Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Es gibt nach wie vor keinen Hinweis darauf, dass der Aufwärtstrendabschnitt (unterer Chart), der im Januar letzten Jahres begonnen hat, aufgehoben wurde. Allerdings wirkt die Wellenstruktur selbst nun ziemlich uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich stets, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um kurzfristige Prognosen zu erstellen – das genügt in der Regel für das Eröffnen von Trades. Wellenstrukturen können sehr komplex werden und mehrere Szenarien zulassen. Der einfachste Ansatz ist es, auf Basis der klassischen „Fünf-Drei“-Muster zu handeln.
Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfwellige Impulsstruktur mit verlängerter dritter Welle erkennen. Wenn dies tatsächlich der Fall ist, dann ist die Ausbildung dieser Struktur abgeschlossen und aktuell entfaltet sich ein Korrekturmuster aus mindestens drei Wellen. Drei Wellen haben wir bereits gesehen, daher könnte der Markt schon bald mindestens eine weitere Korrekturwelle ausbilden. Die weitere Entwicklung hängt von der Geopolitik ab: Entweder entsteht eine komplexere Korrektur, oder es beginnt ein neuer Abwärtssegment des Trends.
Das Währungspaar EUR/USD fiel am Donnerstag um weitere 20–30 Basispunkte bei geringer Volatilität. Die Marktteilnehmer hätten ihren Fokus von den weitgehend ereignisarmen geopolitischen Nachrichten auf die Konjunkturdaten verlagern können. Allerdings kann man nicht sagen, dass die Einkaufsmanagerindizes (PMI) aus Deutschland und der Eurozone den Handel beeinflusst hätten.
In Deutschland lag der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe bei 51,2 (im Rahmen der Erwartungen), während der Index für den Dienstleistungssektor 46,9 betrug (deutlich unter den Erwartungen). In der Eurozone stieg der Index für das verarbeitende Gewerbe auf 52,2, während der Dienstleistungssektor auf 47,4 zurückging. Damit waren zwei von vier Indikatoren positiv und zwei negativ. Die schwache Kursbewegung deutet darauf hin, dass der Markt diese Veröffentlichungen weitgehend ignoriert hat.
Weitere wichtige Berichte gab es nicht. In den USA wurden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht, doch diese Daten gelten in der Regel als wenig aussagekräftig für die Beurteilung des Arbeitsmarktes, da sie wöchentlich erscheinen und selten die Stimmung beeinflussen. Außerdem wurden PMI-Daten von S&P veröffentlicht (vergleichbar mit den europäischen Indikatoren), doch der Markt orientiert sich eher an den monatlich erscheinenden ISM-Indizes. Infolgedessen kam es zu keiner nennenswerten Bewegung, auch wenn das Paar bis zum Tagesende noch leichte Ausschläge zeigen könnte.
Der Markt bleibt weiterhin auf die Geopolitik fokussiert, obwohl sich seit etwa einer Woche keine größeren Ereignisse ergeben haben. Tag für Tag gibt es dieselben Meldungen: Die Straße von Hormus bleibt geschlossen, und Verhandlungen zwischen Teheran und Washington werden diskutiert, haben aber bisher nicht stattgefunden.
Auf Grundlage der Analyse befindet sich EUR/USD im größeren Bild weiterhin in einem Aufwärtstrendabschnitt (unterer Chart), während sich das Paar kurzfristig in einer Korrekturphase befindet. Die Korrekturwellenstruktur wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte nur dann komplexer und ausgedehnter werden, wenn ein stabiler, langfristiger Waffenstillstand zwischen Iran, den USA, Israel und anderen Ländern im Nahen Osten zustande kommt.
Andernfalls könnte sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue abwärts gerichtete Wellenstruktur bilden – oder die Korrektur könnte sich fortsetzen.
Im kleineren Zeitrahmen ist der gesamte Aufwärtstrendabschnitt sichtbar. Die Wellenstruktur ist etwas untypisch, da sich die Korrekturwellen in ihrer Größe unterscheiden. So ist beispielsweise die größere Welle 2 kleiner als die innere Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Fälle kommen vor. Es ist besser, sich auf klare und verständliche Strukturen zu konzentrieren, anstatt zwanghaft jede einzelne Welle zu beschriften. Eine Trendwende könnte in naher Zukunft erfolgen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse
Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich häufig.Wenn keine ausreichende Sicherheit über die Marktlage besteht, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.Absolute Gewissheit über die Marktrichtung ist unmöglich – daher immer Stop-Loss-Orders verwenden.Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.