Die Handelsplätze reagierten in den letzten Tagen sensibel auf die sich verschärfende geopolitische Lage und auf Zinserwartungen. Am Dienstag verzeichnete Gold seinen größten Rückgang seit drei Wochen. Die hohen Ölpreise verstärken den Druck: Der Markt preist eine höhere Inflation ein und beurteilt neu, wie sich der Konflikt im Nahen Osten auf die Geldpolitik auswirken könnte.
Um 07:46 GMT lag der Spotpreis für Gold 1,1 % im Minus bei 4.628 US-Dollar je Unze – dem niedrigsten Stand seit dem 7. April. Die US-Gold-Futures für Juni fielen ebenfalls um 1,1 % auf 4.642,90 US-Dollar.
Dies ist ein wichtiges Signal für Händler: Normalerweise profitiert Gold von einer steigenden geopolitischen Prämie und einem schwachen Dollar, doch diesmal überwiegen die Kräfte, die mit der Aussicht auf unveränderte oder straffere Zinsen zusammenhängen, diese Unterstützung.
Präsident Trump und seine Sicherheitsberater unterstützten einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus nicht. Laut dem Wall Street Journal hätte die Initiative Gespräche über das iranische Atomprogramm verzögern können, doch das Weiße Haus lehnte sie ab. Eine Reaktion wird in Kürze erwartet.
Worin bestand der Vorschlag? Axios berichtete zuvor, dass Iran bereit gewesen sei, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, sofern Washington die Blockade von Schiffen aufhebt, die iranische Häfen ansteuern oder von dort ablegen. Infolge des Konflikts ist der tägliche Transit durch diese strategisch wichtige Route nahezu auf Null gefallen, was die Ströme von Rohöl, Erdgas und Raffinerieprodukten stark beeinträchtigt – und am Dienstag half, die Ölpreise nach oben zu treiben.
Mark Loeffert, Händler bei Heraeus Precious Metals, schrieb in einer Research-Notiz, dass eine unbegrenzte Verlängerung der Waffenruhe bei gleichzeitig fortbestehender Blockade der Straße von Hormus die „Unsicherheit am Markt erhöht“. Sein Szenario deutet darauf hin, dass eine Mischung aus wirtschaftlicher Stagnation und steigenden Preisen im Zeitverlauf Bedingungen für eine lang anhaltende Goldrally schaffen könnte.
Gleichzeitig zeigen die aktuellen Marktbewegungen die Kehrseite: Die geopolitischen Spannungen haben die Risiken für die Energieversorgung erhöht, schüren Inflationsängste und machen es wahrscheinlicher, dass die Zentralbanken die Zinsen unverändert lassen oder sogar anheben. In der Folge leiden nicht verzinste Anlagen – Gold hat seit Beginn des Konflikts Ende Februar rund 12 % an Wert verloren.
Edward Meir von Marex bemerkte: „Wenn eine Einigung – oder sogar ein Zwischenabkommen – zwischen den USA und dem Iran erzielt wird, dürfte der Dollar tendenziell schwächer werden, was den Goldpreis unterstützen könnte.“
Steigende Ölpreise können hingegen die Inflation beschleunigen, indem sie Transport- und Produktionskosten in die Höhe treiben und damit die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen erhöhen. Obwohl Gold häufig als Absicherung gegen Inflation gilt, machen höhere Zinsen ertragsbringende Alternativen attraktiver und verringern die Nachfrage nach dem nicht verzinsten Metall.
In dieser Woche werden die Entscheidungen der Zentralbanken der wichtigste Treiber sein. Marktteilnehmer erwarten, dass die Fed die Zinsen nach ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwoch unverändert lässt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt anderen Zentralbanken:
Die Bank of Japan hat am Dienstag ihren Leitzins bei 0,75 % belassen, doch abweichende Stimmen deuten auf eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juni hin und spiegeln die Sorge über inflationsbedingten Druck durch den Konflikt im Nahen Osten wider. Auch Entscheidungen der Europäischen Zentralbank, der Bank of England und der Bank of Canada werden erwartet.Für Händler ergibt sich daraus ein Mix aus zwei gegenläufigen Kräften: Geopolitische Risiken und eine mögliche Schwäche des Dollars könnten Gold mittelfristig stützen, doch kurzfristig dominieren Inflations- und Zinserwartungen und machen nicht verzinste Metalle weniger attraktiv.