EUR/USD: Wöchentliche Vorschau. Fed, EZB, PCE und mehr: Die letzte Aprilwoche verspricht laut zu werden

Die kommende Woche verspricht, aufschlussreich und folglich volatil zu werden. Die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank halten ihre April-Sitzungen ab, während in den USA ein Block wichtiger makroökonomischer Daten veröffentlicht wird: der Kern-PCE-Index, das BIP-Wachstum, der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und der Verbrauchervertrauensindex. Darüber hinaus wird der Markt auf die geopolitische Lage reagieren, vor dem Hintergrund des faktischen Stillstands im diplomatischen Prozess zwischen den USA und Iran.

Mit anderen Worten: EUR/USD-Händler dürften sich in der kommenden Woche kaum langweilen – es ist mit einem gut gefüllten Nachrichtenfluss und einer hohen Wahrscheinlichkeit ausgeprägter Kursausschläge zu rechnen.

Die Fed und die EZB

Am Mittwoch, den 29. April, schließt die U.S. Federal Reserve ihre jüngste Sitzung ab. Die überwiegende Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass die Notenbank alle geldpolitischen Parameter unverändert lassen wird. Laut dem CME FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario bei 99 %.

Es wird zudem erwartet, dass die Notenbank eine vorsichtige Rhetorik wählt und für die kommenden Monate eine abwartende Haltung signalisiert. Die Fed wird wahrscheinlich einräumen, dass der Fortschritt in Richtung Inflationsziel nachgelassen hat, wie der Kern-PCE-Index zeigt, der weiterhin bei rund 3 % liegt. Gleichzeitig dürfte die Notenbank darauf hinweisen, dass der US-Arbeitsmarkt trotz schwacher Beschäftigungszuwächse „widerstandsfähig“ bleibt. Die Kernaussage wäre somit, dass die jüngsten NFP-Berichte keinen Anlass für eine rasche geldpolitische Lockerung liefern.

Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass im begleitenden Statement auf geopolitische Risiken verwiesen wird, die zusätzliche Inflationsgefahren mit sich bringen.

All diese Punkte wurden von Vertretern der Fed bereits mehrfach angesprochen, sodass eine derartige Rhetorik die Marktteilnehmer kaum überraschen dürfte. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die April-Sitzung ein eher „durchlaufender Posten“ sein wird.

Es gibt allerdings einen Vorbehalt: Die anstehende Sitzung ist die letzte während der aktuellen Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Chef. Für ihn ist dies ein „Schlusspunkt“, der unter erheblichem Druck von Trump und der Nominierung von Kevin Warsh als nächstem Notenbankchef gesetzt wird. Entsprechend werden Journalisten auf der abschließenden Pressekonferenz nicht nur (im weiteren Sinne) zu Inflation, sondern auch zu seinen Plänen nach dem 15. Mai im Board of Governors zu bleiben und zu seiner Einschätzung der künftigen Unabhängigkeit der Fed nachfragen. Emotionale oder missverständliche Antworten könnten die Volatilität im EUR/USD-Paar erhöhen.

Zu beachten ist auch, dass das US-Finanzministerium seine Untersuchung gegen Jerome Powell eingestellt hat, was sich auf den Grad der Entschlossenheit in seiner Rhetorik auswirken könnte.

Kommen wir nun zur anstehenden Sitzung der European Central Bank, deren Ergebnisse am Donnerstag, den 30. April, bekannt werden. Nach Einschätzung der meisten Analysten wird auch die EZB alle geldpolitischen Parameter unverändert lassen. Zugleich dürfte die Notenbank angesichts der Entwicklung der wichtigsten makroökonomischen Kennzahlen ihre Rhetorik kaum verschärfen.

Zur Erinnerung: Die Gesamtinflation (CPI) im Euroraum hat sich im März auf 2,5 % im Jahresvergleich beschleunigt – das höchste Tempo seit Januar 2025. Allerdings ist der Kerninflationswert ohne Energie- und Lebensmittelpreise überraschend auf 2,3 % gesunken. Dies deutet darauf hin, dass der Inflationsanstieg im März im Euroraum eher durch externe, „energiebezogene“ Faktoren als durch interne „nachfrageseitige“ Faktoren getrieben war.

Gleichzeitig haben wichtige makroökonomische Indikatoren – wie die PMI-, ZEW- und IFO-Indizes – nicht nur bestehende Risiken widergespiegelt, sondern auch signalisiert, dass die Wirtschaft der Eurozone (insbesondere Deutschland) in eine Abschwungphase eingetreten ist. Die April-Werte fielen deutlich schwächer aus als erwartet; so rutschte etwa der zusammengesetzte PMI für Deutschland erstmals seit einem Jahr in den Kontraktionsbereich und brach auf 48,3 ein (nach 51,9 im März).

Unter diesen Bedingungen ist klar, dass eine Zinserhöhung die Wirtschaft „abwürgen“ könnte. Daher wird die Notenbank voraussichtlich eine abwartende Haltung einnehmen – ohne Hinweise auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik in absehbarer Zeit. Ein solches Ergebnis der April-Sitzung der EZB – eine „bärische Pause“ – könnte den Euro unter Druck setzen.

Makroökonomische Daten

Die wichtigsten makroökonomischen Veröffentlichungen der kommenden Woche stehen in den USA an.

Am Dienstag, den 28. April, wird der Consumer Confidence Index des Conference Board veröffentlicht. In den vergangenen zwei Monaten (Februar und März) zeigte der Indikator einen Aufwärtstrend und erreichte im März 91,8. Für April wird jedoch ein leichter Rückgang auf 89,4 erwartet. Sollte der Index entgegen den Erwartungen über dem März-Wert liegen, bekäme der Dollar zusätzlichen Rückenwind, da dies auf eine anhaltend robuste Konsumnachfrage und das Vertrauen der Amerikaner in ihre finanziellen Perspektiven hinweisen würde.

