Überblick über das Währungspaar EUR/USD. Wöchentliche Vorschau: EZB-Sitzung, BIP und Inflation

Das Währungspaar EUR/USD dürfte in der kommenden Woche deutlich volatilere Bewegungen verzeichnen als in der zurückliegenden. Das makroökonomische und fundamentale Umfeld wird über weite Teile der Woche prägend sein und lässt sich für Trader kaum ausblenden. Üblicherweise heißt es, dass die wichtigsten Ereignisse in den USA zu erwarten sind, und in den vergangenen zwei Monaten waren die bedeutendsten Entwicklungen vor allem geopolitischer Natur. In der kommenden Woche könnte der Markt jedoch aus mehreren Gründen endlich wieder stärker auf andere Faktoren achten.

Erstens haben die geopolitischen Spannungen zuletzt nachgelassen, was dem Euro ermöglicht hat, einen Großteil der Verluste aus Februar/März wieder aufzuholen. Zweitens kann der Markt nicht dauerhaft ausschließlich auf geopolitische Faktoren reagieren; derzeit bestehen rund 90 % des geopolitischen Nachrichtenstroms aus Gerüchten, Demagogie, Mutmaßungen und Annahmen. So meldeten die Medien am Freitag beispielsweise, dass Außenminister Abbas Araqchi zu Verhandlungen mit den USA nach Pakistan gereist sei. Am Samstagmorgen stellte sich jedoch heraus, dass Iran erneut eine Gesprächsaufnahme mit Washington abgelehnt hat. Auf einen solchen Nachrichtenfluss zu reagieren, ergibt daher nur bedingt Sinn. Sobald es tatsächlich zu Verhandlungen kommt, lassen sich deren Ergebnisse bewerten, Schlussfolgerungen ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

In der Eurozone gibt es in der kommenden Woche im Grunde nur einen wirklich wichtigen Tag – den Donnerstag. Dann werden die erste Schätzung des BIP der Eurozone für das 1. Quartal 2026 veröffentlicht, dazu der Verbraucherpreisindex für April, die Arbeitslosenquote sowie die EZB-Sitzung mit einer Rede von Christine Lagarde. Auch für Deutschland werden die Arbeitslosenquote und das BIP für das erste Quartal bekannt gegeben. Was ist von diesen Veröffentlichungen zu erwarten? Die Inflation könnte von derzeit 2,6 % auf 2,9 % anziehen, das BIP könnte im Quartalsvergleich um 0,2 % und im Jahresvergleich um 0,8 % wachsen, während die Europäische Zentralbank voraussichtlich alle drei Leitzinsen unverändert lassen wird.

In letzter Zeit kursierten Gerüchte, die EZB könne ihre Geldpolitik bereits im April straffen. Doch seit dem Waffenstillstand zwischen Iran und den USA und dessen unbefristeter Verlängerung durch Donald Trump deuten Vertreter des geldpolitischen Rats verstärkt auf eine Pause im April hin. Sollte sich der Konflikt zwar langsam, aber dennoch in Richtung einer Lösung bewegen und sich die Lage im Nahen Osten nicht weiter zuspitzen, könnte eine Straffung vorerst entbehrlich sein – auch wenn der jüngste Inflationsbericht darauf hindeutet, dass sie nötig werden könnte. Die EZB möchte jedoch zunächst eine Klärung in den Beziehungen zwischen Teheran und Washington abwarten, um besser einschätzen zu können, was als Nächstes droht: eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen oder ein Einfrieren des Konflikts durch langwierige Verhandlungen. Davon hängt ab, ob mit weiteren Anstiegen der Energiepreise und einer Beschleunigung der Inflation zu rechnen ist. Neue Daten und Prognosen werden die Entscheidungen über die künftige Entwicklung der Leitzinsen maßgeblich beeinflussen.

Die kommende Woche verspricht daher interessant zu werden: Eine Einigung zwischen den USA und Iran ist möglich, zumal Trump kaum bereit sein dürfte, noch ein paar Jahre zu warten, bis Iran zu Gesprächen bereit ist. Zudem finden die Fed-Sitzung und eine Reihe wichtiger Konjunkturberichte in den USA statt.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten fünf Handelstagen beträgt mit Stand 26. April 58 Pips und wird als „durchschnittlich“ eingestuft. Wir erwarten, dass das Paar am Montag in einer Spanne zwischen 1,1664 und 1,1780 gehandelt wird. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach unten gedreht, was auf einen Wechsel hin zu einem bärischen Trend hindeutet. Allerdings könnte sich der Aufwärtstrend für 2025 tatsächlich wieder fortsetzen. Der CCI-Indikator ist in den überkauften Bereich eingetreten und hat eine „bärische“ Divergenz ausgebildet, was auf eine Abwärtskorrektur schließen lässt.

Nächste Unterstützungszonen:S1 – 1,1658S2 – 1,1597S3 – 1,1536Nächste Widerstandszonen:R1 – 1,1719R2 – 1,1780R3 – 1,1841Handelsempfehlungen:

Das Währungspaar EUR/USD bleibt in einem Aufwärtstrend, da der Einfluss geopolitischer Faktoren auf die Marktstimmung nachlässt und sich die geopolitischen Spannungen verringern. Das übergeordnete fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt äußerst negativ, sodass wir langfristig weiterhin von einem Anstieg des Paares ausgehen. Befindet sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt, können aus technischer Sicht Short-Positionen mit Zielen bei 1,1664 und 1,1658 in Betracht gezogen werden. Oberhalb der Linie des gleitenden Durchschnitts sind Long-Positionen mit Zielen bei 1,1780 und 1,1841 relevant. Der Markt entfernt sich schrittweise vom geopolitischen Faktor, während der Dollar seinen einzigen Wachstumstreiber verliert.

Erläuterungen zu den Abbildungen:Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu erkennen. Zeigen beide in dieselbe Richtung, weist dies auf einen starken Trend hin.Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20,0, geglättet) bestimmt den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die aktuell gehandelt werden sollte.Murray Levels sind Zielniveaus für Bewegungen und Korrekturen.Volatilitätsniveaus (rote Linien) zeigen den wahrscheinlichen Preiskanal an, in dem sich das Paar am nächsten Tag auf Basis der aktuellen Volatilität bewegt.CCI-Indikator – sein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter -250) oder in den überkauften Bereich (über +250) zeigt an, dass eine Trendumkehr in die Gegenrichtung näher rückt.