Der Euro verliert an Attraktivität

Während der Euro zwischen steigenden Ölpreisen und Aktienmärkten pendelt, weisen die Kapitalströme klar den Weg für EUR/USD. Die europäischen Aktienmärkte werden von ihren US-Pendants deutlich übertroffen. Wenn die EZB im Jahr 2026 nicht zwei bis drei Straffungsschritte vollzieht, drohen die Staatsanleiherenditen auf dem Alten Kontinent spürbar zu fallen, was ihre Attraktivität verringert und die Kapitalflucht beschleunigt.

Europäische Aktien starteten mit einem positiven Grundton in das Jahr 2026. Niedrige Bewertungen, die Aussicht auf eine Beschleunigung des Wachstums im Euroraum, die Unsicherheit über die Politik von Donald Trump und ein Ausverkauf bei AI-Aktien in den USA verschafften Europa im Vergleich zu den amerikanischen Indizes eine vorteilhafte Ausgangsposition.

Wertentwicklung der US- und europäischen Aktienindizes

Der Konflikt im Nahen Osten hat dieses Bild auf den Kopf gestellt. Anstatt an Fahrt zu gewinnen, scheint die europäische Wirtschaft nun ums Überleben zu kämpfen. Das Risiko einer Wiederholung des Energieschocks von vor vier Jahren wächst. Je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto größer werden diese Risiken – und die Vorschläge der USA und des Iran zur Wiederöffnung dieser wichtigen Ölrouten sind nach wie vor gegenseitig unvereinbar.

Die Terminmärkte rechnen für 2026 weiterhin mit zwei Straffungsschritten der EZB, wobei die Wahrscheinlichkeit für einen dritten Schritt nicht bei null liegt. Diese Erwartungen werden durch den Anstieg der Verbraucher-Inflationserwartungen im Euroraum gestützt: für die nächsten 12 Monate (von 2,5% auf 4%), für drei Jahre (von 2,5% auf 3%) und für fünf Jahre (von 2,3% auf 2,4%).

Dynamik der Inflationserwartungen im Euroraum

Der Bloomberg‑Konsens rechnet für 2026 nur mit einer einzigen Anhebung des Einlagensatzes der EZB – im Juni – und erwartet, dass der Satz im nächsten Jahr wieder in Richtung 2 % sinkt, da sich die Konjunktur in der Eurozone abschwächt. Sollte sich der Futures‑Markt irren, könnten die Renditen deutscher Staatsanleihen fallen und ihre Attraktivität nachlassen, was Kapitalabflüsse von Europa in die USA auslösen und Druck auf das Währungspaar EUR/USD ausüben würde.

Eine schwache Konjunktur muss sich letztlich in der Währung niederschlagen. Zugleich hoffen Anleger derzeit auf ein rasches Ende des Konflikts im Nahen Osten und sind bereit, den US‑Dollar als sicheren Hafen zu verkaufen, während die US‑Aktienindizes weiter Rekordstände erreichen. Diese Faktoren haben den Rückgang des EUR/USD bislang begrenzt.

Umgekehrt würde eine länger anhaltende Schließung der Straße von Hormus den Ölpreis wahrscheinlich weiter nach oben treiben. In einem solchen Szenario legen die Währungen von Nettoenergieexporteuren in der Regel zu – und der US‑Dollar wäre da keine Ausnahme.

Aus technischer Sicht ist es dem EUR/USD nicht gelungen, den Widerstand an dem grünen gleitenden Durchschnitt im Tageschart zu testen, und das Währungspaar ist zum fairen Wert um 1,169 zurückgekehrt. Ein klarer Durchbruch unter dieses Niveau würde die Wahrscheinlichkeit weiterer Abwärtsbewegungen erhöhen und Short-Positionen im Euro gegenüber dem US‑Dollar rechtfertigen.