EUR/USD: 30. April – Fokus auf der Sitzung der Federal Reserve

Das Währungspaar EUR/USD setzte seine allmähliche Abwärtsbewegung am Mittwoch fort und testete am Mittwochmorgen das 38,2%-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 1,1666. Eine Konsolidierung unterhalb dieses Niveaus würde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs in Richtung des nächsten Fibonacci-Niveaus bei 23,6% – 1,1568 erhöhen. Ein Rebound von 1,1666 würde es Tradern ermöglichen, auf eine Umkehr zugunsten des Euro und einen gewissen Anstieg in Richtung des 50,0%-Retracement-Niveaus bei 1,1745 zu hoffen.

Die Wellensituation im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle konnte das vorherige Hoch nicht durchbrechen, während die neue Abwärtswelle das letzte Tief unterschritten hat. Ein vorübergehender Waffenstillstand zwischen Iran und den USA unterstützte die Bullen und ermöglichte ihnen die Ausbildung einer starken Aufwärtswelle. Nach drei Wochen lässt sich jedoch sagen, dass sich die geopolitische Lage erneut in eine ungünstige Richtung entwickelt. Berichten zufolge ist Donald Trump auf eine langanhaltende Blockade der Straße von Hormus vorbereitet, was die Hoffnungen auf Verhandlungen und Frieden zwischen Iran und den USA faktisch zunichtemacht. Die Bären gewinnen wieder an Zuversicht.

Am Mittwoch gab es zahlreiche Konjunkturdaten, doch keines dieser Ereignisse hatte spürbaren Einfluss auf die Kursbewegung des Währungspaares. Damit kommen wir zu dem Schlüsselergebnis des Tages, das ebenfalls keine Auswirkungen auf den Devisenhandel hatte. Das FOMC ließ die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert, und der bemerkenswerteste Kommentar von Jerome Powell war seine Absicht, auf unbestimmte Zeit Mitglied des geldpolitischen Ausschusses zu bleiben. Mit anderen Worten: Powell wird am 15. Mai die Führung an Kevin Warsh übergeben, aber weiterhin eine einflussreiche Figur innerhalb der Federal Reserve bleiben. Da Powell das FOMC nicht verlässt, wird Donald Trump keinen Nachfolger ernennen können, der die Anzahl der „Tauben“ im Ausschuss erhöhen könnte. Die Bären nutzen ihren Vorteil weiter aus, da die Fed-Politik in den kommenden Jahren tendenziell restriktiver bleiben dürfte, sich die geopolitische Lage erneut verschlechtert, die Aussichten auf Frieden und eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus gering sind und die Ölpreise ein Vierjahreshoch erreicht haben. In wenigen Stunden werden die Ergebnisse der Sitzung der European Central Bank bekanntgegeben, doch es ist eher unwahrscheinlich, dass sie starkes Interesse bei den Tradern wecken werden.

Im 4-Stunden-Chart hat das Währungspaar zugunsten des US-Dollars gedreht und sich unterhalb des 61,8 %-Fibonacci-Niveaus bei 1,1706 konsolidiert. Damit könnte die Abwärtsbewegung in Richtung des nächsten Korrekturlevels bei 76,4 % – 1,1617 anhalten. Die Bären haben die Initiative zurückgewonnen, was im Stundenchart deutlich erkennbar ist. In den Indikatoren sind derzeit keine neuen Divergenzen zu beobachten.

Commitments of Traders (COT) Report:

In der letzten Berichts­woche eröffneten professionelle Händler 2.768 Long-Positionen und schlossen 12.538 Short-Positionen. Über einen Zeitraum von sieben Wochen ist der zuvor bestehende Gesamtvorteil der Bullen zwar verschwunden, doch die vergangenen zwei Wochen zeigen, dass die Bullen ihren Vormarsch wieder aufgenommen haben. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt nun bei 217.000, verglichen mit 176.000 Short-Positionen. Die Lücke vergrößert sich damit erneut zugunsten des Euro.

Insgesamt zeigen große Marktteilnehmer langfristig weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Allerdings beeinflussen die globalen Entwicklungen – an denen es in den vergangenen Jahren nicht gemangelt hat – nach wie vor die Anlegerstimmung. Insbesondere bleibt der Fokus der Märkte auf dem Nahen Osten, wo der Krieg nur unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und US‑Dollar kurzfristig weniger an der Geldpolitik der Fed oder der EZB und an Konjunkturdaten orientieren, sondern stärker an den Entwicklungen im Iran.

Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:

Deutschland – Veränderung der Einzelhandelsumsätze (06:00 UTC)Deutschland – Arbeitslosenquote (07:55 UTC)Deutschland – BIP-Veränderung Q1 (08:00 UTC)Eurozone – BIP-Veränderung Q1 (09:00 UTC)Eurozone – Verbraucherpreisindex (09:00 UTC)Eurozone – Arbeitslosenquote (09:00 UTC)Eurozone – EZB-Zinsentscheid (12:15 UTC)Vereinigte Staaten – Kern-PCE-Index (12:30 UTC)Vereinigte Staaten – BIP-Veränderung Q1 (12:30 UTC)Vereinigte Staaten – Persönliche Einkommen und Ausgaben (12:30 UTC)Eurozone – EZB-Pressekonferenz (12:45 UTC)Eurozone – Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (15:15 UTC)

Am 30. April umfasst der Wirtschaftskalender zwölf wichtige Ereignisse. Der Einfluss dieses Nachrichtenstroms auf die Marktstimmung kann den gesamten Handelstag über anhalten.

EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:

Verkaufspositionen boten sich nach einem Rückprall vom Niveau bei 1,1745 im Stundenchart an, mit einem Ziel bei 1,1666. Diese Positionen können heute mit einem Kursziel bei 1,1568 gehalten werden, sofern das Paar unterhalb von 1,1666 schließt. Kaufpositionen werden bei einem Rückprall von 1,1666 mit einem Ziel bei 1,1745 empfohlen.

Die Fibonacci-Niveaus werden im Stundenchart von 1,2082–1,1410 und im 4‑Stunden-Chart von 1,1474–1,2082 gezogen.