GBP/USD: Smart-Money-Analyse – Das Pfund hängt den Euro ab

Das Währungspaar GBP/USD setzt seinen leichten korrektiven Rückgang fort, der nach der Bildung zweier bärischer Signale einsetzte: einem Liquidity Grab (markiert durch die rote Linie) und einer Reaktion auf Imbalance 16. In den vergangenen zwei Wochen blieb das Pfund jedoch innerhalb der bullischen Imbalance 19, konnte diese nicht aushebeln, hat den bullischen Bias beibehalten und ist in den letzten zwei Tagen deutlich gestiegen. Daher halte ich es für möglich, dass sich bereits heute ein Kaufsignal ausbildet. In diesem Fall dürfte die bärische Imbalance 16 den Bullen keinen Widerstand mehr leisten, da sie de facto bereits zweimal „abgearbeitet“ wurde. Weitere bärische Hindernisse für Käufer sind derzeit nicht erkennbar. Möglicherweise beobachten wir nun den Beginn eines neuen Impulses in Richtung der Jahreshochs.

Letzte Woche habe ich erwähnt, dass ein weiteres Wachstum des Pfunds an bestimmte Bedingungen geknüpft sei. Der Freitag und der Montag haben jedoch gezeigt, dass die Bullen auch ohne diese Bedingungen bereit sind, den Kurs nach oben zu treiben. Meiner Ansicht nach signalisiert das aktuelle Marktverhalten vor allem eines: Die Händler machen sich keine größeren Sorgen mehr über den Konflikt im Nahen Osten oder die steigenden Öl- und Gaspreise. Zuvor konnte der Dollar von diesen Faktoren deutlich profitieren, da ihn viele Marktteilnehmer als „sicheren Hafen“ betrachteten. Eine Safe-Haven-Währung wird jedoch nur dann benötigt, wenn Kapital Hochrisikoregionen verlassen will.

Der Konflikt im Nahen Osten befindet sich inzwischen in seiner neunten Woche. Alles Kapital, das risikoreiche Regionen und Jurisdiktionen verlassen wollte, hat dies höchstwahrscheinlich bereits getan. Daher steigt das Pfund derzeit nicht aus eigener Stärke, sondern weil der Dollar erneut schwächelt. Auf die Gründe für die Dollarschwäche gehe ich in nahezu jedem Beitrag ein.

Die jüngste Rallye des Pfunds begann mit einem „Three Drives Pattern“. Das bedeutet, dass die Händler bereits zu Beginn der Bewegung ein bullisches Signal erhielten und der Trend seither aufwärtsgerichtet ist. Derzeit ist die Waffenruhe äußerst fragil, und die beteiligten Parteien haben noch nicht entschieden, ob sie die Verhandlungen fortsetzen oder die Kampfhandlungen wieder aufnehmen. Die Gespräche könnten weitergehen – aber ebenso könnte der Konflikt wieder aufflammen.

Die Straße von Hormus steht weiterhin unter doppeltem Druck, während Teheran und Washington sich nicht auf eine neue Verhandlungsrunde einigen können. Bis Montag hat sich seit etwa einer Woche nichts geändert. Beide Seiten bekunden verbal ihre Gesprächsbereitschaft, doch in der Praxis werden keine echten Schritte unternommen.

Das „Three Drives Pattern“, das im Chart mit einem Dreieck gekennzeichnet ist, hat es den Bullen ermöglicht, die Kontrolle zu übernehmen. Imbalance 18 erlaubte es den Händlern, Long-Positionen einzugehen, und Imbalance 19 könnte heute eine weitere Gelegenheit dazu bieten. Damit könnten wir in dieser Woche innerhalb der laufenden Aufwärtsbewegung bereits das dritte bullische Signal sehen. Bärische Formationen und Liquidity Grabs bereiten den Bullen bislang keinerlei ernsthafte Probleme.

Am Montag gab es weder konjunkturelle Datenveröffentlichungen noch neue Meldungen zu Waffenruhe oder Verhandlungen seitens der USA oder des Iran. Der Iran ist der Ansicht, die Verantwortung liege nun bei den USA, während die USA davon ausgehen, dass der Ball im Feld des Iran liegt. Die Pause hält an – zumindest ohne aktive Kampfhandlungen.

In den Vereinigten Staaten deutet das übergeordnete Umfeld nach wie vor darauf hin, dass langfristig kaum etwas anderes zu erwarten ist als eine weitere Schwächung des Dollars. Selbst ein Konflikt zwischen Iran und den USA ändert an dieser Einschätzung wenig. Die Geopolitik hat das Interesse am Dollar als sicherem Hafen in den vergangenen zwei Monaten zwar kurzfristig wiederbelebt, doch insgesamt bleibt die langfristige Perspektive für den Dollar schwierig.

Der US-Arbeitsmarkt schwächt sich weiter ab, die Wirtschaft nähert sich einer Rezession, und die Federal Reserve – anders als die EZB und die Bank of England – dürfte 2026 ihre Geldpolitik voraussichtlich nicht straffen. In den USA hat es bereits vier große Proteste gegeben, die sich persönlich gegen Donald Trump richteten, und ein möglicher Weggang von Jerome Powell könnte die Lage für den Dollar weiter verschlechtern (insbesondere, wenn das FOMC unter Kevin Warsh einen deutlich moderateren Kurs einschlagen sollte). Aus wirtschaftlicher Sicht sehe ich keine Grundlage für einen stärkeren Dollar.

Wirtschaftskalender für die USA und das Vereinigte Königreich:

USA – ADP-Beschäftigungsänderung (12:15 UTC)

Am 28. April steht im Wirtschaftskalender nur ein sekundäres Ereignis. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Dienstag gering ausfallen.

GBP/USD Prognose und Trading-Empfehlungen:

Für das Pfund bleibt der langfristige Ausblick bullisch. Das „Three Drives Pattern“ lieferte frühzeitig ein Signal für mögliches Wachstum, gefolgt von der Ausbildung einer bullischen Imbalance und einem Kaufsignal. Der Kurs hat sich Liquidität aus bullischen Swings vom 10. März und 23. März sowie aus dem Swing vom 26. Februar geholt, doch es ist den Bären in keinem dieser Fälle gelungen, daraus eine nennenswerte Abwärtsbewegung zu entwickeln. Auch dies ist ein weiterer positiver Faktor für das Pfund – die Händler bleiben in einer bullischen Grundhaltung.

Unter den aktuellen Bedingungen erwarte ich daher trotz geopolitischer Faktoren eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Auch der Euro dürfte weiter steigen. Das Ziel für das Pfund ist das Hoch aus dem Jahr 2026. Die Reaktion auf Imbalance 16 hat eine Korrektur ausgelöst, doch eine Reaktion auf Imbalance 19 könnte den Händlern ein neues Kaufsignal liefern.