Am Mittwoch, den 29. April, werden in Deutschland wichtige Daten zum Inflationsanstieg veröffentlicht. Für gewöhnlich weisen deutsche und europäische Daten eine hohe Korrelation auf, sodass dieser Bericht Volatilität im EUR/USD-Paar auslösen könnte. Für April wird mit einer Beschleunigung der Inflation in Deutschland gerechnet: Die Gesamtinflation (CPI) soll auf 3,0 % im Jahresvergleich steigen, die Kerninflation auf 3,1 %.

Der Donnerstag (30. April) wird der ereignisreichste Tag der Woche. Zunächst werden die vorläufigen Daten zum Wirtschaftswachstum der Eurozone veröffentlicht. Die meisten Experten erwarten, dass das BIP im ersten Quartal im Jahresvergleich um 0,8 % zulegen wird, nach einem Wachstum von 1,2 % im Vorquartal. Zudem stehen Inflationsdaten für die Eurozone an: Die Gesamtinflation (CPI) dürfte sich auf 3,2 % beschleunigen, die Kerninflation auf 3,0 % steigen.

In der US-Handelssitzung am Donnerstag werden dann die vorläufigen Daten zum Wirtschaftswachstum in den USA für das erste Quartal veröffentlicht. Es wird damit gerechnet, dass das BIP um 1,5 % zunimmt, nach einem schwachen Wachstum von 0,5 % im vierten Quartal des Vorjahres. Am selben Tag wird auch der Wert des Kern-PCE-Index für März bekannt gegeben, der nach einem Rückgang auf 3,0 % im Februar wieder auf 3,1 % anziehen dürfte.

Am Freitag schließlich wird der ISM Manufacturing Index veröffentlicht. Über drei Monate (Januar, Februar, März) lag dieser Index auf Mehrjahreshochs und spiegelte damit die kräftige Erholung des verarbeitenden Gewerbes und die Ausweitung der Geschäftstätigkeit in der US-Industrie wider. Die meisten Analysten erwarten für April einen Wert von 53,2. Sollte sich diese Prognose bestätigen, wäre dies der höchste Stand des Indikators seit August 2022.

Geopolitik

Obwohl der Wirtschaftskalender der kommenden Woche mit wichtigen Ereignissen gefüllt ist, bleiben geopolitische Themen im Fokus der Händler. Jegliche bedeutende Eskalations- oder Deeskalationsschritte werden alle anderen fundamentalen Faktoren überlagern.

Erwähnenswert ist, dass Donald Trump die Reise seiner Sondergesandten (Witkoff und Kushner) nach Pakistan offiziell abgesagt hat. Der US-Präsident begründete dies damit, dass er keine „18-stündigen Flüge für leere Gespräche“ auf sich nehmen wolle. Unmittelbar nach der Absage der Reise erklärte Trump jedoch, er habe einen neuen Vorschlagskatalog aus Iran erhalten, den er als „deutlich besser als den vorherigen, aber immer noch nicht gut genug“ bezeichnete. Zugleich bleibt der unbefristete Waffenstillstand (am 8. April ausgerufen und am 21. April verlängert) formal in Kraft: Nach Angaben des Weißen Hauses bedeutet die Absage des Besuchs der US-Delegation „nicht automatisch die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen“.

Die Richtung des EUR/USD-Kurses wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten entwickeln. Sollten beide Seiten zu Verhandlungen bereit sein, dürfte das Interesse an Risikoanlagen, einschließlich des Euro, neu aufleben. Allerdings ist auch ein alternatives Szenario der Eskalation möglich. So könnten beispielsweise pro-iranische Gruppen in der Region wieder damit beginnen, amerikanische Stützpunkte anzugreifen (was insbesondere nach den jüngsten israelischen Luftschlägen auf den Libanon nicht unwahrscheinlich ist). Trump könnte dies als Vorwand nutzen, um den Waffenstillstand aufzukündigen und Raketen- sowie Bombenangriffe auf iranische Einrichtungen wiederaufzunehmen. In einem solchen Fall würde der als sicher geltende Dollar profitieren.

Technische Analyse

Aus technischer Sicht bewegt sich das EUR/USD-Paar im Tageschart zwischen der mittleren und der oberen Linie der Bollinger Bands, hält sich jedoch zugleich innerhalb der Kumo-Wolke und zwischen der Tenkan-sen- und der Kijun-sen-Linie auf. Im Vier-Stunden-Chart liegt der Kurs ebenfalls innerhalb der Kumo-Wolke und zwischen Kijun-sen und Tenkan-sen. All dies deutet auf eine vorherrschende Unsicherheit am Markt hin.

Long-Positionen sollten erst in Betracht gezogen werden, nachdem sich das Paar oberhalb des Widerstandsbereichs bei 1,1760 (Tenkan-sen-Linie im D1-Chart) stabilisiert hat. In diesem Fall würde der Ichimoku-Indikator ein bullisches „Line Cross“-Signal generieren. Der nächste Widerstand läge dann bei 1,1850 (obere Linie der Bollinger Bands im gleichen Zeitrahmen).

Verkaufspositionen kommen in Betracht, nachdem die Verkäufer die Unterstützung bei 1,1670 (untere Linie der Bollinger Bands im H4-Chart) durchbrochen haben. In diesem Szenario dürfte der Kurs in Richtung Basis der 1,16er-Region tendieren und die Unterstützung bei 1,1600 testen (untere Grenze der Kumo-Wolke im D1-Zeitrahmen).