der geopolitische Hintergrund jedoch wieder verschlechtern, was den Bären mehr Stärke und Zuversicht verleihen würde. Um den bullischen Trend zu brechen, wären allerdings zwei Abwärtswellen oder ein Durchbruch unter das Tief vom 6. April erforderlich.

Am Mittwoch gab es keine Konjunkturdaten, doch den ganzen Tag über trafen weiterhin Nachrichten aus dem Weißen Haus und dem Nahen Osten ein. Iran lehnte erneut Washingtons Vorschlag ab, eine zweite Verhandlungsrunde abzuhalten, während Donald Trump beschloss, den Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit zu verlängern und später erklärte, der Krieg im Iran habe keine Frist. Der US-Präsident ist der Ansicht, dass die Festlegung von Zeitrahmen die ohnehin schon schwierigen Beziehungen zu Iran nur verkomplizieren würde und es keinen Grund gebe, die Verhandlungen mit Teheran zu überstürzen. Trump bestätigte, dass die Blockade der iranischen Häfen in Kraft bleibt, bis die Konfliktparteien ein Abkommen unterzeichnen können. Zuvor hatte der US-Präsident sich geweigert, die Blockade aufzuheben, da er glaubte, dass dies den Abschluss eines Abkommens unmöglich machen würde. Iran hat bislang nicht auf Trumps jüngste Äußerungen reagiert, und auch die Devisenhändler ziehen es vor, auf aussagekräftigere Informationen zu warten als „wir werden warten“. Nichtsdestotrotz befinden sich die Bären derzeit in einer vorteilhafteren Position, da der Konflikt sich erneut von einem Kurs in Richtung Waffenstillstand zurück hin zu einer Eskalation bewegt.

Im 4-Stunden-Chart prallte das Paar vom 38,2%-Retracement-Niveau bei 1,1849 ab, drehte zugunsten des US-Dollars und fiel in Richtung des 61,8%-Fibonacci-Niveaus bei 1,1706. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1706 würde es den Tradern ermöglichen, mit einem weiteren Rückgang in Richtung des nächsten Korrektur-Niveaus von 76,4% bei 1,1617 zu rechnen. Ein Abprall von 1,1706 würde den Euro begünstigen und zu einem gewissen Anstieg in Richtung 1,1778 führen. Auf keinem Indikator sind heute aufkommende Divergenzen zu beobachten.

Commitments of Traders (COT)-Bericht:

In der jüngsten Berichtswoche eröffneten professionelle Händler 13.693 Long-Positionen und schlossen 19.866 Short-Positionen. In den vergangenen sieben Wochen ist der gesamte Vorteil der Bullen jedoch weitgehend verpufft. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen beläuft sich nun auf 214.000, während die Short-Positionen bei 188.000 liegen. Noch vor zwei Monaten war der Vorsprung der Bullen unter den Non-Commercial-Tradern mehr als doppelt so groß.

Langfristig zeigen große Marktteilnehmer insgesamt weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen unterschiedliche globale Ereignisse – an denen es in den vergangenen Jahren keinen Mangel gab – die Anlegerstimmung. Insbesondere bleibt der Fokus des Marktes auf dem Nahen Osten, wo der Krieg nur unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und US‑Dollar in naher Zukunft weniger an der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB oder an Konjunkturdaten orientieren, sondern vielmehr an den Entwicklungen im Krieg im Iran. Der Dollar kann in dieser Situation weiterhin mit einem Vorteil rechnen.

Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Europäische Union:

Deutschland – Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (07:30 UTC).Deutschland – Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (07:30 UTC).Eurozone – Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (08:00 UTC).Eurozone – Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (08:00 UTC).USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC).USA – Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (13:45 UTC).USA – Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (13:45 UTC).

Am 23. April umfasst der Wirtschaftskalender sieben Veröffentlichungen, wobei das größte Interesse den Einkaufsmanagerindizes der Eurozone gilt. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Donnerstag erneut gering ausfallen.

EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:

Verkäufe des Währungspaares waren nach einem Rückprall vom Niveau 1,1824 im Stundenchart und nach einer Konsolidierung unter 1,1745 möglich. Das aktuelle Ziel liegt bei 1,1666. Ich empfehle Käufe bei einem Rückprall von 1,1666 mit Ziel 1,1745. Die Handelsaktivität der Marktteilnehmer war in den letzten Tagen gering.

Die Fibonacci-Niveaus werden im Stundenchart von 1,2082 bis 1,1410 und im 4‑Stunden‑Chart von 1,1474 bis 1,2082 angelegt.